US-Inflation
Autsch!

Die US-Inflation hat im September angezogen und ausländische Investoren sind unzuverlässig geworden. Das legt nahe, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen anheben sollte. Der Immobilienmarkt schwächt sich dagegen immer noch ab, ein Ende ist nicht abzusehen. Deshalb sollten die Zinsen weiter fallen. Die Fed ist in einem Dilemma gefangen, das sich immer stärker zuspitzt.

US-Notenbankchef Ben Bernanke wird am 31. Oktober auf der nächsten Sitzung des Offenmarktausschusses der amerikanischen Zentralbank eine schwere Entscheidung treffen müssen. Die Inflation ist weit über den Zielkorridor hinausgeschossen, während sich der gewöhnlich zuverlässige Kapitalzufluss aus dem Ausland im August umgekehrt hat. Der Immobilienmarkt hat dagegen einen neuen Tiefstand erreicht, könnte aber immer noch weit von der Talsohle entfernt sein. Die Zinsentscheidungen werden immer mehr zur Qual.

Der Kapitalabzug durch ausländische Investoren über 69,3 Mrd. Dollar im August erscheint wie ein kurzzeitiger Tiefpunkt, der durch die Krise am US-Markt für Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität ausgelöst worden ist. Es gab genug Gründe dafür. Da sich die Umstände auf den Kreditmärkten seitdem wieder etwas beruhigt haben, kann davon ausgegangen werden, dass die normalen, beruhigenden Zuflüsse - die gebraucht werden, um die US-Defizite zu finanzieren - vielleicht bald wieder einsetzen. Allerdings ist die Höhe der Zuflüsse in diesem Jahr im Durchschnitt gesunken.

Es könnte also möglich sein, dass ein plötzlicher Vertrauensverlust in die US-Wirtschaft eine kräftige Zinserhöhung erfordert, um die ausländischen Investoren zurückzubringen. Das war 1979 so, es könnte heute wieder passieren.

Der Verbraucherpreisindex ist im September um 0,3 Prozent gestiegen und lag damit nur leicht über dem von Analysten erwarteten Zuwachs um 0,2 Prozent. Allerdings beträgt die Teuerung auf Jahresbasis, gemessen an den Verbraucherpreisen, 3,6 Prozent. Und sie könnte sich aufgrund der jüngsten Abschwächung des Dollar und der anhaltenden Aufwärtsbewegung bei den Rohstoffpreisen noch weiter erhöhen.

Auch die Steigerung des Erzeugerpreisindex um 1,0 Prozent im September deutet auf mögliche künftige Probleme hin. Bernanke zieht es vor, sich auf die jährliche "Kern"-Inflationsrate von knapp über zwei Prozent zu konzentrieren. Aber vielleicht muss er letztendlich doch erkennen, dass die Nachfrage aus China und anderen Ländern einen langfristigen Anstieg der Rohöl- und Rohstoffpreise mit sich gebracht hat, der die US-Verbraucher nachhaltig tangiert. Der Zuwachs der Raten hat nicht inne gehalten.

Umgekehrt scheint der Immobilienmarkt in einer wirklich schrecklichen Verfassung zu sein. Die Preise verfallen zunehmend, die Kennzahlen zum Baubeginn neuer Eigenheime liegen um 30 Prozent unter Vorjahr und das Vertrauen der Hausbauer verzeichnet ein historisches Tief. Erschwerend kommt hinzu, dass die absoluten Zahlen der Neubaustarts im September mit 1,19 Millionen und des Verkaufs neuer Eigenheime mit 795 000 im August immer noch gut über dem Niveau vorhergehender zyklischer Tiefs liegen, als etwa 800 000 neu begonnene Bauvorhaben und 400 000 Verkäufe verzeichnet worden waren. Bei der Bautätigkeit und bei den Preisen könnte also noch umfangreicher Spielraum nach unten bestehen. Eine Zinssenkung, die sich die Hypothekenbanker der Wall Street sehnlich wünschen, könnte hier Abhilfe schaffen.

Mit jeder neuen Veröffentlichung von Konjunkturdaten scheint sich das Dilemma für Bernanke zu verschärfen. Er muss zwischen den Risiken einer durch den Immobilienmarkt ausgelösten Rezession und einem gefährlichen Wiedererstehen der Teuerung und dem Verlust des Vertrauens der ausländischen Investoren hindurchsteuern. Wenn er und seine Kollegen vom Kurs abkommen, egal in welcher Richtung, dann könnte eine Krise drohen.

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