US-Immobilienmarkt
Hypothekendarlehen fast geschenkt

Das US-Finanzministerium ist der Ansicht, dass niedrigere Zinsen die Nachfrage nach US-Hypothekendarlehen ankurbelt. Dies mag teilweise richtig sein. Aber Hypothekendarlehen sind bereits billig. Es sind der anhaltende Preisverfall bei Wohnimmobilien und die wachsende wirtschaftliche Unsicherheit, die die meisten Käufer zögern lassen.

Das US-Finanzministerium ist der Ansicht, dass eine Senkung der Zinsen auf Hypothekendarlehen dazu beiträgt, die Todesspirale des US-Immobilienmarkts aufzuhalten. Die Verantwortlichen planen, dass die Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac Kredite kaufen, die mit Zinsen von 4,5 Prozent versehen sind - das wären rund 1,5 Prozentpunkte weniger als bei Hypothekendarlehen jüngst üblich. Eine billigere Finanzierung mag vielleicht einige Einzelpersonen bestärken, die bisher noch unschlüssig sind, ob sie kaufen sollen. Aber es erscheint wahrscheinlich, dass die anhaltende Preisdeflation bei Wohnimmobilien und die wachsende wirtschaftliche Unsicherheit die meisten Interessenten noch eine Weile lang zögern lassen.

Zugegeben, die Zinsen auf die Hypothekendarlehen zu senken, würde schon ein wenig helfen. Nehmen wir einmal den durchschnittlichen Preis für ein amerikanisches Eigenheim von 200 000 Dollar. Die Kosten, um dieses Haus sein eigen zu nennen, belaufen sich - eine Hypothek über 160 000 Dollar mit einem Zins von sechs Prozent und, sagen wir, 400 Dollar im Monat an Steuern und Versicherung eingeschlossen - auf etwa 1360 Dollar. Durch ein 4,5prozentiges Hypothekendarlehen würde sich dieser Betrag aber nur um 150 Dollar pro Monat verringern. Die Restkosten würden dann immer noch rund 30 Prozent des durchschnittlichen US-Einkommens vor Steuern verschlingen.

Schlimmer noch: Der Käufer muss eine Anzahlung von 40 000 Dollar leisten, und dazu kommen Abschlussgebühren, die sich auf zusätzliche Tausende Dollar summieren können. Das ist ein happiger Betrag für jeden, um ihn darauf zu setzen, dass die Immobilienpreise nicht weiter fallen werden, besonders wenn der Notgroschen von den Marktrückschlägen in Mitleidenschaft gezogen wurde und vielleicht dazu gebraucht wird, um über mögliche Zeiten der Arbeitslosigkeit hinwegzuhelfen. In der Zwischenzeit haben die Banken ihre Maßstäbe für die Kreditvergabe verschärft, so dass nur noch die kreditwürdigsten Käufer zum Zug kommen. In solchen Angelegenheiten helfen Zinssenkungen nicht. Und es ist nicht sicher, dass dabei ein stabilerer Immobilienmarkt herauskommt.

Einzelheiten zu dem Plan des Ministeriums liegen noch nicht vor. Aber es scheint fast so, als wolle das Treasury die Käufe von Fannie and Freddie von unter den Marktzinsen liegenden Hypothekendarlehen damit finanzieren, indem es Staatstitel zu einem sogar noch niedrigeren Zins emittiert. Da die langfristigen Treasury-Bonds mit knapp über drei Prozent rentieren, mag dies wie eine attraktive Ausnutzung des Zinsgefälles erscheinen. Doch da die gesamte neue Mittelaufnahme der öffentlichen Hand im kommenden Jahr bereits bei über zwei Bill. Dollar liegen dürfte, sollte sich Uncle Sam bemühen, wirksamere Einsatzwege für seine Mittel zu finden.

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