Was vom Tage bleibt
Abzocke pur in London

Ein deutsches Duell in der Champions League ist prima, aber teuer. Vor allem für jene, denen Cyber-Diebe die Konten leergeräumt haben. Slowenen und Piraten haben auch keinen Grund zum Lachen. Der Tag im Rückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Besser nicht nach London

Wollen Sie unbedingt noch zum Champions-League-Finale in London? Sie sollten es sich sehr genau überlegen, der ganze Spaß kostet ein Vermögen. Erst einmal müssen Sie eines der begehrten Tickets bekommen, also die erste Hürde nehmen. Auf dem Schwarzmarkt wird mindestens ein vierstelliger Euro-Betrag fällig, wollen Sie das wirklich ausgeben? Und dann fehlt noch der Transport: Natürlich wissen die Airlines ganz genau, dass Fußball-Fans fast jeden Preis zu zahlen bereit sind. (Und die Hoteliers in London wissen das natürlich auch.) Unser Tipp: Machen Sie es sich doch einfach vor dem Fernsehapparat oder in ihrer Stammkneipe gemütlich.

Nie wieder zurück zum Bankschalter

Alle lieben die Errungenschaften des modernen Bankwesens. Zyniker meinen gar, dass der Geldautomat die einzig sinnvolle Veränderung bei den Banken während der zurückliegenden 20 Jahre gewesen sei. Und jetzt geht uns auch noch der letzte Spaß an Kredit- und EC-Karte verloren. Extrem dreiste Diebe haben Computer geknackt und weltweit Konten geräumt, auch in Deutschland. Kann man den Banken eigentlich noch die Behauptung abnehmen, die Nutzung der Geldkarten sei sicher? Natürlich nicht, wie das jüngste Beispiel zeigt. Aber vielleicht bekommen unseren lieben Geldhäuser ja einmal ein Problem – dieses – in den Griff. Mir graut nämlich davor, wenn ich mich wieder am Bankschalter für Bargeld anstellen müsste.

Das kleine Land „da unten“

Kennen Sie Slowenien? Wahrscheinlich nicht. Für den Durchschnitts-Deutschen ist das irgendetwas „da unten“ in Ex-Jugoslawien. Und, Hand aufs Herz, allzu genau kennt man nicht einmal den Unterschied zwischen der Slowakei und Slowenien. Slowenien ist klein, das stimmt. Aber es gehört auch zur Euro-Zone. Und deshalb sollten wir in Deutschland sehr genau hinsehen, wenn die Krise in Slowenien immer schlimmer wird. Die Regierung in der Hauptstadt Ljubljana hat jetzt ein umfassendes Rettungspaket aufgelegt, das dem kleinen Land den Canossa-Gang nach Luxemburg zum Euro-Rettungsfonds ersparen soll. Ein letzter Versuch ist dieses Reformprogramm, der Ausgang des slowenischen Leidens ist völlig offen.

Ach, die Piraten von früher

In meiner Kindheit waren Piraten einfach Klasse. Wer hat sich nicht gern als Freibeuter der Meere verkleidet und dann am liebsten noch die Oma erschreckt. Was sind dagegen die Piraten von heute? Ein eher jämmerliches Häuflein, das man nicht mehr besonders ernst nehmen kann. Am Wochenende wollen Deutschlands Piraten auf ihrem Parteitag in der Oberpfalz zum Neuanfang durchstarten und trotz aller jüngsten Pleiten doch noch bei der Bundestagswahl den Einzug ins Parlament schaffen. Die Reisekosten in die bayerische Provinz hätten sie sich besser sparen sollen. Das wird nichts mehr mit unseren Piraten, selbst die Oma zuckt nicht mehr vor Ehrfurcht zusammen.

China, die unbekannte Größe?

Wie du mir, so ich dir. Nach diesem sattsam bekannten Muster reagiert jetzt auch China. Kaum hatte die EU am Donnerstag Handelssanktionen gegen chinesische Hersteller von Solarzellen verkündet, kam flugs die Retourkutsche aus Peking. Stahlrohre aus Europa werden jetzt künftig beim Verkauf nach China mit Strafzöllen belegt. Hätte sich das nicht jemand in Brüssel denken können? Verhandeln und miteinander reden wäre da wohl die bessere Alternative gewesen. Aber nun gut, wir wissen ja schon: Manchmal dauert in Brüssel alles ein wenig länger.

Das Wetter am Wochenende soll nicht sonderlich gut werden, sorgt also auch nicht für Aufmunterung. Trotzdem Kopf hoch, irgendwann wagt sich die Sonne bestimmt wieder heraus.

Stefan Menzel, stellvertretender Chefredakteur Handelsblatt Online

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Abzocke pur in London"

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  • Zu China:
    Nun gut, vlt wollte ja kaum jemand glauben, dass das mit den Strafzöllen stante pede retourniert wird.
    Nun weiß man es.
    Man könnte es Sondierungsgeplänkel nennen.
    Oder auch nicht.

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