Was vom Tage bleibt
Der neue Helfer aus dem Westen

Obama springt der Athener Regierung zur Seite, Karstadt streicht wieder Jobs. Ryanair geht es besser, Deutschland feiert neue Exporterfolge und die USA stehen vor Waffenlieferungen an die Ukraine. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Obama hilft

Griechenlands Premier Alexis Tsipras hat einen interessanten neuen Verbündeten bekommen: den US-Präsidenten. Barack Obama teilt die Meinung vieler amerikanischer Ökonomen, dass sich Griechenland nicht länger totsparen dürfe – sondern wachsen müsse. Damit stellt sich Obama auch gegen die herrschende deutsche Ökonomen-Lehrmeinung, wonach die Griechen weiter sparen müssten. Die Wahrheit dürfte irgendwo in der Mitte liegen. Auf jeden Fall brauchen die Griechen auch noch einmal eine Finanzspritze. Anders werden sie niemals von ihrem gewaltigen Schuldenberg herunterkommen. Die Deutschen dürften einer weiteren Hilfe am Ende zustimmen – weil es einfach nicht anders geht.

Die nächste Runde

Fast 1300 Jobs sind es jetzt wieder, die beim angeschlagenen Kaufhaus-Konzern Karstadt gestrichen werden. Ist das die sechste, siebte oder achte Sparrunde beim früheren Vorzeigeunternehmen? Auch Karstadt-Kenner dürften inzwischen mit dem Zählen aufgehört haben. Jeder weiß, dass es noch weitere Sparrunden geben wird. Karstadt ist auf einem langen, schmerzhaften Weg nach unten. Die glorreichen Zeiten der deutschen Kaufhäuser sind einfach vorbei.

Und sie fliegen doch

Jammern gehört in der Wirtschaft zum Geschäft. Gerade eben haben die Lufthansa und Air France einen Beschwerdebrief über den wachsenden Einfluss der Golf-Airlines wie Etihad und Emirates bei der EU-Kommission in Brüssel abgegeben und vor Wettbewerbsverzerrungen gewarnt. Doch es geht auch anders, wie das Beispiel Ryanair zeigt. Der irische Billigflieger hat schwere Zeiten hinter sich. Im Unterschied zu den früheren Staatsairlines geht es jetzt allerdings von ganz allein wieder aufwärts – trotz aller vermeintlicher Wettbewerbsvorteile von Etihad und anderen. Staatshilfen darf es für Lufthansa & Co. unter keinerlei Umständen geben. Ryanair zeigt klar auf, dass es auch ohne geht.

Gewaltige Erfolge

Auch in Sachen Euro und EZB gehört das Jammern in Deutschland zum guten Ton. Als EZB-Präsident Mario Draghi vor wenigen Wochen den Einstieg in eine weitere Lockerung der Geldpolitik verkündete, da kam die lauteste Kritik natürlich aus Deutschland. Andererseits: Die Bundesrepublik ist als großer Exporteur das Land in der Euro-Zone, das am stärksten von der neuen EZB-Politik profitieren wird. Denn der von der EZB geschwächte Euro wird natürlich die schon jetzt extrem hohen deutschen Exportzahlen auf neue Rekordwerte treiben. Fazit: Die Erfolge im Außenhandel sollten das deutsche Jammern doch gewaltig relativieren.

Der nächste Schritt

Wahrlich, es ist keine einfache Entscheidung. Der Westen muss sich in den kommenden Wochen sehr genau überlegen, wie stark er sich im Ukraine-Konflikt engagiert und auch eine weitere Stufe der Eskalation gegenüber Russland nicht scheut. Der nächste Schritt wären Waffenlieferungen an die Ukraine, die dem starken russischen Militärapparat und den Rebellen nicht viel entgegenzusetzen hat. Wahrscheinlich könnten die Russen mit ihren Panzern große Teile des Landes in Kürze überrollen, wenn die Ukrainer keine neue Ausrüstung bekämen. Europa wird diese Aufgabe nicht übernehmen, da Länder wie Deutschland und Frankreich den Gesprächskanal zu Moskau offenhalten sollen. Also blieben die USA, die der ukrainischen Regierung helfen könnten. „Good guy, bad guy“, das wäre die typische Arbeitsteilung zwischen Westeuropa und den USA. Auch in der Ukraine.

Einen angenehmen Abend wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Der neue Helfer aus dem Westen"

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  • Wenn das ernst gemeint ist dann ist es besorgniserregend!

  • Zitat "die herrschende deutsche Ökonomen-Lehrmeinung"

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