Was vom Tage bleibt
Arbeitskampf bei vollem Lohnausgleich

Gewerkschaften schaffen es ohne Streik selten so oft in die Presse wie die Eisenbahner: dem Mainzer Stellwerkchaos sei Dank. Derweil hat sich ein Ministerpräsident verirrt – und ein Firmenchef kann vor Glück schreien.
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Guten Abend,

Ein Streik wie kein anderer

So viele Schlagzeilen macht Mainz nicht mal im Karneval. Bundesweit regen sich Politiker, Bahnfahrer und Gewerkschafter über das Chaos im rheinland-pfälzischen Stellwerk auf. Das Eisenbahn-Bundesamt stellt einen Verstoß gegen rechtliche Verpflichtungen fest – doch alles hilft nicht. Wirkliche Besserung soll es erst in der letzten Augustwoche geben. Aber auch nur dann, wenn bis dahin kein Mitarbeiter krank wird. Total praktisch für die Arbeitnehmervertreter: Sie brauchen noch nicht mal streiken, um die Bahn stillzulegen. Es wütet ein Arbeitskampf bei vollem Lohnausgleich.

Ein Brüller bei Loewe

Horst Seehofer sagt einem Unternehmen Staatshilfe zu und Peer Steinbrück wettert gegen die Scheinheiligkeit des bayerischen Ministerpräsidenten. Das hat es im Jahr 2009 gegeben, als Seehofer sich mit einem Quelle-Katalog fotografieren ließ, dessen Druck er mit freistaatlichen Mitteln sichern wollte. Kanzlerkandidat Steinbrück kann seine heftige Kritik jetzt aus der Mottenkiste kramen, denn Geschichte wiederholt sich eben doch manchmal. Seehofer versprach heute dem in die Krise geratenen Fernsehhersteller Loewe staatliche Unterstützung bei der Sanierung. Da schalte ich ab.

Auf Shopping-Tour

Beim Online-Kaufhaus Zalando ist ein neuer Großinvestor an der Bord. Der Chef der skandinavischen Textilhandelsgruppe Bestseller, Anders Holch Povlsen, kauft zehn Prozent an dem Berliner Unternehmen. Unter anderem verkauft Tengelmann einen Teil seiner Beteiligung und hält künftig noch sechs Prozent an Zalando. Rückblickend gab sich Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub kürzlich über den eigenen Mut verwundert, bei dem Internet-Händler überhaupt erst eingestiegen zu sein. Jetzt erntet er die Früchte des Wagnisses. Er könnte vor Glück schreien.

Pflege mit Systemfehler

Das deutsche Pflegesystem ist anfällig für Korruption, diagnostiziert die Organisation Transparency International. Verbesserte Mitbestimmungsrechte für Heimbewohner seien ebenso nötig wie eine bessere Kontrolle von Betreuern. Ein vermeintlicher Mangel an Fachkräften diene teilweise Pflegeheimbetreibern als Ausrede, weniger Mitarbeiter als nötig zu beschäftigen – auch wenn es eigentlich genug Bewerber gebe. Die Fachkräfte selbst wünschen sich mehr Geld, aber vor allem auch mehr Anerkennung. Das Werbeplakat einer Versicherung sorgte daher heute für Aufregung. Die Analyse stimmt in allen Punkten. Allein die Lösung ist nicht in Sicht.

Einen schönen Abend wünscht Ihnen

Martin Dowideit

Der Autor auf Twitter: @MDowideit

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales

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