US-Zinsen
Das Ende der Deflation

Die Preise in den USA stehen kurz davor, die Richtung zu ändern. Bis zum Jahresende ist eine Inflation von zwei Prozent und darüber möglich. Doch die Investoren gehen immer noch davon aus, dass der Tagesgeldsatz von beinahe Null noch lange Zeit Bestand haben wird. Wenn sie falsch liegen, könnten sich die Finanzierungsbedingungen schnell verschärfen, und den übersprudelnden Märkten könnte die Luft ausgehen.
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Die Teuerung dürfte sich in den USA bald wieder bemerkbar machen. Die Headline-Rate wird sich wahrscheinlich bis zum Ende des Jahres um etwa drei Prozentpunkte erhöhen. Die Investoren könnten zu zuversichtlich sein, dass sich Ben Bernanke und seine Kollegen bei der US-Notenbank nicht darum kümmern werden.

Im vergangenen Jahr hatte Rohöl die US-Preise mit sich nach unten gezogen - um jeweils 0,8 Prozent, 1,7 Prozent und 0,8 Prozent in den letzten drei Monaten des Jahres 2008. Ein Jahr später präsentiert sich die Vergleichsbasis niedriger. Das genügt, um das Vorzeichen bei der Änderungsrate im Preisindex in sein Gegenteil zu verkehren: von minus 1,5 Prozent auf plus 1,5 Prozent. Doch wenn sich das Teuerungsmuster der vergangenen drei Monate fortsetzt, könnte sich die Jahresrate im Dezember bei knapp unter drei Prozent zeigen.

Diese Art von Umschwung passt offensichtlich nicht zu einem derzeitigen Leitzins von wenig mehr als Null. Dennoch haben viele Vertreter der Fed angedeutet, der Tagesgeldsatz könnte noch für eine lange Zeit niedrig bleiben. Der äußerst niedrige Satz soll dazu beitragen, eine ungewöhnlich schwache wirtschaftliche Erholung zu stützen, gegen die hohe Arbeitslosigkeit zu kämpfen und die Banken und Verbraucher wieder auf den Weg der Genesung zu bringen. Doch die jüngsten US-Konjunkturdaten sind gar nicht so schwach ausgefallen, und ein Großteil des für wirtschaftliche Anreize vorgesehenen Geldes ist noch nicht ausgegeben worden.

Einige Fed-Gouverneure haben bereits ihrer Besorgnis über inflationäre Risiken Ausdruck verliehen. Was Bernanke selbst angeht, so hat er sich eindeutig dazu bekannt, dass die US-Notenbank nicht die Fehler wiederholen dürfe, die sie in den dreißiger Jahren begangen hatte, als zu hohe Zinsen mit dazu führten, dass das Land in der Depression versank. Doch er hat viel weniger deutlich zu einem anderen geldpolitischen Missgriff Stellung bezogen: Die Zinsen zu lange zu niedrig zu halten. Diese Fehlleistung hatte in den siebziger Jahren der Inflation Tür und Tor geöffnet. Und drei Jahrzehnte später wurde dieser Irrtum wiederholt und brachte eine enorme Immobilienpreisblase hervor - und dann den Kollaps des Finanzsystems.

Man könnte behaupten, dass die überaus lockere Geldpolitik bereits jetzt eine Blasenbildung bewirkt: bei Anleihen, Aktien, Gold, Rohöl und anderen Rohstoffen. Bernanke und seine Kollegen könnten zu der Einsicht kommen, dass die Fed die überschüssige Liquidität, die aufgeblähten Märkte und die potenzielle Teuerung eher früher als später in Angriff nehmen sollte. Er könnte den Leitzins auf, sagen wir, zwei Prozent anheben. Damit wäre der Satz immer noch niedrig und könnte real sogar in negativem Territorium liegen - unter der Inflationsrate. Aber die Deflationsparty der Märkte würde dann ein plötzliches Ende mit Schrecken finden.

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