Was vom Tage bleibt
Die Null-Zins-Republik

In Deutschland wird auf Tagesgeld fast kein Zins mehr gezahlt. Lufthansa-Aktionäre leiden lautstark. Franzosen stecken in der Defensive. Und die Rohstoffblase ist geplatzt. Die Kommentare zum Tag.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Zins ade 

Die Bundesrepublik ist bald 64 Jahre alt. In dieser Zeit hat es eines nicht gegeben: Dass der Zinssatz für Tagesgeld auf dem Konto unter ein Prozent fällt. Jetzt ist genau das passiert - Sie stöhnen? Sie stöhnen zu Unrecht! Wenn wir Ehrlichkeit von unseren Banken verlangen, dann müssen wir hinnehmen, dass, wo wenig ist, auch wenig zu holen ist. Und Banken, die in dieser Phase mehr zahlen, sind keine Helden, sondern Wackelkandidaten, die offenbar nicht anders an Geld kommen, als es sich von Sparern zu geschäftsschädigenden Konditionen zu leihen.

 

Das Leiden der Aktionäre 

Und noch eine Nachricht, die ein bisschen wehtut: Die Lufthansa-Aktie verlor heute fünf Prozent, weil das Unternehmen angekündigt hatte, die Dividende zu streichen. So sind Aktionäre. Sie halten ihrem Unternehmen in Krisenzeiten eben nicht die Stange, sondern gehen, wenn die Kasse nicht stimmt. Das ist ihr gutes Recht. Nur beklagen sollten sie sich nicht. Denn ein Sparprogramm, das nicht alle trifft, wäre ein ungerechtes Sparprogramm. Das gilt eben auch für Lufthansa-Aktionäre.

 

Schimpfen, essen, arbeiten 

Immer dann, wenn einer etwas politisch Unkorrektes ausspricht, was vorher alle nur vermuteten, hat so einer einen schönen publizistischen Erfolg. Der Chef des Reifenherstellers Titan, Maurice Taylor, hat das jetzt geprobt, und es hat prima geklappt. In einer Zeit, in der sich die Europäer fragen, woran es liegt, dass Frankreich immer tiefer in die Schuldenkrise schlittert, hat Taylor einen Brief an die französische Regierung geschrieben. Er wehrt sich darin, ein nordfranzösisches Reifenwerk von Goodyear übernehmen zu sollen. Seine Begründung: "Franzosen arbeiten nur drei Stunden am Tag." Den Rest seien sie mit Schimpfen und Essen beschäftigt. Taylor ist jetzt in Frankreich bekannt wie ein bunter Hahn - und auch auf Handelsblatt Online löste er heute einen Klicksturm aus. Wir wünschen den Franzosen von hier aus, dass sie möglichst schnell einen Anti-Taylor auf die Beine stellen. Würde uns allen helfen.

Abgebaut 

Marius Kloppers geht. Wer ihn nicht kannte: Er war bislang Chef des Bergbauriesens BHP Billiton. Mit den Rohstoffen, die Billiton fördert, läuft es jedoch nicht mehr so. Der Konzern büßte deswegen glatte 58 Prozent seines Gewinns ein, weswegen Kloppers entschied, mit seinen rund 50 Jahren doch lieber sich selbst abzubauen. Das Schöne ist: An dieser Stelle gab es noch vor einem Jahr die Warnung vor der Blase im Rohstoffgeschäft. Nun ist sie geplatzt und das ist gar nicht so schlecht.

 

Der große Spender 

Hasso Plattner, der SAP an die Weltspitze brachte und den SAP dafür zum Milliardär machte, spendet die Hälfte seines Vermögens. Das dürften rund vier Milliarden Euro sein. Ist ja noch genug übrig, sagen Sie? Stimmt. Ist trotzdem eine tolle Geste, die all denen, die die Legende von den reichen Geizhälsen verbreiten, zu denken gibt.

 

Eine reichhaltigen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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  • Stock: „Und Banken, die in dieser Phase mehr zahlen, sind keine Helden, sondern Wackelkandidaten, die offenbar nicht anders an Geld kommen, als es sich von Sparern zu geschäftsschädigenden Konditionen zu leihen.“
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    Deutschland Sofortaustritt aus der EU, Aufgabe des Euros und Wiedereinführung der D-Mark, dann wird es über kurz oder lang auch wieder höhere Zinsen geben!
    Dazu die Pleitebanken BANKROTT gehen lassen.
    Ihr beim HB haltet die Fahne der freien Marktwirtschaft doch immer so gerne in den Wind.
    Warum jetzt plötzlich bei den Banken nicht mehr???

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