Was vom Tage bleibt
Schluss mit der Sparkassen-Beschaulichkeit

Ein Professor äußert Zweifel an der Wettbewerbsfähigkeit von Volksbanken und Sparkassen. Die Koalition probt das Rollenspiel. Der neue Kollege bei der Bahn macht Ärger. Und Abba wird philosophisch. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Bankenkrise reloaded

Sie gelten als die Gewinner der Finanzkrise: die deutschen Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Ihr eher beschauliches Geschäft mit Krediten und Spareinlagen unterschied sich wohltuend von Ramschhypotheken und anderen prekären Finanzprodukten, mit denen private Großbanken die Weltwirtschaft an den Abgrund brachten. Doch möglicherweise ist die Einschätzung überholt. Eine aktuelle Studie, die von den Regionalbanken selbst angeregt worden ist, kommt jedenfalls zu einem niederschmetternden Ergebnis: Sparkassen und Volksbanken steuern auf eine dicke Krise zu. Das Thema ist so brisant, dass sich inzwischen schon die Finanzaufsicht eingehend damit beschäftigt. Vier Trends machen den Regionalbanken zu schaffen: Niedrige Zinsen, billige Konkurrenz, ein vom Gesetzgeber formulierter Auftrag und bei manchen mangelnder Mut, etwas zu ändern. Für die ersten drei Punkte mag gelten: Es gibt nicht für alles im Leben eine Erklärung. Für den letzten aber gilt: Es gibt für alles eine Ausrede.

Rollenspiel

So also funktioniert die Arbeitsteilung in der neuen Regierung: Horst Seehofer ist fürs Zündeln zuständig. "Wer betrügt, fliegt", fordert er mit Blick auf Bulgaren und Rumänen, die nach Deutschland kommen. Merkel ist fürs Löschen verantwortlich, Gabriel bringt den Eimer. Jedenfalls haben die beiden heute miteinander telefoniert und vereinbart, einen Ausschuss einzusetzen, der klärt „ob und welche operativen Maßnahmen die Ressorts gegen den möglichen Missbrauch von Sozialleistungen veranlassen können“. Es ist doch schön, dass es so gut klappt mit dem Regieren. Die Opposition ist glatt überflüssig.

Merkel als Headhunter

Die Personalie ist alles andere als ein Versprechen für eine glückliche, gemeinsame Zukunft. Der ehemalige Kanzleramtsminister Pofalla soll Verbindungsoffizier zwischen Deutscher Bahn und Politik werden. Was wir uns von der Bahn wünschen, ist doch: weniger Verspätungen, besserer Service und mehr Komfort. Der beste Weg, um das zu erreichen, lautet: mehr Wettbewerb. Staatsnähe und ein Monopol verleiten dagegen dazu, unsere Wünsche hinten anzustellen. Durch den kurzen Draht zur Politik kann Pofalla effektiv dafür sorgen, dass die Konkurrenz klein gehalten wird. Es ist also aus Kundensicht schon einmal keine gute Entscheidung, Pofalla dorthin zu rangieren. Aus Sicht des Staatsunternehmen Deutsche Bahn ist der personelle Verschiebebahnhof sogar überflüssig. Wenn Bahnchef Rüdiger Grube eine politische Frage hat, dann fragt er seinen Aufsichtsrat, dort sitzen Staatsekretäre zu Hauf. Wer also zieht die Fäden bei der Personalie? Sollte Angela Merkel unter die Headhunter gegangen sein?

Abbas neuester Hit

"Money, money, money", lautete einst ein Abba-Hit. Heute sehen die schwedischen Popstars die Sache differenzierter. Abba-Star Björn Ulvaeus - ja, der mit dem Bart - hat sich jedenfalls einem Selbstversuch unterzogen. Ein ganzes Jahr lang lebte er ohne Bargeld. „Die einzige Unannehmlichkeit, die ich erlebt habe, war, dass man eine Münze braucht, um im Supermarkt einen Wagen auszuleihen“, schreibt er auf der Webseite des Abba-Museums. In Deutschland wäre Ulvaeus auf wesentlich mehr Schwierigkeiten gestoßen. Wer hier in einer Kneipe die Karte zückt, kommt in den Verdacht der Zechprellerei. Auch Taxifahrer betrachten es gern mal als Problem des Fahrgastes, wenn der nur eine Karte hat, um zu zahlen. In Schweden dagegen sinkt der Bargeld-Umlauf. Vielleicht sollten wir uns auch hierzulande die neue ausdifferenzierte Abba-Sichtweise zu eigen machen: „Haben wir die Fähigkeit verloren, zu sehen, dass Münzen und Scheine nur Symbole sind, und dass diese Symbole leicht gegen andere ausgetauscht werden können?“, fragt Ulvaeus und stellt unter Beweis, dass aus dem Popstar von einst ein Philosoph geworden ist.

Ein philosophisches erstes Wochenende im neuen Jahr wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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