Was vom Tage bleibt
Deutschland ist keine Insel

Die Konjunktursorgen greifen um sich, Spanien leistet den Offenbarungseid, ein Starbanker muss vor Gericht und zwei Arbeitslose müssen ihre Millionärsträume teuer bezahlen. Der Tagesrückblick
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Wunderschönen guten Abend,

Flaute in Sicht

Die Erkenntnis des Tages: Deutschland ist keine Insel. Wie, das war Ihnen klar? Den meisten Konjunkturforschern bisher aber nicht. Noch vor kurzem galt die deutsche Wirtschaft als robust, während rund um uns die Euro-Zone im Jammertal versinkt. Heute nun zeigt sich, dass die Aufträge in der Industrie im April so massiv eingebrochen sind wie seit einem halben Jahr nicht mehr. Auch der das KfW-ifo-Mittelstandsbarometer ist geradezu abgestürzt. Wir sind global stärker verflochten als uns im Moment lieb ist.

Spanien leistet Offenbarungseid

Dabei geht es uns ja im Vergleich zu Spanien noch richtig gold. Das Land hat jetzt praktisch den Offenbarungseid geleistet. Die Märkte seien zu den derzeitigen Zinsen de facto für Spanien nicht mehr zugänglich, sagte Finanzminister Cristobal Montoro heute. Dabei sind die Zinsen von zurzeit 6,7 Prozent ja gar nicht mal so hoch. In der Zeit vor dem Euro waren solche Zinshöhen für Staatsanleihen bei südeuropäischen Ländern nicht unüblich. Nur haben jetzt die Staatsschulden eine unerträgliche Höhe erreicht. Doch lamentieren hilft nichts, wir werden helfen müssen. Denn wie gesagt: Wir sind global stärker verflochten als uns im Moment lieb ist.

Banker vor Gericht

Das Klischee vom gierigen Banker erhält leider immer wieder neue Nahrung. Nun kommen in Italien gleich 20 Bankmanager wegen des Verdachts auf Steuerbetrug vor Gericht. Darunter ist ein ganz prominenter: der frühere Unicredit-Chef Alessandro Profumo. Welch ein tiefer Fall. Ehemals "Banker des Jahres", Präsident des europäischen Bankenverbandes, gefeierter Deal-Maker. Schon sein Abgang bei Unicredit war abrupt und unfreiwillig. Selbst wenn er nun nicht verurteilt werden sollte - sein Ruf als Star der europäischen Finanzbranche ist Vergangenheit.

Schlecker-Kinder fordern Millionen

Um ihren Ruf brauchen sich auch die Kinder von Ex-Drogeriekönig Anton Schlecker keine Sorge mehr zu machen. Während noch gestritten wird, wie viel Geld sie vor der Insolvenz gerettet haben, wird nun am Rande der Gläubigerversammlung bekannt, dass Lars und Meike Schlecker Forderungen in Höhe von insgesamt rund 176 Millionen Euro angemeldet haben. Die Schlecker-Beschäftigten, die heute vor dem Tagungsort demonstriert haben, werden dafür nicht das geringste Verständnis haben. Doch eins sollten sie nicht vergessen: Ohne die Lebensleistung der Schleckerfamilie hätten sie gar nicht erst einen Job gehabt, um den sie jetzt trauern könnten.

Was fehlt? Einmal leben wie ein Millionär - das wollten auch zwei arbeitslose Franzosen. Sie kaperten an der Cote d'Azur eine verlassene Luxusyacht und schipperten damit einen halben Tag die Küste entlang. Das kurze Vergnügen mussten sie teuer bezahlen, ein Richter verurteilte sie jetzt zu Haftstrafen. Zu einer echten Karriere als Millionär braucht's eben doch mehr als Übermut.

Ich wünsche Ihnen einen anregenden Feierabend

Florian Kolf

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Deutschland ist keine Insel"

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  • Für die Schleckerpleite häl t sich mein Mitleid sehr in Grenzen. Erst werden die Leute bis auf das Blut ausgebeutet und schikaniert und wird endlich der größenwahnsinnige Firmenchef vom Sockel geholt.Wer weiß wo der Halsabschneider sein Geld gebunkert hat.?. Wenn er wirklich Pleite ist kann man nur dazu sagen: "Gut gelebt gedenkt einem Lange!!!!!


    Spanien:

    Spanien leistet jetzt den Offenbarungseid! Bald kommt auch Deutschland!!!!

    Und wenn die Damen und Herren Politiker es noch nicht begriffen haben, kann ich nur dazu sagen: Denen fehlt die Bodenhaftung, die haben keine Ahnung wie es an der Basis aussieht

  • Manchmal fragt man sich, was aus dem Handelsblatt geworden ist. Ein zynisches neoliberales Kampforgan für Millionärsfamilien.

  • Malte, ich kann mich nur noch anschließen.
    Danke

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