Was vom Tage bleibt
Erklärungsnotstand

Die Nachrichten vom Tag: Wulff erklärt sich, die Commerzbank kann ihre Zukunft nicht verklären, und die FDP hat dringenden Klärungsbedarf.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Der Bundespräsident erklärt uns heute Abend, warum er da steht, wo er steht. Er macht dies reichlich spät und es werden wieder Fragen bleiben. Das Traurigste ist, dass dies die spannendste Erklärung ist, die Christian Wulff während seiner bisherigen Amtszeit abgibt - was viel über seine Amtszeit sagt.

Arme Commerzbank

Doch es gab heute tatsächlich auch andere Themen. Der Bankkonzern Unicredit muss bei der anstehenden Mega-Kapitalerhöhung große Zugeständnisse an die Investoren machen. Italiens größte Bank teilte heute nach einer Vorstandssitzung mit, die neuen Aktien zu einem Preis von jeweils 1,943 Euro zuteilen zu wollen. Das entspricht einem Abschlag von rund 43 Prozent. Die Ausgabe der Aktien war eine Trendabstimmung, die die Commerzbank mit höchster Aufmerksamkeit verfolgt haben dürfte. Sie muss sich im ersten Halbjahr rund fünf Milliarden Euro besorgen. Das fällt ihr seit heute nicht leichter.

Schweizer Skandal

Auch die Schweiz hat ihren Skandal. Allerdings weiß das Publikum im Gegensatz zur Wulff-Geschichte noch nicht genau, wer im Mittelpunkt steht. Ist es Philipp Hildebrand, der Chef der Notenbank in Bern, dessen Ehefrau just wenige Wochen vor der Euro-Bindung des Franken ein Devisengeschäft abschloss, das sich nach dem Schritt der Notenbank als außerordentlich vorteilhaft darstellte? Oder ist es der Rechtspopulist und Übervater der Schweizer Volkspartei Christoph Blocher, der mit gestohlenen Daten über dieses Thema zum Parlament gerannt ist und die Sache damit ins Rollen brachte? Klar ist, dass Blocher das machte, was er Peer Steinbrück immer wieder vorgehalten hat, als dieser CD's mit Daten deutscher Kunden in der Schweiz ankaufen ließ: Er handelte mit Hehlerware.

Dolchstößchen bei der FDP

Bei der FDP beginnt morgen ein spannendes Dreikönigstreffen. Spannend deswegen, weil der neue FDP-Generalsekretär Patrick Döring mit Äußerungen über seinen Parteichef für Verwirrung gesorgt hat. Laut dem Magazin „Stern“ nannte er Philipp Rösler einen „Wegmoderierer“ und "keinen Kämpfer". Nach der Veröffentlichung sagte Döring, er habe den FDP-Vorsitzenden nicht kritisieren wollen. Wir sind nun gespannt, wie sich echte Kritik aus dem Mund von Döring anhören wird.

Obamas Herausforderer

In Iowa hat sich der Prolog zur US-Präsidentenwahl abgespielt. Dort siegte Mitt Romney bei der Vorwahl der Republikaner um die US-Präsidentschaftskandidatur mit acht Stimmen Vorsprung gegenüber Außenseiter Rick Santorum. Unklar ist, ob damit der Weg zur Kandidatur für den Unternehmer-freundlichen Romney bereits geebnet ist - oder ob bei den Republikanern jetzt erst recht ein erbitterter Kampf bevorsteht. Präsident Barack Obama jedenfalls bereitet sich bereits auf eine „große Schlacht“ zur Wahl am 6. November vor. Gegen Romney hat er eine gute Chance. Der mögliche Herausforderer hat bisher mehr Geld als Profil im Wahlkampf gezeigt .

Venus Hyggelig

Der solide Sparkassenverband in Schleswig-Holstein hält eine interessante Beteiligung: Kurz vor Weihnachten ist ihm ein Aktienpaket über 13,11 Prozent an dem Erotikhändler Beate Uhse zugefallen. Das ist zwar nicht so blöd wie eine Beteiligung beispielsweise an der Hamburgischen Landesbank, aber die Münzen klingeln auch bei diesem Geschäft nicht wirklich. Beate Uhse leidet unter harte Konkurrenz aus dem Internet. Die Aktie wird deswegen inzwischen nur noch für rund 30 Cent gehandelt. Über die Börse wäre der Verkauf des Sparkassen-Pakets derzeit nur unter massiven Kursverlusten möglich. Also werden die Sparkassen standhaft bleiben. Wie aus einer Pflichtmitteilung der Beate Uhse AG hervorgeht, sind sie übrigens über die Beteiligungsgesellschaft Venus Hyggelig Miteigentümer von Beate Uhse geworden.

Ein anregenden Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Erklärungsnotstand"

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  • Wird hier nicht viel mehr deutlich, als die causa Wulff an sich intendierte? Gerade die Reaktionen der Empörten (Verteidiger von fragwürdigen Privilegien)zeigen, dass es hier um ein System geht, das einer bestimmetn Gruppe Privilegien bietet, die sicher schon lange auf diese Weise genutzt werden..., in einer Zeit, in der die Sorgen bzgl. der Kinder und Jugendlichen aus Kostengründen verdrängt werden...

  • Vielen Dank, Herr Stock. Großartige moralische Maßstäbe. Bitte legen Sie diese Maßstäbe nun an sich selbst an:
    - legen Sie sämtliche Mitgliedschaften in politischen Parteien und Verbänden offen
    - legen Sie offen, ob Sie in Anlageprodukten investiert sind, über die Sie berichten
    - bzw. bei denen Sie durch Informationsvorsprünge aus redaktioneller Arbeit profitieren
    - legen Sie offen, welche Vergünstigungen dank Presse-Ausweis und Mitarbeit beim Handelsblatt Sie privat genutzt haben und nutzen
    - legen Sie offen, wer, wenn nicht Sie selbst und nicht die Redaktion Ihre letzten zwanzig Reisen bezahlt haben:
    los, zeigen Sie das alles auf, wie es sich gehört...
    Das Finanzamt wird sich im Zweifel auch dafür interessieren.
    Es wird höchste Zeit, dass diese Fragen endlich gestellt werden.

  • Wie wäre es mal mit einem Kommentar zur Presse. Die Verlogenheit ist fast nicht mehr zu toppen.

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