Was vom Tage bleibt
Hut ab vor dieser Karriere

Roland Koch ist als Manager gescheitert. Dennoch brauchen wir mehr Politiker, die Wirtschaft wagen. Bernie Ecclestone wird ärmer. Aber nur ein bisschen. Was sie sonst noch wissen müssen, steht hier.
  • 0

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Aussitzen reicht nicht

Roland Koch hielt sich mehr als ein Jahrzehnt als Ministerpräsident in Hessen – nicht zuletzt weil er die Gabe hatte, auch dann noch an etwas festzuhalten, wenn alle anderen den Glauben schon verloren hatten. Im Unternehmen genügt es jedoch nicht, an Ergebnisse zu glauben, man muss sie auch liefern. Schwarz auf weiß. Doch Koch konnte nicht liefern. Bei Bilfinger hat er Zahlen versprochen, die er am Ende nicht halten konnte. Das lässt kein Aktionär lange mit sich machen. Deswegen musste er gehen. Sollen Politiker also besser die Finger von der Wirtschaft lassen?  Nein. Wir brauchen mehr vom Schlage Kochs, die bereit sind, sich lieber auch mal die Finger zu verbrennen, als ständig ihre Hände in Unschuld zu waschen, wenn politische Entscheidungen die Wirtschaft ruinieren.

Die 100-Millionen-Dollar-Schuld

Bernie Ecclestone (83) und seine Richter haben von der katholischen Kirche den Ablasshandel übernommen. Im Gegensatz zur kirchlichen Art der Schuldentilgung ist im Fall des Formel Eins-Managers der Deal „Milde gegen Money“ aber ein gangbarer Weg. In den vergangenen Verhandlungswochen ist es den Staatsanwälten nämlich nicht gelungen, Ecclestone zweifelsfrei nachzuweisen, dass er Bestechungsgeld in Deutschland verteilt hat. Zweifel am Maß seiner Schuld, das hohe Alter des Angeklagten – all das könnte nach deutscher Rechtsprechung dazu führen, dass am Ende eines ordentlichen Verfahrens eine Geldbuße steht, die vielleicht durch eine zur Bewährung ausgesetzte Gefängnisstrafe ergänzt wird. Es könnte aber auch einen Freispruch geben. In dieser Situation räumt Ecclestone eine Schuld ein, deren Tilgung ihm 100 Millionen Dollar wert ist. Mir ist das genug.

Rosige Zeiten für Schwarze Sheriffs

Können Bundesländer der Deutschen Fußballliga eine Rechnung für den Polizeieinsatz schicken, wenn bei einem Bundesligaspiel außerordentliche Randale herrscht? Soll ein Bundesland mit Blick auf die Kosten die Polizeieinsätze begrenzen? Die Diskussion ist voll entbrannt, seitdem Bremen Rechnungen an die Liga schicken und Nordrhein-Westfalen bei absehbar friedlichen Spielen nur noch ein kleineres Aufgebot bereitstellen will. Der Trend lässt sich mit einem Satz so beschreiben: Klamme Länder erheben keinen Anspruch mehr darauf, das Gewaltmonopol im Staat durchzusetzen. Schwarze Sheriffs aufgepasst: Die Zeit spielt Euch in die Hände.

Kauft Schlachtschiffe!

BMW, das sind die, die vom Elektroauto bis zur gepanzerten Limousine alles im Katalog haben. Der Gewinn des Autoherstellers ist um ein knappes Drittel gestiegen. Das liegt nicht am Elektromobil, sondern eher an den Limousinen. Da stimmt die Marge. In sofern kann jeder, der eines dieser Schlachtschiffe kauft, ein gutes Gewissen haben: Er fördert damit die Elektromobilität.

Die Seuche

Wer hat Angst vor Ebola? Wir bei Handelsblatt Online haben in den vergangenen Tagen viel darüber berichtet. Ein Arzt hat uns geschildert, wie gierig er den Geruch von Chlor einatmet, wenn er im Ebola-Gebiet unterwegs ist. Er weiß, dann ist er selbst außer Gefahr. Angehörige von Opfern berichteten, wie sie zuletzt ihre geliebten Menschen nur noch am Mobiltelefon trösten dürfen. Wegen der Ansteckungsgefahr. Morgen früh wird auf Handelsblatt Online einer der führenden Forscher erklären, ob ein Serum gegen die Krankheit in Sicht ist. In allen Berichten schwingen zwischen den Zeilen die zwei menschlichsten Eigenschaften mit, über die wir verfügen: Angst und Mut.

Einen ganz und gar menschlichen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Hut ab vor dieser Karriere"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%