Was vom Tage bleibt
Das Phantom der Banken

Den deutschen Privatbanken fehlt in der Krise ein Fürsprecher, der deutschen Jugend fehlt eine Perspektive und die Weihnachtszeit kann gefährlich für Leib und Leben werden. Der Tagesrückblick
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Wunderschönen guten Abend,

Sprachlose Banken

Es wirkt schon merkwürdig: Da übergibt der Präsident des Bankenverbandes den Stab an seinen Nachfolger - doch der glänzt mit Abwesenheit. Dabei war Jürgen Fitschen, Co-Chef der Deutschen Bank, ohnehin schon in den vergangenen Monaten politisch präsenter als sein glückloser Vorgänger Andreas Schmitz. Bezeichnend, dass die heutige Pressekonferenz auch noch in den Zwillingstürmen der Deutschen Bank stattfand. Dass Fitschen noch bis zu seinem offiziellen Amtsantritt im April quasi als "Phantom der Banken" im Hintergrund bleiben soll, ist das letzte, was die Branche gebrauchen kann. Sie muss ihren in der Finanzkrise ramponierten Ruf reparieren - jetzt, und nicht erst in vier Monaten.

Vertagter Klimaschutz

Zu lange geredet, statt gehandelt wird auch auf den endlosen Klimakonferenzen. Jetzt ist die nächste in Doha im Wüstenstaat Katar gestartet, und dass sie ohne greifbares Ergebnis enden wird ist bereits klar. Ich spare mir naheliegende, aber alberne Sprachbilder wie "im Sande verlaufen". Die Absurdität von endlosen Konferenzen angesichts realer Klimaprobleme zeigt die Bilanz des jüngsten Hurrikans "Sandy" in den USA. Auf bis zu 25 Milliarden Euro schätzt die Swiss Re den Schaden für Rückversicherer. Dass nun über einen "Weltklimavertrag" ab dem Jahr 2020 geredet wird, ist mit Verlaub gesagt lächerlich.

Leistung lohnt sich nicht?

Für viele Deutsche sind ohnehin ganz andere Probleme drängend: zum Beispiel die eigene wirtschaftliche Situation, die angesichts der Euro-Krise nicht wirklich rosig aussieht. Und was besonders erschreckend ist: Die Hälfte der jungen Menschen in unserem Land ist davon überzeugt, dass man nicht mit eigener Leistung den sozialen Aufstieg schaffen kann. Zu oft, so ihre Erfahrung, ist allein das Elternhaus entscheidend für die Zukunftschancen. Warum wagt eigentlich keine Partei in Deutschland, dieses Problem zum Wahlkampfthema zu machen?

Krise? Welche Krise?

Wahrscheinlich, weil wir Deutschen so schön verdrängen können. Krise? Welche Krise? Nach einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung will jeder Verbraucher im Schnitt 285 Euro in diesem Jahr für Weihnachtsgeschenke ausgeben, neun Prozent mehr als im Vorjahr. Ist das nun das Ende der deutschen Jammerei? Wahrscheinlich haben die Bürger nur das neue Jugendwort des Jahres verinnerlicht: Yolo, was so viel bedeutet wie "you only live once". Zu deutsch: Hauen wir die Kohle raus, bevor wir morgen damit die Griechen retten müssen, jeder ist sich offenbar selbst der Nächste.

Was fehlt? Pünktlich zum Start der Adventszeit kommen die Hiobsbotschaften. Lichterketten können lebensgefährliche Stromschläge auslösen, hat der TÜV ermittelt, und in der Schokolade von Adventskalendern hat die Stiftung Warentest Mineralöl gefunden.

Ich wünsche Ihnen einen besinnlichen Feierabend, bei Kerzenschein und selbstgebackenen Plätzchen. Sicher ist sicher!

Florian Kolf

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Das Phantom der Banken"

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  • >>Die Hälfte der jungen Menschen in unserem Land ist davon überzeugt, dass man nicht mit eigener Leistung den sozialen Aufstieg schaffen kann. Zu oft, so ihre Erfahrung, ist allein das Elternhaus entscheidend für die Zukunftschancen. Warum wagt eigentlich keine Partei in Deutschland, dieses Problem zum Wahlkampfthema zu machen?<<

    Ganz einfach: Erstens kosten alle Maßnahmen (egal welche) Geld - und das gibt man lieber an griechische und spanische Banken statt in unsere Kinder.

    Zweitens müßte man dann ja Dinge ansprechen, die im Zeitalter der Political Correctnes tabu sind, z.B. daß eben nicht alle Hartzer alles tun, um wieder zu Arbeit zu kommen, oder daß es besonders unter Migranten jede Menge Schulverweigerer gibt.

    Dann doch lieber weiterwurschteln wie bisher, den deutschen Michel mit Brot und Spielen bei Laune halten, dann werden die sechs linken Parteien im Bundestag schon alle wiedergewählt.

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