Was vom Tage bleibt
Schönheit ist nicht alles

VW bringt den neuen Passat auf den Markt, die Pkw-Maut kommt wohl nicht. Die Bahn läutet das Ende der Autozüge ein, die NSA dürfte deutsche Spitzel anwerben und GM schreibt Rückruf-Rekorde. Der Tag im Rückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Der Langweiler

So recht mag das niemand glauben: Große Erfolge sind auch mit vergleichsweise langweiligen Produkten möglich. Der beste Beweis dafür ist der VW Passat, dessen achte Generation am Jahresende auf den Markt kommen wird. Das neue Modell ist äußerlich kaum verändert, kanten- und kastenförmig kommt das Auto wieder daher. Eigentlich wäre das die Garantie für einen gewaltigen Misserfolg. Doch das genaue Gegenteil wird passieren, auch dieser neue Passat dürfte sich wieder zum Verkaufsschlager entwickeln. Der Grund: hohe Zuverlässigkeit und große Zweckmäßigkeit. Schönheit ist eben doch nicht alles.

In der Sackgasse

Die geplante Pkw-Maut auf deutschen Autobahnen dürfte auf ewig in den Schubladen verschwunden sein. Der CSU-Verkehrsminister würde zwar gern, kann aber nicht. Nicht etwa wegen eines Einspruchs aus Brüssel, sondern vor allem weil die mächtige Schwesterpartei die Gefolgschaft verweigert. Schade eigentlich. Andere Länder tun sich mit einer Maut längst nicht so schwer wie Deutschland. Mit einer eigenen Maut in der Bundesrepublik würden endlich auch ausländische Autofahrer an den Kosten für den Straßenbau hierzulande beteiligt. Schließlich leisten deutsche Autofahrer schon in den meisten Ländern Europas ebenfalls ihren Beitrag.

Geld zu verschenken

Der Deutschen Bahn geht es offenbar immer noch zu gut. Sie sagt klar und deutlich, dass die Autoreisezüge ein Zuschussgeschäft sind. Logisch wäre es also, dieses nicht mehr ganz zeitgemäße Angebot der Bahn recht schnell einzustellen. Stattdessen zieht der Staatsbetrieb es vor, das Angebot an Autoreisezügen nur nach und nach bis zum Jahr 2017 einzustellen. Bei der Bahn scheint es ein sehr großzügiges Kostenmanagement zu geben. Der Verdacht liegt nahe, dass das nicht nur für die Autoreisezüge gilt.

Vertrauen schwindet

Der Streit zwischen den USA und Deutschland über fragwürdige NSA-Abhöraktionen nimmt immer absurdere Züge an. Jetzt soll der US-Geheimdienst einen Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes als Spitzel angeheuert haben, der wiederum den NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestages ausgeforscht hat. Es wird Zeit, dass US-Präsident Obama endlich ein Machtwort spricht. Es kann nicht sein, dass einer der wichtigsten US-Verbündeten regelmäßig aufs Kreuz gelegt wird. Wie soll es noch eine Zusammenarbeit geben, wenn das Vertrauen vollends zerstört wird?

Alles in der Werkstatt

Es ist eine bittere Bilanz: General Motors eilt bei seinen Rückrufen von Rekord zu Rekord. In diesem Jahr hat Amerikas größter Autokonzern schon fast 30 Millionen Autos in die Werkstätten beordert. Das entspricht ungefähr der Produktion von drei Jahren. Den Amerikanern ist nur zu wünschen, dass es bald keine weiteren Rückrufe mehr gibt und dass sie sich wieder auf ihr eigentliches Geschäft konzentrieren können. Die Spötter sind auch schon da. Wie heißt es in den USA über General Motors? Bald gibt es keine Autos mehr, die GM noch in die Werkstatt rufen könnte.

Einen schönen Sommerabend mit spannenden Spielen von der Fußball-WM in Brasilien wünscht Ihnen  

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Schönheit ist nicht alles"

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  • Tja, nach welcher Rechnung machen denn die Autozüge Minus? Vollkosten oder Teilkosten?
    Ist das Minus schon bei DB I, oder erst bei DB II oder etwa erst beim Betriebsergebnis?

    Wenn die Bahn die Autoreisezüge stilllegt entfällt nicht die Afa und diverse andere feste Kosten, wenn der DB I noch positiv ausfällt kann die Bahn sicherlich nichts besseres tun als diesen Service nur nach und nach einzustellen. Alles andere wäre eine Milchmädchen-Rechnung und hat schon manche Firma in die Pleite gebracht.
    Ich kann nur hoffen, das der Controller des HB besser rechnet als der Schreiber dieses Artikels.

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