US-Rettungsprogramm Tarp
Mitarbeiter: Die interne Kapitalquelle

Wenn die Wall Street-Mitarbeiter die Hälfte ihrer Boni in die Aktien ihrer Bank investierten, wäre dies für sie wahrscheinlich ansprechender, als 90 Prozent davon bei Uncle Sam abzuliefern. Damit ließe sich zwar nicht der gesamte Betrag, der notwendig ist, einsammeln. Aber wenn dieser Weg mit den Steuergesetzen konform geht, dann wäre er ein cleverer Ansatz, um gleichzeitig Investoren für eine größere Kapitalerhöhung zu gewinnen.
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Die Wall Street-Firmen, die verzweifelt versuchen, die erhaltenen staatlichen Mittel zurückzuzahlen, könnten jetzt auf eine zusätzliche Kapitalquelle gestoßen sein: ihre Mitarbeiter. Vielen von ihnen droht, 90 Prozent ihrer Boni bei Uncle Sam abgeben zu müssen, wenn der schlecht durchdachte Steuergesetzvorschlag des Kongresses durchkommt. Dies bedeutet, dass ihnen mindestens genau so stark wie ihren Arbeitgebern daran gelegen sein müsste, ihre Banken aus der staatlichen Umklammerung und der wachsenden Liste an Einschränkungen zu befreien, die ihnen aus der Annahme der Regierungsgelder erwachsen ist.

Relativ robuste Firmen wie Goldman Sachs, JP Morgan und Morgan Stanley könnten in der Lage sein, dies in einen Vorteil für sich zu verwandeln. Sagen wir einmal, sie können ihre Banker dazu überreden, einen guten Teil ihrer Boni für 2008 - vielleicht die Hälfte davon - in eine neue Kapitalerhöhung ihrer Arbeitgeber zu investieren.

Zwar würde dies nicht den gesamten Betrag, der benötigt wird, abdecken. Goldman Sachs, zum Beispiel, hat im vergangenen Jahr Erfolgsprämien über weniger als fünf Mrd. Dollar ausgezahlt, schuldet dem US-Finanzministerium jedoch zehn Mrd. Dollar - desgleichen Morgan Stanley. JPMorgan müsste gleich 25 Mrd. Dollar locker machen.

Aber es würde die Mittel, die die Firmen zu ihrer Verfügung haben - sei es Cash oder seien es Vermögenswerte, die sie verkaufen können - aufpolstern. Goldman etwa überlegt angeblich, die Beteiligung an der chinesischen Bank ICBC teilweise abzustoßen. Und wenn die Banken noch mehr brauchen, wäre es clever, die Mitarbeiter einzubinden, um Investoren für eine größere Aktienemission zu gewinnen. Es würde gleichzeitig, abhängig von den Konditionen, die längerfristigen Aussichten der Mitarbeiter enger mit der Bank verknüpfen und es den Konkurrenten erschweren, sie abzuwerben.

Natürlich bleibt eine große Frage: Wenn das Gesetz in Kraft tritt, und die Firmen tatsächlich bald das Kapital aus dem Troubled Asset Relief Programme zurückzahlen, werden dann die Boni immer noch mit dem Strafsatz besteuert? Und wenn ja, dann für das ganze Jahr oder anteilig? Das vom US-Repräsentantenhaus verabschiedete Gesetz bietet hier keine Orientierung. Aber wenn eine frühzeitige Rückzahlung der Regierungshilfen irgendeine Art der Steuererleichterung mit sich bringt, dann könnten die Banken und ihre Angestellten sich auf diese Chance stürzen.

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