Was vom Tage bleibt
Achtung: Hier ereignet sich Geschichte

In Kiew vollzieht sich Historisches in Formel-1-Geschwindigkeit. Am Frankfurter Flughafen steht die Zeit still. Zuckerbergs Deal beunruhigt die Netzwelt. Und ein alter Bekannter hat einen neuen Job. Der Tagesbericht
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Das Wunder von Kiew

Da ist sie wieder: Julia Timoschenko. Die ukrainische Opposition wird mit ihr ein prägendes Gesicht erhalten, nachdem das Parlament heute ihre Freilassung vorbereitet hat. In dem Land ist ein Wunder passiert, nachdem Russland und die EU endlich am gleichen Strang gezogen haben. Opposition und Regierung haben einen Vertrag unterzeichnet. Innerhalb von 48 Stunden soll ein Sondergesetz angenommen, unterschrieben und veröffentlicht werden, das die Verfassung von 2004 wieder in Kraft setzt. Damit müsste der Präsident Macht an die Regierung und das Parlament abgeben. Die Unterzeichner wollen innerhalb von zehn Tagen eine „Regierung der nationalen Einheit“ bilden. In der Ukraine spielt sich Historisches in Formel-1-Geschwindigkeit ab. Hoffentlich hat es mehr Bestand als ein Tagessieg von Vettel und Co.

Abendzug nach Stockholm

16 Euro sollen Menschen in Deutschland verdienen, die andere am Flughafen danach abtasten, was sie in der Tasche anhaben. Das verlangt die Gewerkschaft Verdi von den Arbeitgebern der Sicherheitsunternehmen, die die Fluggäste vor dem Einsteigen kontrollieren. Die Arbeitgeber meinen, das ist zu viel, Verdi hat darauf den Streik in Frankfurt ausgerufen, und da geht deswegen heute nichts mehr. Die Passagier, die nicht fliegen können, sind die Geiseln der Streikenden. Das ist zwar nichts Neues, sondern sozusagen dienstleistungssystemimanent. Aber jeder Zwangsdaheimgebliebene wird es trotzdem bedauern. Die Stimmung sei gereizt, er habe das Transportmittel gewechselt, schrieb vorhin einer aus dem Abendzug nach Stockholm.

Klartetxt bitte

Zuckerbergs größter Deal beunruhigt die Netzwelt. Dass Facebook keine private Veranstaltung ist, hatten die meisten mitbekommen. Dass ihre Nachrichten, die sie sich per WhatsApp schickten nun auch in Zuckerbergs Datenvorräten landen macht sie unfroh. „Wir müssen über den politischen Weg ein hohes Datenschutz-Niveau sicherstellen“, sagt der netzpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Lars Klingbeil. Ganz praktisch und ganz froh ist dagegen Martin Blatter. Er hat „Threema“ mitentwickelt, das ist eine App zum Nachrichten-Austauschen. Sie zählt aktuell 400.000 aktive Nutzer, in den Download-Statistiken steht sie auf Platz 1. „Wir rechnen damit, dass noch heute weitere 200.000 Nutzer dazukommen werden“, sagt Blatter. Nutzer von „Threema“ können nämlich mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung kommunizieren. Das heißt: Außer den beiden, die es etwas angeht, bekommt niemand den Klartext zu Gesicht. Schöner Nebeneffekt: So etwas verpflichtet, auch Klartext zu schreiben.

Neuer Job für Notheis

Dirk Notheis ist nicht mehr Deutschland-Chef von Morgan Stanley, seit er Stefan Mappus beim Rückkauf von EnBW-Anteilen möglicherweise nicht optimal beraten hat. Stefan Mappus ist seit dem auch nicht mehr Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Und die CDU ist dort nicht mehr an der Regierung. Notheis aber hat jetzt wieder einen neuen Krisenjob: Er berät die österreichische Regierung bei der Abwicklung der Skandalbank Hypo-Alpe-Adria. Unsere Nachbarn werden wissen, welche Kapazität sie dort in Amt und Würden berufen. Sie können es sonst gerne bei Handelsblatt Online nachschauen. Einfach „Notheis“ in die Suchfunktion eingeben. Viel Spaß!

Leider positiv aufgefallen

„Ich kann mir überhaupt nicht erklären, wie es zu dieser positiven Dopingprobe gekommen ist. Selbst entsprechende Nahrungsergänzungsmittel hatte ich vorher im Labor prüfen, beziehungsweise mir die Unbedenklichkeit von den Herstellern bestätigen lassen, um immer auf der sicheren Seite zu sein“, sagt Evi Sachenbacher-Stehle. Die deutsche Biathletin ist die erste Sportlerin in Sotschi, die bei einer Doping-Kontrolle leider positiv auffiel. Ihr Cheftrainer heißt Uwe Müssiggang. Er fasst zusammen, was wir denken, wenn er sagt: „Was mich so ärgert, ist die Dummheit.“ Mögen wir so ins Wochenende gehen? Nein. Deswegen hole ich nochmal meinen Curt Goetz heraus. „Der Kluge“, so sagt der alte Theatermann, „ärgert sich über Dummheiten. Der Weise belächelt sie.“

Jetzt lächelt Ihnen das Wochenende. Machen Sie es gut,

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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