Was vom Tage bleibt
Panzer entlarven Putin

Russische Soldaten stehen in der Ukraine, die EU wählt ihre Spitzenkandidaten. Der Fifa-Chef kann weitermachen, bei Germanwings kommt der Streik und die Maut-Diskussion nimmt groteske Züge an. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Salami-Taktik

Russlands Präsident Putin verfolgt in der Ukraine eine perfide Strategie. Nach außen hin verkauft er sich als friedliebender Präsident, der dem kleineren Nachbarland um Gottes Willen nichts antun will. In Wahrheit fahren die russischen Panzer immer tiefer und in immer größeren Zahl in die Ukraine hinein. Putin betreibt eine Strategie der Nadelstiche, um sich die Ostukraine Stück für Stück einzuverleiben. Es ist eine offene Intervention, nur eben Scheibchen für Scheibchen, auf Sparflamme. In der Hoffnung, dass der Westen ihn gewähren lässt. Aus Moskauer Sicht ist diese Rechnung bisher blendend aufgegangen. Aber vielleicht ist jetzt der Punkt erreicht, an dem sich Putin geschnitten hat.

Nachgeholt

Obwohl zehn Jahre in der EU, sind die osteuropäischen Mitglieder bei der Besetzung der Brüsseler Spitzenposten in der Vergangenheit stets leer ausgegangen. Es wird Zeit, dass sich das ändert. Mit dem polnischen Premier Donald Tusk steht ein ausgezeichneter Kandidat parat, der Nachfolger des Belgiers Herman von Rompuy als Ratspräsident werden könnte. Die Berufung Tusks wäre auch ein Signal in Richtung Moskau: Länder wie Polen gehören definitiv zum vereinten Europa und definitiv nicht zum russischen Machtbereich.

Zurückgewichen

Wieder gibt es keinen Neubeginn beim Weltfußballbund Fifa, Präsident Sepp Blatter kann aufatmen. Lange hat der Franzose Michel Platini überlegt, ob er den Fifa-Dauerpräsidenten aus der Schweiz endlich herausfordern soll. Platini hat nun leider resigniert aufgegeben und überlässt Blatter das Feld. Es wird also weiterhin so verrückte Entscheidungen wie eine Fußball-WM in Katar geben. Fortschritte bei der Bekämpfung der Korruption sind genauso wenig zu erwarten und bei Sportwetten dürfte es weiter hoch her gehen. Armer Fußball.

Gestrandet

Nun sind wir wieder einmal die Opfer, wir, die Passgiere. Die Lufthansa hat sich mit den Piloten der Konzerntochter Germanwings nicht über deren Forderungen über Gehalt und Alterssicherung einigen können. Also wird am Freitag wieder einmal gestreikt. Es sieht auf den ersten Blick großzügig aus, wenn nur am Morgen und am Vormittag für sechs Stunden gestreikt werden soll. Doch was haben die Passagiere davon, wenn sie ihr Flugziel am Morgen nicht erreichen? Sie können gleich zu Hause bleiben. Wir, die Passagiere, sollten künftig die Germanwings-Piloten bestreiken. Vielleicht werden sie dann einmal vernünftig.

Flickschusterei

Wer kann die Debatte über die geplante Pkw-Maut noch ertragen? Ich jedenfalls nicht mehr. Seit einem Jahr wird darüber gestritten und geredet, aber nichts ist passiert. Ein echtes Armutszeugnis für die Bundesregierung. Jetzt melden sich auch zusätzlich noch die CDU-Provinzfürsten zu Wort und verlangen einen Maut-Rabatt für die Grenzregionen. Wer weiß, welche Interessengruppen demnächst noch aufzeigen und Ausnahmen verlangen. Die Einführung der Pkw-Maut wird so jedenfalls zur Flickschusterei – und die Bundesregierung sollte dieses Vorhaben besser gleich in der Schublade verschwinden lassen.

Einen angenehmen Abend wünscht Ihnen herzlich

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Panzer entlarven Putin"

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  • Putins Invasionspläne
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    Wahrheit fahren die russischen Panzer immer tiefer und in immer größeren Zahl in die Ukraine hinein. Putin betreibt eine Strategie der Nadelstiche, um sich die Ostukraine Stück für Stück einzuverleiben. Es ist eine offene Intervention, nur eben Scheibchen für Scheibchen, auf Sparflamme. In der Hoffnung, dass der Westen ihn gewähren lässt.

    Warlord Putin will auf jeden Fall eine Niederlage der Separatisten verhindern.
    Deshalb schickt er auch immer mehr Soldaten, Panzer und modernste Waffen in die Ostukraine.

    Diese "Freizeitsoldaten" überqueren dann mit ihrem "Dienstpanzer" die ukrainische Grenze um ihre Brüder und Schwestern in der Ostukraine im Kampf gegen die "Militärjunta" aus Kiew beizustehen. Dafür opfern sie auch ihren Urlaub.

  • Ich denke, dass zunächst die russische Marine im schwarzen Meer zerstört werden sollte. Erst die Marine, dann die Straßen, Brücken und ggf. die Tunnel, die von Russland aus in den nahen und mittleren Osten führen. Soweit, wie eine Opertion vom Mittelmeer aus gesteuert werden kann: 2000 km, 1500km. Vielleicht noch in dieser Nacht.

    Die russischen Panzer würde ich nicht gewähren lassen. Aber diese können weiter fahren. Bis Russland aufhört die Forderungen der Ukraine zu überhören.

    Parallel dazu müssen Streitkräfte aus der Eu oder Nato in Alarmbereitschaft versetzt werden. Ich nenne mal eine Zahl. 600000. Es muß ein Sicherheitskorridor geschaffen werden, der im polnisch- ukrainischen Grenzverlauf angelegt wird. Stützpunkte, die man von Deutschland aus oder über die europäischen Häfen am besten ansteuern kann. 14 Tage dafür.


    Danach sollte Russland einlenken, wenn nicht, dann gibt es in Russland noch die Ernte. Nicht gleich die ganze aber so ein bisschen. Genauso, wie Russland unseren Glauben an ein friedliches Zusammenleben zerstört hat. Nicht gleich im Ganzen, aber so ein bisschen.

  • "In der Hoffnung, dass der Westen ihn gewähren lässt. Aus Moskauer Sicht ist diese Rechnung bisher blendend aufgegangen. Aber vielleicht ist jetzt der Punkt erreicht, an dem sich Putin geschnitten hat."

    Ich glaube, dass dieser Punkt schon länger überschritten ist.

    Ein interessanter Beitrag kommt von Robert Skidelsky, einem emeritierten Professor einschlägiger Expertise. Er kommt zu folgendem Fazit:

    "So the question must be asked: Will the West be prepared to make peace with Putin?

    Leaders whose foreign-policy adventures end in defeat do not usually survive long in office. Either formal mechanisms are used to dethrone them – as occurred, for example, in the Soviet Union, when the Central Committee forced Nikita Khrushchev out of power in 1964 – or informal mechanisms come into play. Putin’s power elite will start fracturing – indeed, that process may have begun already. Pressure will grow for him to step aside. There is no need, it will be said, for his country to go down with him.

    Such a scenario, unimaginable a few months ago, may already be shaping up as the Ukraine drama moves to its endgame. The Putin era may be over sooner than we think."

    Quelle: project-syndicate.org

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