Was vom Tage bleibt
Der verletzte Stolz einer Nation

In Finnland herrscht so etwas wie Staatstrauer, wenn Nokia tatsächlich an Microsoft geht. Wieder ein Duell - langsam ist wirklich Wahlkampf. Und Steinbrück ist kein Fiat Punto. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Von wegen Micro-soft . . .

Denken Sie an Finnland, fallen Ihnen wahrscheinlich Helsinki, Sauna und Nokia ein. Seit heute können Sie Nokia streichen. Denn wenn alles klappt, wie von den Dealmakern eingefädelt, wird die Hälfte von Nokia an Microsoft gehen. Die Amerikaner wollen die Handy-Sparte der einst stolzen Finnen kaufen und den Chef gleich mit. Er könnte den scheidenden Microsoft-Vorstand Steve Ballmer ersetzen. Das ganze klingt nach einem lange vorbereiteten Schachzug, der aus Micro-soft so etwas wie Micro-hard macht, denn künftig werden die Amerikaner eben auch Hardware verkaufen. Und während man im Westen jubelt, herrscht im Norden Traurigkeit: „Das Ende einer Ära“ titelte das finnische Außenministerium. Fast jedes zweite Handy auf der Welt stammte einst von den Finnen. Doch der Erfolg machte blind und Apple konnte in aller Ruhe mit seinem iPhone Nokia die Kunden abspenstig machen. Wenn nun Microsoft Gründer Bill Gates auf eigene Mobilfunkgeräte setzt, so zielt er vor allem auf seinen ewigen Rivalen Apple. Es ist ein Kampf der Giganten - der geknickte Stolz der Finnen ist da nur ein winziges Detail.

Endlich Wahlkampf

19 Tage vor der Bundestagswahl am 22. September kam es zum letzten Duell zwischen Peer Steinbrück und Angela Merkel - diesmal im Bundestag. Steinbrück, der hier offenbar keine Angst hat, nicht gemocht zu werden, fuhr das ganz große Geschütz auf: „Wir haben vier verlorene Jahre erlebt.“ Und: „Wir brauchen eine Politik, die nicht nur beobachtet und aussitzt.“ „Alles Etiketten auf leeren Flaschen“, nannte Steinbrück die Vorhaben der Regierung. Das Kabinett sei das „tatenloseste, zerstrittenste, aber vollmundigste seit der Wiedervereinigung“. Die Kanzlerin parierte mit Wohlfühlgefühl. Sie verwischte mit Formulierungen wie „Da sind wir uns einig“ und „Es gibt einen gesellschaftlichen Konsens“, die Unterschiede zwischen den Parteien. Klare Kante gegen Weichspülerei. Endlich fühlt sich Deutschland mal nach Wahlkampf an.

Kühler Kopf in Fukushima

Der Plan klingt nach Science-Fiction: Japans Regierung will eine 1,4 Kilometer lange Mauer aus Eis bauen lassen, um zu verhindern, dass weiter verstrahltes Wasser aus den Unglücksreaktoren in Fukushima dringt. Täglich fließen rund 400 Tonnen Grundwasser in die Reaktorgebäude der Meiler, vermischen sich dort mit dem Kühlwasser, mit dem die drei geschmolzenen Reaktorkerne kalt gehalten werden müssen. Anschließend strömt ein Teil des Wassers ins Hafenbecken - was die Mauer aus Eis verhindern soll. In Fukushima läuft noch immer nichts wie es soll. Der Fortschritt besteht allerdings darin, dass wir angefangen haben, nicht panisch, sondern mit kühlem Verstand darüber zu reden.

Israel schießt Dax ab

Für ein paar Minuten rauschte der Dax heute in die Tiefe. Schuld war das israelische Militär, das im Mittelmeer eine Rakete vom Typ Anchor abgefeuert worden. Russland hatte das bemerkt und mitgeteilt, dass „ballistische Objekte Richtung Osten gestartet worden seien“. Was uns Russland vor allem vor Augen führen wollte, war der Beweis, wie gefährlich das Zündeln in der Syrien-Krise sein kann. Diesen Beweis hat der Dax eindrucksvoll erbracht.

Brüderle empört Fiat

Mit großer Empörung hat der italienische Autobauer Fiat auf Rainer Brüderle reagiert. Der FDP-Fraktionschef hatte als Antwort auf die Rede von SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück im Bundestag gesagt: „Sie haben eine Pannenstatistik wie ein Fiat Punto und führen sich auf wie ein Spitzen-BMW.“ Fiat teilte auf Anfrage von Handelsblatt Online dazu mit: „Es fühlen sich die mehr als 8000 Arbeitnehmer von Fiat in Deutschland durch so viel banal-liberaler Rückwärtsorientierung unsittlich angefasst.“ Die „automobile Sachkenntnis“ von Rainer Brüderle halte sich in Grenzen, erklärte Fiat unter Hinweis auf einen „Auto-Bild“-Dauertest zum Fiat Punto. Die Experten ziehen darin folgendes Fazit: „Fiat hat aus seinen Fehlern gelernt und baut überzeugende Autos mit überzeugender Zuverlässigkeit.“ Also ist es nichts mit dem Vergleich. Vielleicht würde ein Maserati besser zu Steinbrück passen. Mit dem Wagen sind eindrucksvolle Spurts zwischen ausgedehnten Tankstopps möglich.

Einen gefahrlosen Spurt in den Feierabend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Der verletzte Stolz einer Nation"

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  • Ob das nun so eine gute Idee war ausgerechnet in so einer Situation ein Raketenmanöver "abzuhalten": eine politische Geschmacksfrage, die bereits im Vorfeld mehrere Todesopfer gefordert haben dürfte, ohne dass die Presse davon weiß oder geschrieben hätte.

    Gut, andererseits hat das "Manöver" ja vlt auch lediglich dazu taugen sollen, Kalibrierungen von Waffen zu ermöglichen.

    Aber das will vmtl keiner wissen: es scheint, als stünde die Welt vor einem WWIII, da kann ein "Börsenabsacker" doch nicht weiter stören.

    Ultima Ratio jedenfalls wurde abgelöst als Kriegsgrund: es wird munter aufeinander losgeballert, dass es den Waffenindustrien nur eine Freude sein kann...

  • Lieber Olli,

    die übelsten Zündler sind die im Gleichschritt marschierenden Qualitätsmedien.

    Wenns nach euch ginge würden in Syrien schon Tausende von humanitären Friedensbomben zerfetzt im Massengrab liegen.

    Das alles für eine "Strafaktion"...so viel Schäbigkeit lässt einen nur noch FASSUNGSLOS zurück. Insbesondere nach den Brutkasten-Babies und den DabbljuEmWies von der Blutsäufer-Bande um GWB.

    Wer aus der Geschichte nichts lernt ist verdammt sie zu wiederholen. Ihr giert richtig danach. Typisches Zeichen einer dekadenten Gesellschaft im Niedergang.

    PS: Was sagen Sie zu der Meldung dass das türkische Parlament die Stationierung von 60.000 GIs abgelehnt hat? Weitere stehen bereits seit Monaten nach einem Großmanöver in Jordanien bereit, die Jordanier drehen schon durch deswegen!

    Begrenzte chirurgische Schläge? Am A...rm !!

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