US-Inflation
Bitte keinen Nullzins mehr

Der vielbeachtete Verbraucherpreisindex CPI zog im Oktober stärker als erwartet an. Die Preise liegen inzwischen wieder in der Nähe ihres Höchstandes 2008. Ohne Nahrungsmittel, Energie und Wohnkosten bewegte sich die Inflationsrate bei knapp drei Prozent. Die Deflationsgefahren sind dagegen in den USA weitgehend gebannt, so dass es Zeit wird die Geldpolitik anzupassen.
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Das Inflationsrisiko ist in den USA inzwischen größer als die Angst vor der Deflation. Der Verbraucherpreisindex aller städtischen Haushalte (CPI) stieg im Oktober um 0,3 Prozent und damit stärker als erwartet. Der Preisindex liegt inzwischen nur noch um weniger als ein Prozent unterhalb seines Hochstandes vom September 2008. Ohne Nahrungsmittel, Energie und Wohnungskosten erreicht die auf Jahresbasis hochgerechnete Inflationsrate knapp 3 Prozent.

In den letzten vier Monaten des Jahres 2008 fielen die Verbraucherpreise deutlich, insgesamt um 3,2 Prozent. Hauptursache war der steile Fall der Öl- und Rohstoffpreise. Das Ausgangsniveau haben die Preise seither noch nicht wieder vollständig zurückerobert, aber seit Januar steigen sie wieder stetig und anziehende Rohstoff- und Energiepreise könnten schnell für eine Beschleunigung sorgen. Die Energiekomponente des CPI liegt immer noch um 14 Prozent unter ihrem Vorjahresniveau.

Die Kernrate des Index, die ohne Nahrungsmittel und Energie berechnet wird, steigt mit einer unspektakulären Jahresrate von 1,7 Prozent, im Oktober waren es 0,2 Prozent. Aber selbst ohne die volatilen Energiepreise wird die Kernrate durch die Wohnungskosten, die immerhin mit 43 Prozent zum Index beitragen, auf niedrigem Niveau gehalten. Die Wohnungskosten blieben im vergangenen Monat nahezu unverändert und stiegen im Jahresverlauf um lediglich 0,7 Prozent an. Ohne sie – man könnte vielleicht auch von der Kern-Kernrate sprechen – stieg der Verbraucherpreisindex in den zurückliegenden 12 Monaten um 2,4 Prozent und um 2,7 Prozent, wenn man nur die letzten 6 Monate betrachtet.

Der schwache Wohnungsmarkt könnte den Verbraucherpreisanstieg dämpfen, aber diese Einschätzung zeigt auch, dass es an anderer Stelle der Wirtschaft Inflationsdruck gibt – und weiterhin niedrige Zinsen könnten einem Anstieg der Energiepreise Vorschub leisten. Fällt der günstige Dezemberwert 2008 erst aus der statistischen Berechnung, dann wird die 12-Monatsrate der Inflation statistisch schnell steigen. Die Sorgen über eine Beschleunigung der Inflation, wie sie von verschiedenen Marktindikatoren, darunter Gold, bereits angedeutet wird, könnten also rasch zunehmen.

Federal Reserve Chairman Ben Bernanke will die kurzfristigen US-Zinssätze “noch eine Weile” auf niedrigem Niveau halten. Die Fed glaubt unter anderem, dass die schleppende Konjunktur die Inflation vorläufig in Schach halten wird. Aber eine Fed Funds Rate nahe Null liegt schon deutlich unterhalb der aktuellen Inflationsrate. Und, fast genauso wichtig, Deflation scheint inzwischen kein Thema mehr zu sein. Die Geldpolitik sollte also der jetzigen Wirtschaftssituation angepasst werden.

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