Was vom Tage bleibt
Gier kennt keine Jahreszeit

Ein Investor setzt Pepsi unter Druck. Schäuble besucht die Griechen. Ein Fotohandy soll Nokia retten. Daimler steckt im Kalten Krieg. Und Nelson Mandela ist zu Lebzeiten ein Denkmal. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Pepsi ohne Cola

Die Anlagegesellschaft Trian Fund Management von Investor Nelson Peltz hat Aktien des Cola-Produzenten Pepsi und des Milka-Herstellers Mondelez in je dreistelliger Millionenhöhe gekauft. Jetzt drängt Nelson Peltz Pepsi dazu, Mondelez zu kaufen. Er will mehr Erfolg für sein Investment sehen. Sollte sich Pepsi-Chefin Indra Nooyi, mit der er sich mehrfach getroffen habe, gegen den Deal wehren, schlägt der muntere Aktionär eine Alternative vor: Pepsi solle das Getränkegeschäft von seiner Snacksparte trennen. Pepsi ohne Cola sozusagen. „Durst kennt keine Jahreszeit“, heißt es bekanntlich bei Cola. Gier sicher auch nicht.

Das Leid mit dem Lorbeerkranz

„Der Lorbeerkranz ist, wo er dir erscheint, ein Zeichen mehr des Leidens als des Glücks“, lässt Goethe seinen Helden Tasso sagen, der damit an das Leid erinnert, das jedem Triumph vorausgeht. Wolfgang Schäuble hat heute einen solchen Lorbeerkranz in Athen überreicht bekommen - womit klar ist: Die Griechen sind wahre Europäer, denn sie kennen unseren Goethe. Das Land leidet unter den harten Sparvorgaben, die der eiserne Deutsche von ihnen verlangt. Aufgebrachte Athener mussten deswegen heute von tausenden Polizisten davon abgehalten werden, Schäuble Steine in den Weg zu werfen, anstatt ihm Kränze zu binden. Schäuble weiß um die Befindlichkeiten seiner Gastgeber. Also lobt er erst die Griechen für ihre Fortschritte im Kampf gegen die Staatspleite, um dann den Unerbittlichen zu geben: „Es gibt keinen anderen Weg, es gibt keine bequeme Abkürzung.“ Auch er kennt seinen Goethe.

Klingelnder Fotoapparat

Seitdem Handys Smartphones heißen, heißt der Hersteller dieser Geräte nicht mehr Nokia, sondern Apple. Oder Samsung. Entsprechend schlecht sind die Zahlen, die Nokia heute präsentierte. Zwar gibt es eine Wende zum besseren, aber der Weg ist lang, und es ist nicht klar, ob die Finnen über genügend Puste verfügen, um ihn zu gehen. Beatmung soll jetzt kommen von einem neuen Gerät, das in Wirklichkeit ein Fotoapparat ist, mit dem sich unter anderem auch telefonieren lässt. So was kann ja durchaus gut gehen, wenn ich an mein Schweizer Messer denke, das zuverlässig Flaschen öffnet. Den Taschenrechner mit Taschenlampe fand ich dagegen schon weniger ansprechend. Nokias klingelnde Fotoapparat als Retter aus der Krise scheint mir auch noch nicht die endgültige Erfindung zu sein.

Kalter Krieg

Es ist etwas Gewöhnliches. Autobauer fahren ihre neuesten Modelle gegen die Wand. Als Daimler-Ingenieure jedoch einen sogenannten „Real Life“-Crashtest durchführten, passierte es: Das neue Kältemittel R1234yf entzündete sich. Die Ingenieure wollten es genau wissen. Sie verschrotteten zig fabrikneue Wagen der A- und B-Klasse. Ergebnis: Bei mehr als 70 simulierten Unfällen gingen die Unfallautos in Flammen auf, zuverlässig wie ein Lichtschalter. Für die Stuttgarter war der einzig zulässige Schluss, R1234yf wegen Sicherheitsbedenken in keinem Daimler-Neuwagen einzusetzen. Völlig uncool findet das die EU-Kommission. Denn das alte klimaschädliche Kältemittel ist mittlerweile für neu entwickelte Fahrzeuge verboten. Frankreich hat deswegen die Zulassung für einige Mercedes-Modelle gestoppt, die EU-Kommission stärkt den Franzosen den Rücken und erwägt Zulassungstopps in weiteren EU-Ländern auszusprechen. Die Bundesregierung schaltet sich ein. Greenpeace kämpft auf Seiten von Mercedes. Womit klar ist: Der kalte Krieg verschiebt die alten Fronten.

Lebendes Denkmal

Während im Volk noch viele hoffen, sprechen Nelson Mandelas Weggefährten schon lange von Abschied. Wie George Bizos. Der Anwalt hatte Mandela 1948 das erste Mal beim Jurastudium in Johannesburg getroffen und ihn 15 Jahre später im Hochverratsprozess verteidigt. Als einer von ganz wenigen durfte er Mandela auf der Sträflingsinsel Robben Island und danach auch auf dem Festland regelmäßig besuchen. Doch Bizos will Mandela jetzt nicht mehr besuchen. „Was kann ich denn noch tun? Ihn ein letztes Mal anschauen und versuchen, meine Tränen zurückzuhalten?“, sagt er nach seiner letzten Visite bei dem Todkranken. Nelson Mandela, der Held, wird heute auf der Intensivstation 95 Jahre alt. Seine Geburtstagstorte ähnelt einem Fackelzug. Er ist zu Lebzeiten ein Denkmal.

Einen denkwürdigen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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