Was vom Tage bleibt
Es geht auch (fast) ohne Lokführer

Der erste Streik-Tag der GDL ist vorüber, die EZB wird dem Euro immer helfen. Öl wird billiger und billiger, Russland leidet unter dem schwachen Rubel und die Steueroase Luxemburg gerät in die Kritik. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Es geht auch ohne

Der erste Tag des Mega-Streiks bei der Bahn liegt hinter uns. Kollegen haben sich gegenseitig geholfen und Fahrgemeinschaften gebildet. So mancher hat darauf gesetzt, dass sein Zug trotz des Lokführerstreiks fährt – und damit Recht behalten. Deutschland hat am Donnerstag nicht stillgestanden, irgendwie ist es dann doch gegangen. Mag es das eine oder andere Mal auch etwas komplizierter und weniger bequem gewesen sein. Also, liebe Lokführer – wir können auch ohne euch. Ganz so bedrohlich ist euer Streik dann doch nicht.

Verteidigungslinien

Die Botschaft von Mario Draghi ist allzu deutlich gewesen. Sollte der Bedarf bestehen, wird die Europäische Zentralbank weiteres Geld in die Märkte pumpen. Bis zu einer Billion Euro stehen im Krisenfall bereit. Der EZB-Chef hat damit unmissverständlich klargemacht, dass es weitere feste Verteidigungslinien für den Euro gibt. Niemand an den Finanzmärkten darf sich der Illusion hingeben, dass der Euro eines Tages doch wieder aufgegeben werden könnte. Europas Gemeinschaftswährung hat eine Zukunft, daran gibt es keinen Zweifel.

Billiges Öl

Die Entwicklung des Ölpreises hat in den vergangenen Wochen eine wundersame Wende genommen. Anstatt weiter nach oben zu klettern, geht es plötzlich rapide abwärts. Auf einmal kostet ein Barrel (159 Liter) weniger als 80 US-Dollar. Ein Preis, von dem selbst die kühnsten Optimisten in den Abnehmerländer nie zu träumen gewagt hätten. Für diesen Umschwung sorgen die zusätzlich in den USA ausgebeuteten Schieferöl-Vorkommen. Klassische Produzentenländer wie Saudi-Arabien und Russland geraten dadurch erheblich unter Druck. Vom Ölmarkt kommen also extrem gute Nachrichten für uns: Die neuen, gewaltigen US-Vorkommen werden für dauerhaft niedrige Preise sorgen. Freuen wir uns doch darüber.

Sanktionen wirken

Für die Regierung in Moskau nimmt der Kurs der Landeswährung Rubel eine unangenehme Entwicklung. Der russischen Wirtschaft geht es sowieso nicht besonders gut, jetzt kommt noch die politische Auseinandersetzung mit dem Westen um die Ukraine hinzu. Ausländisches Kapital ist in den vergangenen Monaten massenhaft aus Russland abgezogen worden. Allein dieser Kapitalabzug löst schon einen Fall des Rubel aus. Die Wirtschaftssanktionen und der damit deutlich reduzierte Austausch mit dem Westen drücken die russische Landeswährung ein weiteres Mal. Eine Lockerung der Sanktionen würde der russischen Wirtschaft sicherlich helfen. Präsident Putin sollte seine Ukraine-Politik vielleicht doch noch einmal überdenken.

Legal oder illegal?

Vielen macht es große Freude, deutsche Großkonzerne jetzt wegen ihrer Steuersparmodelle wie in Luxemburg öffentlich an den Pranger zu stellen. Die Wirtschaft sei sowieso schwer zu durchschauen, in den großen Unternehmen werde grundsätzlich am Rande der Legalität gearbeitet. Wer so urteilt, der macht es sich viel zu leicht. Unternehmen nutzen die Möglichkeiten aus, die ihnen der Gesetzgeber einräumt. Vielleicht sollten die verantwortlichen Politiker besser ihr eigenes Tun in Frage stellen, als jetzt Unternehmen zu verurteilen. Konzerne haben noch nie Gesetze geschrieben, das ist noch immer die Aufgabe der Politik.

Genießen Sie diesen ruhigen Herbstabend. Es grüßt Sie herzlich

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Es geht auch (fast) ohne Lokführer"

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  • Jaja, Herr Menzel, echt spitze. Der Euro bleibt - und wenn alles um ihn herum zusammenbricht. Einer, der tagtäglich mit Nachrichten aus der Wirtschaft konfrontiert ist, sollte vielleicht eine klein wenig differenziertere Meinung zu diesem Thema haben. Besonders wenn man allenthalben liest, daß der Kurs von Herrn Draghi ALLES ANDERE als unumstritten ist. Aber sehen Sie, Herr Menzel, gemeinsam mit Ihrem Kollegen Herr Stock ("Gold ist tot") werden Sie spätestens dann, wenn man merkt, was diese Euro-Politik für Auswirkungen hat, gerade das Gegenteil dessen schreiben, was Sie gestern und heute geschrieben haben. Je nach dem, woher der Wind weht, nicht wahr?

  • Der EUR muss leben, auch wenn die Mittelschicht dafür sterben muss. Nicht mein Mantra, aber dass der Selbstbediener in Brüssel und im EZB Tower. Kann man gut finden, sollte man aber nicht!

    Und Luxemburg ist nun auch faktisch als Steuerschmarotzer überführt, was aber eigentlich schon jeder wusste, der sich mit dem Thema beschäftigt.

    Toll, wie einige Mini-EU-Staaten, allen voran Luxemburg unter JUNCKER auf Kosten der großen Länder wie D, F und I sich einen abartigen Vorteil verschafft haben. Dass !!! 3-fache Pro-Kopf-BSP !!! im Vgl zu D. Ist das die viel beschworene europ. Solidarität? Die gibt´s nämlich in Wirklichkeit gar nicht.

    Die EU hat sich mit ihrem KP Juncker bis auf die Knochen blamiert, und sich selbst das größte Armutszeugnis ausgestellt. Macht nur weiter so ... wird sich Lucke sagen, und Recht hat er, wie meistens.

    Merkel schweigt natürlich mal wieder ... später werden wir mal sagen: Kanzlerin Merkel ... die verlorenen Jahre.

    Trotzdem noch einen schönen Abend allen hart arbeitenden Menschen in diesem Lande.

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