Was vom Tage bleibt
Der Moody's Blues bleibt ungehört

Weil von Christian Wulff und den Griechen nichts Neues kommt, dominierten Moodys, ThyssenKrupp und ein junger Chemieprofessor diesen Tag.
  • 5

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Moody's Blues

An sich begann dieser Tag mit einem Schreck: Die Ratingagentur Moody’s stuft sechs europäische Staaten herab. Nach so einem Schritt hätten einst - und einst ist vor etwas sechs Monaten - die Märkte den Blues gespielt, weil klar ist, dass es um diese Staaten und ihre Kreditwürdigkeit und damit um ihre Refinanzierung nicht gut bestellt ist. Heute sagen sich die Anleger: Na und? Moody's erzählt nichts, was nicht ohnehin jeder weiß. Die Risiken in Europa sind in Wirklichkeit zurückgegangen. Es gibt vielleicht Sorgen, dass die Sparmaßnahmen der Länder das Wachstum bremsen - aber das ist nicht eben neu. In Frankfurt drehte der Dax am Vormittag prompt ins Plus. Verkehrte Welt? Nein. Die Welt, die von den Ratingagenturen oft genug auf den Kopf gestellt wurde, landet endlich wieder auf den eigenen Füßen.

ZEW spürt den Rock

Und die Welt hat allen Grund dazu. Insbesondere Deutschland. Die Konjunkturerwartungen der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) befragten deutschen Finanzmarktexperten stiegen im Februar jedenfalls überraschend kräftig und liegen erstmals seit Mai 2011 wieder im positiven Bereich. Das ZEW befragt monatlich rund 300 Analysten und institutionelle Anleger. Ihre positive Stimmung überraschte heute die Branche jener Vorhersager, die sich allerdings schon immer dann überrascht geben, wenn sie schwarz auf weiß lesen, was sie sowieso schon ahnen. Auch so ein Moody's-Effekt.

Zu früh für ein Requiem

Der größte deutsche Stahlkonzern Thyssen-Krupp hat unter seinem neuen Chef Heinrich Hiesinger keinen guten Start: Das Geschäftjahr 2011/12 ist mit einem Verlust losgegangen. Dem Dax-Konzern machten eine schwächere Nachfrage nach Stahl und weiterhin hohe Verluste bei den neuen Stahlwerken in Übersee zu schaffen. Hinzu kamen Abschreibungen in der Werftensparte. Nach Steuern musste Thyssen-Krupp einen Verlust von 480 Millionen Euro hinnehmen. Vor allem die neuen Stahlwerke in Übersee sind seit Jahren ein Bremsklotz für Thyssen-Krupp mit rund 171 000 Beschäftigten. Die Kosten für die Werke in Brasilien und den USA waren auf rund zehn Milliarden Euro explodiert. Kommt der wankende Riese wieder auf die Beine oder unter die Räder? Unter Hiesinger wird sich diese Frage endgültig entscheiden.

Schiefe Töne aus Karlsruhe

3890 Euro brutto plus 23 Euro Leistungszulage ist zu wenig, wenn man sich als junger Professor leistungsgerecht bezahlt fühlen soll. Das jedenfalls sah ein Chemieprofessor aus Hessen so, klagte bis vor das Bundesverfassungsgericht und bekam damit heute Recht. Hochschullehrer haben Anspruch auf ein deutlich höheres Grundgehalt und ein einklagbares Recht auf Zahlung von Leistungszulagen, entschieden die Richter in Karlsruhe. Was das heißt? Der junge Professor hat gehobenere Ansprüche. Stimmt. Was es noch heißt? Das Grundgehalt wird steigen, die Leistungszulagen sinken. Damit drehen die Richter einen Trend um, der mühsam in das Beamtenrecht Einzug gehalten hat und letztlich dazu dienen soll, leistungsgerechtere Gehälter zu zahlen. Kein gutes Urteil.

Einen gehobeneren Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Der Moody's Blues bleibt ungehört"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Herr Stock, die Risiken in Europa sind mitnichten zurückgegangen. Das wissen die Anleger. Aber wenn Ihnen vom Flur durch die Zimmertür beständig frisch gedruckte Geldbündel hineingereicht werden, dann sind Sie bar irgendeiner vernünftigen Alternative gezwungen das Geld im Zimmer anzulegen. Aber, soviel werter Herr ist sicher, irgendwann ist das Zimmer gefüllt und die Anleger draußen!

  • Kurzfristigen Trends. Die letzten Aufschünge vor der grossen deflationären Talfahrt. Kühl und ruhig bleiben, Geld in bar halten. Später kaufen, zu viel tieferen Preise. Wertzuwachs bei Bargeld tritt ganz von allein.

  • zu schiefe töne aus karlsruhe: was soll denn bei 23 EUR leistungszulage noch sinken? :)

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%