Was vom Tage bleibt
Gar nicht (uni)sexy

Die neuen Versicherungstarife sind ungerechter als die alten. Thyssen-Krupps First-Class-Mentalität rächt sich. Und die RBS macht etwas Selbstverständliches, das dennoch alle erstaunt. Die Kommentare zum Tag.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Der Kandidat

Am historischen Ort in Hannover, da wo Kurt Schumacher 1946 die SPD wiederbelebte, haben wir eben einen seiner politischen Nachfahren getroffen: Stephan Weil will nächstes Wochenende das Amt des niedersächsischen Ministerpräsidenten erobern und dank der Grünen stehen seine Chancen nicht schlecht. Der Mann strotzt vor Sachkenntnis, ob er bundespolitisch mit einem Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück gut beraten ist, steht auf einem anderen Blatt. „Es gelingt Ihnen immer wieder, den Bogen zu Steinbrück zu schlagen“, sagt er in unserem anderthalbstündigen Gespräch und es klingt nicht überglücklich. Das ganze Interview lesen Sie am Dienstag auf Handelsblatt Online.

Abruptes Ende eines First-Class-Ausflugs


Wenn bei Thyssen-Krupp der Aufsichtsrat eine Reise tat, dann ging das nur First Class. Das galt natürlich auch für die Arbeitnehmervertreter in der Runde. Einer von ihnen, IG-Metall-Vorstandsmitglied Bertin Eichler, war sogar so erpicht auf Erste-Klasse-Service, dass er Umwege in Kauf nahm, um nicht Business fliegen zu müssen. Das wäre alles fein und wer will es schließlich nicht gerne schön haben im Leben, wenn nicht das Unternehmen durch massive Kontrollmängel an den Rand einer Existenzkrise geschlittert wäre. Und Eichler fiel bei der Schlitterpartie auch nicht eben durch bohrende Nachfragen im Aufsichtsrat auf. Er hat heute dann seinen Rückzug angekündigt. Nachdem er über sich aus der Zeitung gelesen hatte. Lesen bildet eben.

Überhaupt nicht (uni)sexy


Versicherer sind nicht sexy, aber seit diesem Jahr unisexy. Die EU hat ihnen vorgeschrieben, gleiche Tarife für Männer und Frauen anzubieten, weil das gerechter sei. Warum die EU nicht wahrnimmt, dass Männer und Frauen mit unterschiedlichen Risiken durchs Leben gehen und deswegen unterschiedliche Versicherungsprämien zahlen, bleibt ihr Geheimnis. Warum die Versicherer beim Umstellen nun zum Beispiel in der Krankenversicherung 30jährige Männer mit 100 Euro mehr belasten, aber gleichaltrigen Frauen nur um einen Euro im Monat entlasten, bleibt deren Geheimnis. „Wir haben verstanden“, sagt eine Branchengröße so schön. Für mich gilt das nicht.


Mirows neue Mission

Hilmar Kopper, bis heute Aufsichtsratschef der HSH Nordbank, übergibt sein Amt an Thomas Mirow, einst Senator in Hamburg und zuletzt Chef der Osteuropabank. Unter Kopper hat sich die überdimensionierte Bank einiger Nordländer nicht aus der Krise manövriert. Aber sie steckte vermutlich noch tiefer im Schlamassel, wenn der ehemalige Deutschbanker nicht den Steuermann abgegeben hätte. Und Mirow kann jetzt erforschen, ob es eigentlich in Osteuropa oder doch in der Hansestadt solider zugeht. Auf sein Ergebnis bin ich gespannt.

Der Geiz der Schotten

Die Royal Bank of Scotland rechnet damit, dass sie für ihre Beteiligung am Skandal um den manipulierten Libor-Zinssatz so etwa 300 Millionen Pfund Strafe zahlen muss. Heute sickerte durch, dass womöglich die Hälfte davon aus den Boni der Banker beglichen werden soll, die entsprechend magerer ausfallen. Komisch, dass das eine Nachricht wert ist. Ich hätte es für einen Automatismus gehalten.


Ein tiefenentspanntes Wochenende wünscht Ihnen

Ihr

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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