US-Hypothekendarlehen
Ein Allheilmittel, bitte

Die Wall Street kann sich nicht mit Finanzinnovationen aus dem Hypotheken-Schlamassel befreien. Lewis Ranieri, der Pate des hypothekenbesicherten Wertpapiermarkts, hofft dennoch darauf, während er gleichzeitig eine düstere Prognose abgibt. Die globale Verteilung von Verbriefungen von Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität macht es fast unmöglich, sie umzustrukturieren - und finanzielle Geheimprojekte bieten wenig Hilfe.

Wenn der Mann, der die hypothekenbesicherten Wertpapiere (MBS) erfunden hat, schon sagt, dass der Markt zerrüttet ist, dann wird es Zeit, sich Sorgen zu machen. Lewis Ranieri hat während seiner Zeit bei Salomon Brothers die ersten MBS aus der Taufe gehoben. Nun ist er zu Recht beunruhigt über den Markt, den er geschaffen hat. Er hofft darauf, dass geheime Innovationsprojekte an der Wall Street die Rettung bringen. Aber dies sieht nicht sehr wahrscheinlich aus.

Die Banken und die US-Regierung kämpfen verzweifelt darum, massive Zwangsvollstreckungen zu vermeiden. Aber dazu müsste man Hypotheken, die auszufallen drohen, in irgendeiner Weise umstrukturieren. Als der MBS-Markt ins Rollen kam, wurden Hypotheken in diskreten Portfolios gehalten und der Asset Manager, der sie besaß, hatte die Verantwortung und die Befugnis, Abmachungen mit in Schwierigkeiten geratenen Darlehensnehmern zu treffen.

Das trifft nicht mehr zu. In den vergangenen Jahren sind hypothekenbesicherte Schuldtitel bearbeitet und umgemodelt und dafür eingesetzt worden, wiederum über die ganze Welt verteilte Collateralised Debt Obligations (CDOs), also Wertpapiere, die mit einem Pool von Anleihen, Krediten und anderen Vermögenswerten unterlegt sind, zu besichern. Diese Transaktionen haben die, die die Kredite bedienen, von denen geschieden, die sie tatsächlich besitzen und daher die Befugnis haben, ihre Konditionen neu auszuhandeln. Wie Ranieri sagt: Heute müsste man das Kolosseum mieten, um alle diese Anleihebesitzer zusammen zu bringen – falls man sie überhaupt alle finden könnte.

Es ist offensichtlich, dass an der Lösung des Problems allerorten mit Hochdruck gearbeitet wird. Ranieri hofft, dass der Markt mit einer cleveren Antwort aufwarten wird. Aber wahrscheinlicher ist, dass der Staat in irgendeiner Weise eingreifen muss – wahrscheinlich indem diejenigen abgesichert werden, die den Schuldendienst für die Hypotheken leisten und es ihnen ermöglicht wird, Kredite en gros zu modifizieren, selbst ohne das offizielle Plazet der in alle Welt verstreuten Besitzer der Kredite.

Das ist natürlich nicht ganz fair, denn die Inhaber von CDOs werden leiden, wenn die Zinsen oder die Darlehenssumme der Hypotheken reduziert werden. Mit einer Prozesswelle ist zu rechnen. Dadurch wird sich die Sache in die Länge ziehen und teurer werden.

Doch nicht mehr Innovation ist hier gefragt, als vielmehr die Rückkehr zu der früheren Vorgehensweise. Der MBS-Markt liefert dem Immobiliensektor wichtige Liquidität. Aber dabei sollte man es auch belassen. Die Titel sollten nicht noch weiter zerlegt werden, um damit den CDO-Motor am Laufen zu halten. Ein Portfolio-Manager, der eindeutig verantwortlich ist für die Hypotheken, die einem Stapel von MBS-Papieren zugrunde liegen, kann die Konditionen angeschlagener Kredite leichter neu aushandeln. Und wer an dem Spiel mit eigenem Einsatz beteiligt ist, hat auch den Anreiz, von vornherein keine zweifelhaften Hypotheken zu kaufen.

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