Was vom Tage bleibt
Noch kein Endspiel um Deutsche Bank

Das Drama um die Deutsche Bank hatte einen furiosen Auftakt, aber ein harmloses Ende. Einer der Bahn-Schlichter benimmt sich schlicht. Und der HSV hat noch Hoffnung. Das sollten Sie von heute wissen.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Wuchtiger Auftakt, harmloses Ende

Nachdem sie die Anleger einiges gekostet hat, sollten heute die Anleger auf ihre Kosten kommen: Doch die Hauptversammlung der Deutschen Bank glich einem harmlosen Schinken auf der Theaterbühne: Wuchtiger Auftakt, zäher Mittelteil und ein Ende, das niemanden befriedigt. Der Auftakt – das waren die Fragen der professionellen Aktionäre wie Ingo Speich, Portfolio-Manager von Union Investment: „Herr Fitschen und Herr Jain, wann findet dieser Albtraum endlich sein Ende?“ will er wissen. Für Lacher sorgt auch Hauptfigur Stefan Krause, Finanzchef bei der Deutschen Bank. Er kann auf ein starkes Wachstum verweisen – bei Rechtstreitigkeiten. Deren Zahl steigt rapider als jeder Gewinn. Der Mittelteil bestand dann aus Warten. Wie wird die Abstimmung über das Vertrauen ins Spitzenpersonal ausgehen? Am Ende wohl so, dass alle mit einem blauen Auge davon kommen. Shakespeare hätte das anders gemacht. Im „Hamlet“ zum Beispiel überlebt keiner.


Schlichter Schlichter

Schlichter sollen schlichten. Das machen sie am besten hinter verschlossenen Türen. Dort geben sie den Unparteiischen und moderieren so lange, bis die Streithähne – oder in diesem Fall die Streikhähne bei Bahn und GDL – wieder zusammenfinden. Nicht so Bodo Ramelow. Ihn, den Ministerpräsidenten aus Thüringen, hat die Lokführer-Gewerkschaft als Schlichter bestimmt und er sagte heute: „Es war ein Fehler der Deutschen Bahn, so lange auf Vollkonfrontation zu setzen. Ich habe in meinem Leben viele Tarife verhandelt, ein derart unprofessionelles Vorgehen habe ich noch nicht erlebt.“ Ein Schlichter, der Öl ins Feuer gießt, ist ein schlichter Schlichter.

Der anhängliche Herr Tsipras

Als griechischer Oppositionsführer dämonisierte Alexis Tsipras die deutsche Kanzlerin als „gefährlichste Politikerin Europas“. Als Ministerpräsident hat Tsipras eine immer größere Anhänglichkeit zu Angela Merkel entwickelt. Mitunter telefonieren sie so oft miteinander, wie sonst nur Liebespaare es tun. Auch heute Abend in Riga am Rande des EU-Gipfels wollen sich die beiden zu einem Tête-à-Tête treffen. Doch während Liebespaare sich süße Worte in die Ohren flöten, klingt es bei Tsipras und Merkel eher wie bei einem Ehepaar nach der Scheidung: Es geht dauernd ums Geld.

Die Verunsicherten

Die Versicherungsbranche ist einst im Geld geschwommen: Gehälter und Provisionen waren überdimensional, das Ansehen bei der Kundschaft hoch und die Büros schmückten die Top-Lagen der Innenstädte. Die Zeiten haben sich geändert. Provisionen sind uns ein Dorn im Auge. Früher haben wir wegen ein paar Euro Rabatt den Berater angerufen, heute suchen wir auf einem Wechselportal im Netz geschwind einen neuen Anbieter. Die Folge: Die Versicherer knausern bei den Gehältern und für die Abwicklung von Policen brauchen die Mitarbeiter nach Meinung ihres Managements keinen Blick mehr auf den Dom in Köln oder den Englischen Garten in München zu werfen. Deutschlands zweitgrößter Versicherer, die Generali-Gruppe, zieht daraus die Konsequenz: Sie kehrt Köln den Rücken zieht in eine B-Lage nach München, wobei einige Mitarbeiter auf der Strecke bleiben dürften. Versicherer sind auch keine sichere Sache mehr.

Verein in der Midlife-Crisis

Hamburg bereitet sich auf den Ernstfall vor – den Abstieg in die zweite Liga. 52 Jahre war der HSV immer ganz vorne dabei. Jetzt steckt er offenbar in einer Midlife-Crisis. Wenn die These stimmt, stürzt er ab, berappelt sich, wird weiser und glücklicher und reicher an inneren Werten als je zuvor. Liebe Hamburger: Es gibt also noch Hoffnung.

Einen hoffnungsvollen Abend

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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