Was vom Tage bleibt
Ist Zuckerbergs beste Zeit vorbei?

Facebook verliert immer mehr Freunde, kluge Industriepolitik ist in Deutschland ein Fremdwort, der Ehrensold ist die Aufregung nicht wert und und Moorhühner werden staatlich gefördert. Der Tagesrückblick
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Wunderschönen guten Abend,

Misstrauensvotum gegen Facebook

so schnell kann man vom Idol zum Buhmann werden: War Facebook-Chef Marc Zuckerberg vor kurzem noch das umjubelte Internet-Wunderkind, werden seit dem vermurksten Börsengang die kritischen Fragen lauter. Jetzt hat einer der Investoren der ersten Stunde, Peter Thiel, den größten Teil seiner Anteile verkauft - mehr als 20 Millionen Anteilsscheine. Da Thiel auch im Verwaltungsrat sitzt, gleicht das einem Misstrauensvotum. Zuckerberg ist unbestritten ein genialer Gründer. Aber vielleicht sollte er die Leitung seines Babys Facebook bald einem Praktiker übergeben und sich selber auf die Entwicklung neuer Ideen stürzen.

Industriepolitik ohne Kompass

In der deutschen Solarbranche kann man wohl bald nur noch die Scherben zusammenkehren. Heute hat der bereits insolvente Konzern Sovello die Produktion stillgelegt und alle rund 1000 Mitarbeiter entlassen. Es ist ein Lehrbeispiel dafür, wie eine gut gemeinte, aber schlecht gemachte staatliche Förderung eine Zukunftschance zerstören kann. Erst hat der Staat die Branche völlig übertrieben aufgepäppelt, dann mit Subventionen die chinesische Konkurrenz stark gemacht, ständig die politischen Vorgaben verändert und schließlich den Ausverkauf der wertvollen Technologie ins Ausland nicht verhindert. Kluge Industriepolitik sieht anders aus.

Luxus ohne Leistung

Es ist eine Geschichte, die Einblick gibt in die teilweise bizarre Welt der Reichen und Mächtigen in der Finanz- und Unternehmenswelt. Der ehemalige Arcandor-Chef Thomas Middelhoff und der Vermögensverwalter Walter Esch haben sich geeinigt, ihren Streit über Unterhaltskosten für eine Jacht in Höhe von 2,4 Millionen Euro (!) außergerichtlich beizulegen. Viele tausend ehemalige Arcandor-Mitarbeiter werden sich jetzt fragen, warum ihr Ex-Chef, der immerhin einen Traditionskonzern vor die Wand gefahren hat, mit einer 33 Meter langen Luxusjacht durch die Gegend schippern musste. Ehrlich gesagt, ich frage mich das auch.

Aufregung um den Ehrensold

Die Meldung musste ja Protest provozieren: "Regierung erhöht Ehrensold von Ex-Bundespräsident Wulff". Bei näherer Betrachtung jedoch ist der Vorgang nicht geeignet, bei diesem heißen Wetter noch stärker ins Schwitzen zu geraten. Es ist ein technischer Vorgang, da die Höhe des Gehalts von Bundespräsidenten per Gesetz an die Gehälter von Bundesbeamten und der Kanzlerin gekoppelt ist. Der eigentliche Skandal war, dass Wulff nach seinem unehrenhaften Abgang nicht freiwillig auf den "Ehrensold" verzichtet hat. Ob er jetzt 18.000 Euro mehr oder weniger im Jahr bekommt, fällt dagegen nicht mehr ins Gewicht.

Was fehlt? Die Filmförderungsanstalt FFA unterstützt ein Drehbuch, das auf dem Computer-Ballerspiel "Moorhuhn" basiert, das vor einigen Jahren die Büros lahmlegte, mit 45.000 Euro. Wie gut, wenn deutsche Behörden noch echte Kulturgüter erkennen.

Ich wünsche Ihnen einen skandalfreien Feierabend,

Florian Kolf

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Ist Zuckerbergs beste Zeit vorbei?"

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  • Was heisst denn bitte seine beste ZEit ist vorbei? Der Knilch kann tun und lassen was er will, sich ne Insel kaufen, zur Ruhe setzen, hin und her-jetten und muss keinen Finger mehr krumm machen....was er mit der ZEit anfängt bleibt seine Sache aber dass seine BESTE ZEit vorbei sein, ist wohl ein Scherz. Ganz im US-Stil eben...den kompletten Erdball mal eben verarscht.

  • Wäre der Zuckerberg der Geschäftsführer einer AG die diesen Coup mit einem "Gewinn" von ca. 1 Mio gemacht hätte, wäre der Kerl jetzt im Knast.
    Ich hoffe, er wird trotzdem dort landen, samt den Bankstern die daran beteiligt waren.
    (P.S. Ich habe und hatte niemals FB-Aktien)

  • Zuckerberg hat eine geile Zeit vor sich. Die ganze Welt verarscht und mehr Geld in der Schatulle, als er in einem Leben verbrauchen kann. Er kann seine Firma an die Caritas verschenken und muss nie wieder nach irgendjemandes Pfeife tanzen. Herz was willst Du mehr? Viel mehr Kohle, als Christian Wulff und viel weniger unbeliebt.

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