US-Immobilienrettung
Durch die Kellerdecke

Das politische Feigenblatt des US-Senats zur Rettung des amerikanischen Immobilienmarkts über 300 Mrd. Dollar fordert ein Desaster heraus. Die Darlehenssumme von in Not geratenen Hypotheken zu kürzen und es Hauseigentümern zu ermöglichen, in billigere Kredite umzuschulden, hört sich vielleicht gut an. Aber dieses Vorhaben könnte die Immobilienpreise weiter nach unten drücken anstatt sie zu stützen. Und es bietet abwegige Anreize.

Hört sich das nicht großartig an? Sie sind ein amerikanischer Darlehensnehmer mit einer Hypothek, die den Wert Ihres Eigenheims übersteigt. Sie haben mit den Zahlungen zu kämpfen und denken tatsächlich schon daran, die Haustürschlüssel abzugeben. Aber dann bietet Ihnen die Regierung auf einmal an, die Darlehenssumme der Hypothek um fünfzehn Prozent oder mehr zu kürzen und Ihnen einen billigeren Kredit zu gewähren. Ach ja, und Fannie Mae und Freddie Mac, die beiden staatlich gestützten Baufinanzierer, werden die Rechnung am Ende übernehmen.

Chris Dodd und Richard Shelby, die beiden US-Senatoren, die sich den Deal ausgedacht haben, glauben, dass es da nicht viel zu überlegen gibt. Wenn es ihnen darum geht, so dazustehen, als ob sie sich um den Immobilienmarkt kümmern würden, dann versteht sich die Sache tatsächlich von selbst. Aber wenn es ihr Ziel ist, wie Dodd behauptet, ein Sicherheitsnetz unter den Immobilienpreisen einzuziehen, dann wird das neue Gesetz da nicht viel ausrichten können. Es läuft vielmehr Gefahr, die Sache nur noch zu verschlimmern.

Zunächst einmal bietet der Plan einige abwegige Anreize. So rechnen die Senatoren zum Beispiel damit, dass über eine Million an Kreditnehmern, die in Schwierigkeiten stecken und mit ihren Zahlungen in Verzug sind, sich die neuen Hypothekengarantien über 300 Mrd. Dollar zu Nutze machen. Aber was ist mit denen, die von negativem Eigenkapital heimgesucht werden und trotzdem ihre Zahlungen leisten? Sie könnten in Versuchung geraten, ihre Zahlungen einzustellen, nur um sich für das Programm zu qualifizieren.

Der größte Fehler des Plans besteht allerdings darin, dass er zu einer weiteren Abschwächung der Immobilienpreise beitragen könnte. Denn dann werden die Kreditanbieter die Verluste, die bisher nur auf dem Papier bestehen, tatsächlich realisieren müssen. Eine Abstufung ihres Werts um 15 Prozent mag für manche Immobilien angemessen sein - dies entspricht immerhin der von der Spitze bis zur Talsohle reichenden Prognose von Freddie Mac -, aber für andere Häuser könnte dieser Abschlag zu groß sein. Auf jeden Fall wird eine Abschreibung der Kreditportfolios um 53 Mrd. Dollar die Vergabe neuer Hypotheken nicht gerade anheizen.

Die Senatoren gehen davon aus, dass die Geldgeber eher damit leben können, 15 Prozent vom Wert der Sicherheiten zu verlieren, als mit den Einbußen, die sie erleiden würden, wenn die Kredite ganz ausfielen. Das mag schon zutreffen, aber es setzt auch voraus, dass die Kapitalgeber überhaupt in der Lage sind, Vorteile aus diesem Abtausch zu ziehen. In der Realität sind die meisten Hypotheken in den vergangenen Jahren verbrieft worden, und es ist nicht klar, wer in diesem forderungsbesicherten Ringelreihen aus Kreditanbietern, Abwicklern und Hypothekenbondinvestoren gesetzlich zu deren Modifizierung befugt ist.

Bedenken dieser Art sind ein Grund dafür, warum sich das "Hope Now"-Programm des US-Finanzministers Hank Paulson zur Umstrukturierung von Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität bisher nur im Schneckentempo vorwärts bewegt hat. Angesichts der Risiken wäre es vielleicht das Beste, wenn es dem Plan der Senatoren Dodd und Shelby so ähnlich erginge.

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