Was vom Tage bleibt
Frische Drogen für den kranken Mann

Frankreich bekommt billig das Geld nachgeworfen, die EZB hilft dabei tatkräftig, Porsche jammert auf hohem Niveau und die Affäre Hoeneß hat auch gute Seiten. Der Tagesrückblick
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Wunderschönen guten Abend,

Leichtfertige Anleger

Entweder ist es purer Leichtsinn oder der schlichte Mangel an alternativen Anlagemöglichkeiten: Investoren haben Frankreich so preiswert frisches Geld geliehen wie noch nie zuvor. Für eine zehnjährige Anleihe muss die Regierung lediglich 1,81 Prozent Zins zahlen. Die Nachfrage war mehr als doppelt so hoch wie das Angebot. An der Leistung der Regierung von Präsident Francois Hollande jedenfalls kann es nicht liegen. Gerade erst musste sie die Wachstumsprognose für dieses Jahr von 0,8 auf 0,1 Prozent zurückschrauben, die Arbeitslosigkeit erreicht neue Höchststände, die öffentliche Schuldenquote steigt dramatisch. Frankreich ist auf dem Weg zum kranken Mann Europas – und die Anleger liefern weitere Drogen.

Gefährliche Geldschwemme

Frische Drogen für die Schuldenmacher liefert auch die Europäische Zentralbank – und macht sie immer billiger. Sie hat heute nicht nur ihren Schlüsselzins von 0,75 auf das Rekordtief von 0,5 Prozent gesenkt, sie hat auch erklärt, dass sich die Banken in der Euro-Zone noch mindestens ein Jahr lang unbegrenzt Geld bei der EZB leihen können. Das Problem nur: All diese Maßnahmen werden wohl wieder wirkungslos verpuffen, weil viele mittelständische Firmen in den Krisenstaaten trotzdem kaum Kredite bekommen. Die Banken sind einfach zu misstrauisch. Wir lernen: Geldschwemme kann kluge Politik der Regierungen nicht ersetzen.

Jubeln und Jammern

Auf den ersten Blick sieht es aus wie verkehrte Welt: Opel jubelt über Fortschritte und Porsche schwächelt. Doch auf den zweiten Blick ist die Hackordnung weiter klar: Die Opel-Mutterkonzern GM konnte den Verlust im kränkelnden Europageschäft nur auf 175 Millionen Dollar eindämmen und beeilte sich zu betonen, dass bisher noch nicht mal eine echte Talsohle in Sicht sei. Und Porsche? Jammert auf hohem Niveau. Auch wenn die Auslieferungen in Europa außerhalb Deutschlands in den ersten drei Monaten um sieben Prozent zurückgingen, rechnet das Unternehmen weiter mit einem Gewinn auf Vorjahresniveau. Und das war ein Rekordjahr.

Das Verdienst von Hoeneß

Der Fall Uli Hoeneß hat ein Gutes: Er gibt der Problematik der Steuerhinterziehung über Schweizer Konten ein Gesicht. Und bringt damit über die öffentliche Aufmerksamkeit vieles in Bewegung. Nun soll es einen zweiten Anlauf für ein Steuerabkommen mit der Schweiz geben. Nicht nur die beiden Regierungen zeigen Verhandlungsbereitschaft, auch die SPD, die den ersten Anlauf zum Scheitern gebracht hatte, ist gesprächsbereit. Damit steigen die Chancen, dass diesmal ein vernünftiger Kompromiss gelingen kann, der einerseits Anreize dafür schafft, das Geld zurück in die Legalität zu bringen, andererseits aber die Steuersünder und die beteiligten Banken nicht zu billig davonkommen lässt.

Was fehlt? Für das erste deutsch-deutsche Champions-League-Finale gingen bei Borussia Dortmund binnen weniger Stunden mehr als 100.000 Kartenanfragen ein, beim FC Bayern ist der Run auf die Endspiel-Tickets ebenfalls riesig. Man macht eben immer noch die besten Geschäfte, wenn man die Emotionen der Menschen wecken kann.

Ich wünsche Ihnen einen leidenschaftlichen Feierabend.

Florian Kolf

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Frische Drogen für den kranken Mann"

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  • Die Euro-Rettungs-Politik ist nichts anderes als ein einziger Raubzug an europäischen, besonders den deutschen Steuerzahlern zum Nutzen der Großbanker.

    http://schwertasblog.wordpress.com/2013/04/09/merkel-und-der-euro-dienen-beide-der-internationalen-hochfinanz-was-sie-uber-den-eurobetrug-wissen-mussen/

  • ob das Zitat von Goethe stammt weiß ich nicht - aber sie benutzen es völlig falsch. Die europäischen Städte waren zu Zeiten Goethes so verdreckt, dass man ohne in Scheiße zu treten oder von oben mit Fäkalien vollgeschüttet zu werden nicht über die Straße/Gasse gehen konnte. Genau das hat Goethe gemeint. Wenn schon ein Zitat dann aber nicht auf ihre Weise.

  • "Das Problem nur: All diese Maßnahmen werden wohl wieder wirkungslos verpuffen, weil ... Die Banken sind einfach zu misstrauisch." Wirklich ? Ist es nicht eher so, dass man mit viel billigem Geld leichter seine Gewinne eben durch die erwünschten Staatspapiere zusammenbekommt, als sich mit Kleinkunden abzugeben, bei denen es ein echtes Risiko gibt ? Ich glaube nicht dass man den Mittelstand
    stärken möchte. 2009 hat man noch gelobt die Fehlentwick-lungen in der Finanzwelt beseitigen zu wollen, heute tut
    man wieder Alles, damit sich mit dem billigen Geld die
    nächsten Blasen bilden können. Schaue ich auf die Taten :
    da ist kein Interesse an der Realwirtschaft. Real sind
    nur die hohlen Sprüche und die Vernebelung der Absichten.
    Die Banken sollen doch die Staatsanleihen kaufen, die
    Zinsen auch problematischer Länder durch Übernachfrage
    in den Keller bringen. Danach ist wieder die Zeit der
    Ratingagenturen : Warnungen, Herabstufungen, Krise nächster Akt usw. . Die grössten Gewinne werden doch
    leistungslos in Krisen durch starke Kurseinbrüche,
    dramatische Rettungsaktionen und "ermutigende" Erholungen
    getätigt. Selbst "Schrottpapiere" kann man bei dieser
    Geldschwemme noch gewinnbringend verkaufen - siehe D.Bank.

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