Was vom Tage bleibt
Gegenwind für Manager

Das Managerkarussell dreht ich: Bei Siemens muss einer gehen, bei Haniel kommt ein neuer und bei Arcandor sind alle untergetaucht bis auf einen. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Karstadts Nachwehen

Es gibt wenige Manager, deren Stern so hoch aufgestiegen und so tief gesunken ist wie der von Thomas Middelhoff. Erst bei Bertelsmann, dann bei Arcandor - Middelhoff beherrscht die Berg- und Talfahrt virtuos wie kein zweiter. Seine Talstrecke hat heute neuen Schwung bekommen: Das Landgericht Essen entschied, dass Middelhoff als Vorstandschef der früheren Karstadt-Muttergesellschaft Arcandor nicht aufgepasst hat, was ein Kaufhaus in Wiesbaden angeht. Karstadt hatte zwischen 2001 und 2003 fünf Warenhausgebäude an Investoren verkauft, um die Häuser anschließend zurückzumieten. Der neue Eigner der Immobilien hatte nach Ansicht des Klägers, des Arcandor-Insolvenzverwalters Hans-Gerd Jauch, überhöhte Mieten verlangt. Einem Gutachten des Insolvenzverwalters zufolge könnte der Schaden bei dem Kaufhaus in Wiesbaden zwischen 30 und 46 Millionen Euro liegen. Middelhoff hatte nach Ansicht der Richter die Möglichkeit, die Übertragung des Grundstücks zu stoppen. Hat er aber nicht - und deswegen seine Pflicht verletzt. Jetzt droht irgendwann Schadensersatz, worüber der Manager aber nur lächeln kann. Falls tatsächlich ein Sümmchen fällig wird, begleicht das die Manager-Haftpflicht. Und alles Geld, was vielleicht einmal fließt, ist auf jeden Fall nichts gegen den Verlust, den Middelhoff am Ende bei Arcandor hinterließ. Der betrug rund eine dreiviertel Milliarde Euro.

Das Haniel-Reich bekommt einen Sparminister

Der Duisburger Mischkonzern und Metro-Großaktionär Haniel ist bei der Suche nach einem neuen Chef fündig geworden. Der Finanzvorstand der Lufthansa, Stephan Gemkow, soll kommen. Über Monate hatte Aufsichtsratschef Franz Markus Haniel nach einem Nachfolger für den scheidenden Chef Jürgen Kluge gesucht. Das die Sache länger dauerte, hat seinen Grund: Der Konzern ist zwischen mehr als hundert Sprösslingen der Familie aufgeteilt. Sie sind sich nicht immer einig in dem, was sie wollen. Machtkämpfe um die Besetzung von Spitzenposten bei Haniel-Beteiligungen wie dem Handelsriesen Metro und dem Pharma-Händler Celesio zeugen davon. Das irritiert Gemkow nicht. Für ihn ist vielleicht wichtiger, dass er sich in einem treu bleiben kann: Er hat nicht Geld wie Heu zu verteilen. Bei der Lufthansa war er als Finanzvorstand vermutlich der einzige, der sich freute, wenn die Sitzreihen in den Fliegern noch enger zusammenrückten, auf dass noch mehr Menschen hineinpassten. Bei Haniel geht es jetzt darum, mehr Menschen in die Media-Märkte zu bekommen. Den Konzern drückten Mitte 2011 Nettofinanzschulden von rund 5,2 Milliarden Euro.

Löscher mit Gegenwind

Siemens hat sich bei Windparkprojekten in der Nordsee verkalkuliert. Vorstandschef Peter Löscher senkte die Gewinnprognose für Europas größten Elektrokonzern von sechs auf höchstens 5,4 Milliarden Euro. „Es gab klare Fehler bei uns im Hause,“ sagte Löscher und fügte hinzu: „Komplett unterschätzt haben wir die Komplexität dieser Projekte.“ Bei der Anbindung großer Windparks vor Helgoland und Borkum ans deutsche Stromnetz liegt Siemens ein Jahr hinter dem Zeitplan zurück, das kostete Vertragsstrafen, mehr Personal und Gewinne fließen erst mit Verspätung. Der zuständige Manager musste deswegen gehen. Noch stärker, aber weniger überraschend belastete die Dauerbaustelle Nokia Siemens Networks (NSN) den Konzern: Die Sanierung der Telefonnetz-Tochter und der Abbau von weltweit 17 000 Stellen kosteten Siemens im zweiten Quartal 640 Millionen Euro. Siemens kann das verkraften. Aber wie lange macht Löscher mit?

In Trippelschritten zum Mindestlohn

Der Berg kreist und gebärt eine Maus: Die Union hat sich nach monatelangem Ringen auf ein Mindestlohnmodell verständigt. Der Mindestlohn soll für Beschäftigte ohne Tarifverträge gelten und von einer paritätisch von Arbeitgebern und Gewerkschaften besetzten Kommission festgesetzt werden. Das Entscheidende sei, dass die Lohnuntergrenze nicht politisch festgesetzt werde, sondern „ein marktwirtschaftlich organisierter Mindestlohn“ sei, sagt Arbeitsministerin Ursula von der Leyen und erklärt damit, warum die Lösung gut sein soll. Warum es überhaupt einen Mindestlohn geben muss, erklärt sie nicht. Dabei ist das die eigentliche Frage. Denn: Ist der Mindestlohn zu hoch, werden die Arbeitsplätze einfach nicht besetzt, und keinem ist geholfen. Ist er zu niedrig, braucht es ihn nicht.

Fuselprobe

Günther Jauch fällt es schwer, seinen eigenen Wein zu erkennen. Beim SWR Uni-Talk servierte SWR-Fernseh-Chefredakteur Fritz Frey dem Talkmaster und Hobby-Winzer Wein von dessen Weingut in Rheinland-Pfalz. „Das ist aber kein großes Gewächs, sondern geht in Richtung Kabinett oder Spätlese“, sagte Jauch nach dem ersten Schluck. Und weiter: „Ich weiß ja nicht, was für einen Fusel Sie hier ausschenken.“ Schön eigentlich, dass Jauch als Moderator ein größeres Gewächs ist, als als Winzer.

Zum Wohle

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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