US-Banken
Der Fluch der Größe

Der Goldman-Boss glaubt nicht, dass in der Größe der Banken das Problem liegt. Aber sein Argument, dass eine größere Zahl kleinerer Banken nur zu dem neuen Dilemma „too-many-to-fail“ führen würde, kann nicht überzeugen. Bei einem breiter gestreuten Risiko sind Sanierungsmaßnahmen leichter zu handhaben. Außerdem ist ein Weniger an Konzentration auch gut für den Wettbewerb.
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Die Banken legen sich in der Debatte um ihre richtige Größenordnung mächtig ins Zeug. Lloyd Blankfein ist der nächste Bankenchef, der sich jetzt zu Wort meldete, um gegen die Behauptung, "too-big-too-fail" heiße schlicht und ergreifend "zu groß", zu Felde zu ziehen. Der Goldman-Sachs-Chef argumentierte gegenüber dem deutschen Magazin Spiegel, dass eine Welt mit mehr, aber kleineren Banken genauso risikoreich sei wie eine Welt mit wenigen Finanzgiganten. Seine Argumente sind nicht überzeugend.

Blankfein meint, groß sei nicht gleich schlecht, und er glaubt, es sei "vollkommen irrelevant", ob das Risiko konzentriert oder gestreut werde. Er behauptet, dass die Beseitigung des "too-big-to-fail"-Dilemmas lediglich das neue Problem "too-many-to-fail" hervorbringen werde.

Aber der Kollaps Hunderter kleinerer Banken während der US-Sparkassenkrise vor 20 Jahren war wesentlich leichter zu bewältigen als ein Zusammenbruch von Citigroup oder Royal Bank of Scotland es heute gewesen wären, wenn man sie ihrem Schicksal überlassen hätte. Das Ausmaß, in dem die Verluste während der aktuellen Krise sozialisiert wurden, führte schließlich zu der Vorstellung, dass größer irgendwie auch sicherer bedeuten könnte. Lehman Brothers führte schließlich jedermann vor Augen, dass der Untergang einer großen, verflochtenen Institution überall auf der Welt verheerenden Schaden nach sich ziehen kann.

Natürlich liegt es in Blankfeins Interesse, dass große Banken wie seine auch in Zukunft groß bleiben dürfen. Ein Oligopol der Giganten begrenzt den Wettbewerb und ermöglicht höhere Provisionen. Hinzu kommt, dass die quasi garantierte staatliche Rückendeckung es Goldman und seinen XXL-Konkurrenten erleichtert, billige Kredite aufzunehmen. Das hilft, die Gewinne, die Aktienkurse und - wer sagt es denn - die Boni in die Höhe zu treiben.

Die Aufsichtsbehörden wollen die großen Banken mit Recht stärker überwachen, damit sie sicherer werden. Sie werden höhere Kapitalpolster und liquidere Bankbilanzen fordern. Sie werden die Bankenriesen aber auch dazu drängen, sich rechtzeitig mit ihrem eigenen Ableben zu beschäftigen, indem sie eine Art Testament zu Lebzeiten verfassen, dass ihre mögliche Demontage erleichtert. All diese Maßnahmen werden den Schrumpfungsprozess der Großen begünstigen.

Blankfein könnte letzten Endes damit Recht behalten, dass auch ein "too-many-to-fail" zu ähnlich schwerwiegenden Problemen führt. Aber das herauszufinden lohnt einen Versuch. Zuzusehen, wie Banken zu groß werden, um zu scheitern, ist eine zu riskante Strategie.

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