Was vom Tage bleibt
Rausschmeißen reicht nicht

Obama hat den Chef der Steuerbehörde gefeuert, aber der Opposition reicht das nicht. Die Piëchs sichern ihre Macht. Der Frankfurter Terminal kommt später. Erben liegt im Trend und Beckham geht. Die Kommentare zum Tag.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Steuer-Chef gefeuert

Barack Obama hat den Chef der Steuerbehörde gefeuert, die gezielt konservative Oppositionsgruppen ins Visier genommen hatte. Die Behörde hatte eine besonders intensive Kontrolle von politischen Gruppen eingeräumt, die eine Steuerbefreiung als gemeinnützige Organisation beantragt hatten und Wörter wie „Tea Party“ oder „patriotisch“ in ihren Namen trugen. Die Republikaner werfen Obama vor, es mit Hilfe der Steuerbehörde auf konservative Organisationen abgesehen zu haben. Der republikanische Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, John Boehner, forderte härtere Konsequenzen: „Meine Frage zielt nicht darauf ab, wer zurücktritt. Meine Frage lautet: 'Wer wandert wegen dieses Skandals ins Gefängnis?'“ Lieber Herr Boehner, wenn alle die, die sich politisch nicht lupenrein verhalten, ins Gefängnis wanderten, dann hätten wir bald ein Gefängnis-Parlament.

Neue Rollenverteilung im Hause Piëch

Ursula Piëch gilt im VW-Konzern als lebhafte Außenministerin an der Seite ihres meist schweigsamen Gatten Ferdinand. Heute haben die Aktionäre sie in den Aufsichtsrat der Volkswagen-Tochter Audi gewählt. Die um fast 20 Jahre jüngere Ehefrau des VW-Patriarchen ist nun die mächtigste Frau der Autoindustrie und eine Art Versicherung der Piëchs, dass auch dann, wenn der Senior einmal abtritt, der Konzern in seinem Sinne weiterfährt. Ist sie nun von der Außenministerin ins Zentrum gerückt? „Der Mensch denkt, Gott lenkt“, würde sie vielleicht auf diese Frage antworten und ansonsten schweigen wie ihr Mann, um offen zu lassen, wie die Rollenverteilung im Hause Piëch ist.

Die gute Nachricht: Terminal kommt später

Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport hat heute eine gute Nachricht verkaufen wollen: Er will in zwei Jahren mit dem Bau des dritten Terminals an Deutschlands größtem Luftfahrtdrehkreuz beginnen. Die Verkündung ist aus zwei Gründen schiefgegangen: Erstens kommt das Terminal damit etwa vier Jahre später als gedacht, denn es war einmal das Jahr 2016 als Fertigstellung angepeilt. Berlin lässt grüßen. Und zweitens Hand aufs Herz: Wer fliegt denn freiwillig von Frankfurt aus, wo schon jetzt die Fußwege länger dauern als die innereuropäischen Flugzeiten? Mit Terminal Nummer drei wird das nicht schneller gehen. Insofern ist die Verschiebung vielleicht doch die eigentliche gute Nachricht.

Nachhaltig Vererben

Das letzte Hemd hat keine Taschen, sagt ein Sprichwort, das vor allem Erben kennen. Das Allensbacher Institut für Demoskopie hat im Auftrag der Postbank 1.573 Personen zu dem Thema befragt. Ergebnis: Vier Fünftel der Erblasser wollen eine rechtzeitige klare Verteilung der Erbschaft, um Streit bei den Nachfahren zu vermeiden. Das ist mehr als jemals zuvor. Die Deutschen sind damit ein nachhaltiges Volk. Sie wollen den Frieden auch dann noch sichern, wenn sie schon nicht mehr auf der Welt sind.

Wo ist das Tor?

David Beckham hat das Ende seiner Karriere angekündigt. Der 38 Jahre alte Fußballspieler sagt dies nur vier Tage nach dem Gewinn der französischen Meisterschaft mit seinem Klub Paris St. Germain. Und er sagt es drei Tage, nachdem er sich mit diesen Worten hat zitieren lassen: „Aufhören ist für mich momentan kein Thema“. Gut, dass Beckham beim Spiel aufs Tor entschlossener war, als beim Abschied vom Torspiel.

Einen entschlussfreudigen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Rausschmeißen reicht nicht"

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  • Lieber Herr Stock ! Wenn Sie die Diskussion ja so lieben: warum ist bei jedem Artikel, in dem das Wort " Israel " vorkommt, die Kommentarfunktion abgeschaltet ? Und ganz aktuell auch im Artikel zum Thema Assad. Nach dem Motto: Diskussion ja, aber wir bestimmen immer noch die Themen. Das hat mit objektivem Journalismus ( den es in meinen Augen nicht mehr gibt ) und Fairness gegenüber den Lesern nichts zu tun. Ich schreibe Ihnen das hier, damit der Kommentar nicht im Shitstorm Ihres offenen Briefes untergeht.

  • Da haben wir den Salat, Herr Stock/Menzel.
    Habermas outet sich als Sympathisant der AfD.
    Herbermas ein Nazi?
    Das kann doch wohl nicht wahr sein.
    Was sagt Sloterdijk?

  • Merkelfromme Systemschreiberlinge

    Der große Soziologe und Philosoph Jürgen Habermas hat zu solchen Figuren wie Stock bereits alles notwendige gesagt:

    http://www.fr-online.de/meinung/europapolitik-habermas-wuenscht-der-afd-erfolg,1472602,22695188.html

    Habermas : „In der Bundesrepublik bestärkt eine unsäglich merkelfromme Medienlandschaft alle Beteiligten darin, das heiße Eisen der Europapolitik im Wahlkampf nicht anzufassen und Merkels clever-böses Spiel der Dethematisierung mitzuspielen. Daher ist der ‚Alternative für Deutschland‘ Erfolg zu wünschen. Ich hoffe, dass es ihr gelingt, die anderen Parteien zu nötigen, ihre europapolitischen Tarnkappen abzustreifen. Dann könnte sich nach der Bundestagswahl die Chance ergeben, dass sich für den fälligen ersten Schritt eine ‚ganz große‘ Koalition abzeichnet.“

    Aber wer weiß, vielleicht wird Habermas von Stock auch bald als Nazi entlarvt

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