Florian Kolf - Was vom Tage bleibt
Warum die Euro-Krise schon Rockmusiker alarmiert

Nervosität prägte den Tag: Angela Merkel spürt den heißen Atem der Ratingagenturen und von Peer Steinbrück, gleich mehrere Großkonzerne gerieten in Turbulenzen. Wann gesunder Menschenverstand hilft - und wann nicht.
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Wunderschönen guten Abend,

die Euro-Krise alarmiert mittlerweile nicht mehr nur die Politik und die Märkte. Die Hardrockband Metallica wird ihre für 2013 geplante Europatournee jetzt um ein Jahr vorziehen. Der Manager der Band hat Sorge, dass der Euro wegen der ungelösten Probleme in der Euro-Zone langfristig an Wert verlieren könnte - und die Konzertveranstalter dann nicht mehr in der Lage sein könnten, die Gagen der Band zu zahlen. Die Band Red Hot Chili Peppers hat aus dem gleichen Grund bereits die Europa-Stationen ihrer Welttournee vorgezogen. Er sei ja kein Ökonom, sagte der Band-Manager dem Wall Street Journal, aber er könne sich schon mit gesundem Menschenverstand überlegen, was man am besten wann tut.

"Merkozy" im Wettlauf mit der Zeit

Mit gesundem Menschenverstand allein werden Angela Merkel und Nicolas Sarkozy nicht mehr mit der Euro-Krise fertig. Nachdem die Ratingagentur Standard & Poor's gestern bereits gleich 15 Euroländer vor einer einer drohenden Herbastufung gewarnt hat, schob sie heute eine weitere Hiobsbotschaft nach: Damit ist auch der Eurorettungsfonds EFSF von einem Downgrading bedroht. Jetzt müssen "Merkozy", wie das politische Tandem bereits spöttisch genannt wird, nicht nur die richtigen Maßnahmen zur Stabilisierung finden, sondern auch ihre Amtskollegen in den anderen Euroländern rasch davon überzeugen, diese Maßnahmen auch umzusetzen. Denn sie spüren den heißen Atem der Ratingagenturen bereits im eigenen Nacken.

Steinbrück poltert gegen Merkel

Peer Steinbrück hatte heute mal wieder die Gelegenheit, sich als mögliche Alternative zu Merkel zu präsentieren. Aber so richtig deutlich wurden seine Konzepte bei der mit Spannung erwarteten Rede auf dem SPD-Parteitag auch nicht. Ein Großteil seiner kämpferischen Rede bestand aus persönlichen Angriffen auf Angela Merkel, er nannte ihre Politik "dämlich" und "schwachsinnig". Damit dürfte eins klar sein: Falls er in den Wahlkampf gegen Merkel einsteigt, wird der zumindest nicht langweilig. Vielleicht trauen ihm deshalb die Handelsblatt-Online-Leser mehr zu als Sigmar Gabriel oder Frank-Walter Steinmeier: Bei einer Umfrage nannten heute 73 Prozent Steinbrück als besten Kanzlerkandidaten der SPD.

Atomwende kostet EnBW-Chef den Job

Dem Druck nicht mehr standhalten konnte EnBW-Chef Hans-Peter Villis; er wird seinen Vertrag nicht verlängern. Die Zahlen beim baden-württembergischen Energieversorger waren schlecht, was nicht zuletzt daran lag, dass das Unternehmen wegen der staatlich verordneten Atomwende zwei Kernkraftwerke abschalten musste. Auslöser für den Abgang war aber wohl, dass die Chemie zwischen Villis und der grün-roten Landesregierung nicht stimmte. Die Probleme bei EnBW löst das aber nicht. Der Versorger braucht jetzt nicht nur einen neuen Chef sondern auch eine neue Strategie.

Anleger strafen RWE und Metro ab

Gleich zwei Dax-Konzerne haben heute an der Börse eine richtige Abfuhr bekommen. RWE hatte den Mut, in der schwierigen Marktsituation eine Kapitalerhöhung zu platzieren. Doch den Anlegern gefiel das gar nicht. Rund zwei Milliarden Euro hat RWE durch die Kapitalerhöhung eingenommen, zugleich aber hat der Kurssturz um bis zu 12 Prozent den Marktwert der Aktie um 2 Milliarden Euro verringert. Langfristig aber dürfte der Schritt dem Konzern helfen seine Kapitalstruktur zu verbessern. Bei Metro war es eine Gewinn- und Umsatzwarnung, die die Aktie auf Talfahrt geschickt hat. Das Weihnachtsgeschäft läuft offenbar doch nicht so gut wie erhofft. Jetzt kann nur noch ein erfolgreicher Verkauf der Tochter Kaufhof die dringend benötigten guten Nachrichten bringen.

Was fehlt? Zwei Top-Manager des Blackberry-Herstellers RIM waren offenbar von allen guten Geistern verlassen. In stark alkoholisiertem Zustand haben sie auf einem Flug nach Peking dermaßen randaliert, dass der Pilot den Flug abbrechen musste und sie der Polizei übergeben hat. Jetzt wurden sie nicht nur zu einer hohen Geldstrafe verdonnert, sondern auch von ihrem Arbeitgeber vor die Tür gesetzt. Da fehlte offenbar jeglicher Menschenverstand.

Ich wünsche Ihnen einen guten Feierabend,

Florian Kolf

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

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