US-Inflation
Wird die Inflation Bernanke bremsen?

Die Teuerung in den USA hat sich im Januar beschleunigt. Die Preise außerhalb der Bereiche Nahrungsmittel und Energie steigen. Das wird der US-Notenbank nicht gefallen. Die Inflation kommt von außen – über die globalen Rohstoffpreise und über China. Der schwächere Dollar verschärft die Lage. Die Argumente, bei den Zinsschritten eine Pause einzulegen, verdichten sich. Das wird die Märkte in Bedrängnis bringen.

Einer Rezession, nicht der Inflation galt das Hauptaugenmerk der US-Notenbank Fed, wie die Senkungen des Zielsatzes für Fed Funds um 125 Basispunkte im Januar gezeigt haben. Aber die Teuerung ist jetzt schneller vorangeschritten als erwartet. Zwar treiben die Nahrungsmittel- und Energiepreise den Anstieg an, aber auch die Kerninflation, die beide Bereiche ausschließt, ist im Januar auf eine Jahresrate von 2,5 Prozent geklettert. Die Fed wird besorgt sein, genau so wie die Märkte. Die Aktienmärkte setzen auf weitere Zinssenkungen. Auf sie mag es ankommen, wenn eine Rezession vermieden werden soll. Aber es könnte jetzt als weniger sicher gelten, dass sie auch wirklich vorgenommen werden.

Denn die Teuerung stürmt voran. Die Belastung kommt von außen, sie zeigt sich resistent gegenüber der einsetzenden Schwäche der US-Wirtschaft, sie war von dem starken globalen Wachstum der vergangenen Jahre hervorgebracht worden und wird durch die Schwäche des Dollar verschärft.

Die US-Importpreise sind im Januar um 1,7 Prozent nach oben geschossen. Der Jahresanstieg erreichte damit nie zuvor verzeichnete 13,7 Prozent. Eine Erhöhung um 66,9 Prozent auf Jahresbasis beim Preis für importiertes Mineralöl verweist auf Öl als einen der Hauptverursacher des Preisauftriebs. Aber der Ausgangspunkt für die Infektion liegt weiter weg, in China, dessen Einfluss auf die globale Inflation sich völlig verändert hat. Die rasant kletternden Lieferungen von Billigerzeugnissen aus China hatten bisher eher deflationäre Tendenzen ins weltweite Wirtschaftsystem eingeschleust. Jetzt aber treibt der chinesische Nachfrage-Boom die Rohstoffpreise in die Höhe. Und da die chinesischen Löhne steigen, die Inflationsrate des Landes sich auf sieben Prozent erhöht, und der Yuan – langsam- gegenüber dem Dollar aufgewertet wird, nehmen die Exportpreise Chinas zu. Die Preise für US-Einfuhren aus China sind im Januar um 0,8 Prozent gewachsen.

Die Fed sieht sich einem Dilemma ausgeliefert. Die Gefahren lauern auf beiden Seiten. Wäre da nicht die Bedrohung durch eine Rezession, wäre der Weg für die Fed ganz klar: Sie müsste jetzt die Zinsen anheben. Sollte die Notenbank die Zinsen weiter senken, weil ein massiver Abschwung droht? Oder sollte sie sich zurückhalten und abwarten, was die bisherige Lockerung der Zinszügel zu bewirken vermag?

Die Argumente für ein Abwarten hängen nicht nur von der Teuerung ab. Die längerfristigen Zinsen werden vielleicht nicht mehr groß auf weitere Zinsrücknahmen reagieren, wodurch sich die Chancen erhöhen, dass das Wachstum zunimmt und die Inflation sich beschleunigt. Dazu kommen ja auch noch Hilfsmaßnahmen seitens der US-Regierung in Form von Steuererleichterungen. Wenn sie die Zinsen unverändert belässt, könnte die Fed vermutlich dem Dollar aufhelfen und damit anfangen, die Inflation bei den globalen Rohöl- und Rohstoffpreisen einzudämmen.

Die Orientierung der Fed war bisher eindeutig. Aber die Inflation hat dieses Ziel ein wenig verwässert. Vielleicht muss die Notenbank doch den steigenden Preise den Vorrang einräumen.

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