Was vom Tage bleibt
Korruption, Kanonen und Barone

Bei Thyssen-Krupp ruft der Vorstand die Wende aus. Die Börse glaubt ihm. Der Name AIG steht künftig für gute Geschäfte. Und Berlusconi sind Staatsanleihen egal - die Kommentare zum Tag
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Erfolgreiche Kurspflege

Thyssen-Krupp. Der Name ist Legende. Bei RTL stünde dahinter: Korruption, Kanonen und Barone. Hier steht: Der Konzern meldet den höchsten Verlust in seiner Geschichte. Erstmals fällt die Dividende aus. Drei Vorstände treten ab. Und ein Konzernchef müht sich - um wenigstens in der Stahl-Bildersprache zu bleiben - die Weiche umzustellen: Heinrich Hiesinger sagt: "Es wurde eine Kultur gepflegt, in der Abweichungen und Fehlentwicklungen lieber verschwiegen als korrigiert wurden.“ Es habe bei einigen die Ansicht vorgeherrscht, dass „Regeln, Vorschriften und Gesetze nicht für alle gelten“. Er kündigt an: "Wir etablieren konsequent eine neue Führungskultur, die auf Ehrlichkeit, Transparenz und Leistungsorientierung basiert." Klingt alles auch ein bisschen nach RTL. Aber der Quote - Pardon - dem Kurs hilft's. Nach einem ersten Rutsch erholte sich die Aktie wieder und ging mit einem Plus von fünf Prozent aus dem Handel.

Flüchtige Werte

Keine andere finanzielle Rettungsaktion der US-Regierung löste derart wütende Reaktionen bei Steuerzahlern aus: Mit 182 Milliarden Dollar bewahrten Finanzministerium und Notenbank den Versicherungsgiganten AIG Ende 2008 vor dem Zusammenbruch. Jetzt wird das Kapitel geschlossen: Der Staat will sich vollständig aus dem Konzern zurückziehen. Und siehe: Die AIG-Rettung wird untem Strich zu einem guten Geschäft. Bisher hat die US-Regierung mit der Platzierung von AIG-Aktien sowie Gebühren und Zinsen für die Hilfen bereits mehr als 15 Milliarden Dollar verdient. „Es war kontrovers und ein großes Risiko“, sagte kürzlich Ex-Vorstandschef Robert Willumstad über die Rettung „Aber man würde heute sagen, dass die Regierung ihr Geld zurückbekommen und einen ordentlichen Gewinn gemacht hat“. Willumstad arbeitet damit an der eigenen Reputation. Aber er sagt auch viel über die Flüchtigkeit von dem, was eben noch wertvoll war, und umgekehrt über die Rückkehr dessen, was heute noch jeder verachtet.

Was Berlusconi interessiert

Ein Rückkehrer will auch Silvio Berlusconi sein. Mit 76 Jahren ist es Zeit für ein Comeback als Ministerpräsident, meint er. Dass das keine gute Idee ist, sieht der Operettenpolitiker naturgemäß anders. „Was interessiert uns der Spread?“ sagte er heute zu den happigen Risikoaufschlägen, die Investoren für italienische Staatsanleihen gegenüber deutschen Staatsanleihen hinlegen müssen, seit die Chance steigt, dass Berlusconi zurückkehrt. Der Spread sei „ein Betrug, eine Erfindung“, wettert er. Nun: Der Mann ist Unternehmer. Die Risikoaufschläge von Staatsanleihen sind ein ähnlicher Erfolgsmesser wie der Aktienkurs einer Firma. Lieber Silvio Berlusconi, wie gehen Sie mit Unternehmenschefs um, die eine Belastung für den Aktienkurs sind? Feuern?

Entschärfte Bombe

Bombenalarm im Bonner Hauptbahnhof, Pulver in einer abgestellten Tasche, Festnahme eines bekannten Bonner Islamisten und eines weiteren Verdächtigen. Das sind die Fakten. Die Vermutungen: Vielleicht sind Bahnreisende am Montag nur knapp einem Anschlag entgangen. Vielleicht sollten Deutsche das Ziel eine religiös-politisch motivierten Anschlags werden. Fazit: Wir haben einen Schutzengel gehabt und Ermittler, die rechtzeitig einen Anschlag verhindern können. Das ist die gute Nachricht dieses Tages.

Einen unaufgeregten Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Korruption, Kanonen und Barone"

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  • Hallo Herr Stock
    mal wieder alles kurz und knapp und bestens auf den Punkt gebracht. Danke
    Salafisten in Bonn.
    Hier erhebt sich für mich und wohl für viele Deutsche die Frage, warum werden diese Leute nicht endlich alle abgeschoben?
    Thyssen Krupp
    hier muß auch die Arroganz und Überheblichkeit des Herrn Cromme benannt werden, der ja jahrelang im Vorstand war. Dr sich Krupp einverleibt hat und wie ein Herrscher agierte
    Es war die Gier, hier noch ein Werk, dort noch ein Werk, man erklärt das ja immer mit dem abgedroschenen Begriff Globalisierung, immer nach dem Gier-Motto "immer mehr, immer höher, immer weiter", und die Millionen in den Taschen der Manager müssen ja stimmen
    Nun fällt es diesem Größenwahninnigen auf die Füße und wird wieder zu Lasten der Beschäftigten gehen
    Zu was haben solche Firmen einen Aufsichtsrat, wenn sie nicht merken, was abgeht?
    So lange aber ständig Dummschwätzer-Politiker in Aufsichtsräten sitzen, wird sich wohl nichts ändern und das GEhuppel vom Vorstand ind en Aufsichtsrat, kann ja wohl nicht gut sein.
    Also hir muß man ran
    Die Frage muß auch mal gestellt werden, was los ist in unserem Land.
    Wenn offenbar Lustreisen in Bordelle und sonstiger Unsinn zu einer Firmenkultur gehören.
    Offenbar ist Deutschland wirklich moralisch udn ethisch auf dem Nullpunkt
    Es sit den Firmenlenkern, diesen dümmlichen Managern, eins abhanden gekommen: Das Arbeiten nach guten alten kaufmännischen Regeln

  • ""Es wurde eine Kultur gepflegt, in der Abweichungen und Fehlentwicklungen lieber verschwiegen als korrigiert wurden.“ Es habe bei einigen die Ansicht vorgeherrscht, dass „Regeln, Vorschriften und Gesetze nicht für alle gelten“."

    Thyssen-Krupp ist heutzutage überall drin.

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