Wall Street
Zurück zur Alma Mater

Einige Masters of the Universe steigen aus, während das Spiel noch gut für sie läuft. Jüngste Beispiele dieses neuen Wall Street-Trends sind der Leiter des Asset Management bei Goldman Sachs und der M&A-Chef von Citigroup, die sich in dieser Woche von der Finanzbühne verabschiedet haben. Da sich die Gewinnaussichten für die Banken verschlechtern, sehen schlechter bezahlte Jobs in der Welt der Akademiker plötzlich verlockend aus.

Den Nadelstreifenanzug gegen ein Harris Tweed-Modell nebst Ellbogenschonern zu tauschen, scheint an der Wall Street groß in Mode zu kommen. Erst in dieser Woche haben einige Superstars des Investment Banking angekündigt, die Finanzwelt hinter sich zu lassen und sich dafür ganz oben im Elfenbeinturm der Akademiker niederzulassen. Für die Tweed-Fraktion bedauerlich, spricht aus diesem Exodus aber weniger eine leidenschaftliche Hingabe an das akademische Leben. Vielmehr ist er ein Armutszeugnis für die nähere Zukunft an der Wall Street.

Niemand kann sich derzeit vorstellen, dass die Finanzindustrie bald wieder derart gute Zeiten erlebt wie noch vor kurzem. Es hat sich ja nicht nur der Boom auf den Kreditmärkten in Luft aufgelöst. Wie US-Finanzminister Hank Paulson angedeutet hat, werden die Aufsichtsbehörden mit fast hundertprozentiger Sicherheit auf die jüngste Krise reagieren, indem sie von der Branche verlangen, mehr Kapital zu halten und den Einsatz von Fremdkapital zu verringern.

Damit wird unweigerlich die Fähigkeit der Banken beschnitten, Gewinne zu gerieren. Dies zeigt sich auch in den durchschnittlichen Gewinnprognosen der Volkswirte für die vier verbliebenen, auf das Investment Banking spezialisierten Institute Goldman Sachs, Morgan Stanley, Merrill Lynch und Lehman Brothers. Im Jahr 2006 - vor der Subprime-Schlappe - hatten sich die vier Wertpapierhäuser Gewinne über 28 Mrd. Dollar geteilt. In diesem Jahr dürfte sich ihr Gewinn zusammengenommen um 57 Prozent auf zwölf Mrd. Dollar reduzieren. Die nachfolgenden Ergebnisse werden zwar vermutlich besser ausfallen, aber dennoch weit hinter den Spitzenwerten von 2006 zurückbleiben.

Es sieht also ganz so aus, als wäre jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, um sich aus der Branche zu verabschieden. Da geringere Einnahmen verbucht werden, rudern die Investmentbanken zurück. Der Arbeitsplatz der Masters of the Universe selbst ist dabei vielleicht nicht in Gefahr, aber es macht sicher auch keinen Spaß, Tausende von Mitarbeitern zu feuern.

Und dann ist da ja auch noch die Sache mit dem Geld. Wenn die Gewinne zurückgehen, schrumpfen auch die Bonuszahlungen. Das heißt, dass jemand wie Edward Forst - der seine Stelle als Leiter des Asset Management bei Goldman Sachs aufgibt, um Executive Vice President an der Harvard University zu werden - was den Verdienst angeht, die besten Zeiten schon hinter sich haben könnte. Sicher, selbst wenn sein Gehalt aus dem Jahr 2007 um 50 Prozent gekürzt werden würde, hätte er immer noch 22 Mill. Dollar netto in der Tasche. Damit kommt er dem Gehalt eines durchschnittlichen Universitätsdozenten allerdings schon etwas näher als er dies wahrscheinlich seit Jahren gewesen ist.

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