Was vom Tage bleibt
SPD-Chef in Nöten

Die SPD-Basis verpasst dem Parteichef einen Denkzettel, die lockere Geldpolitik in den USA wird fortgesetzt. Bei Karstadt geht es voran, bei Volkswagen zurück. Düster sieht es am Berliner Airport aus. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Der Boss macht weiter

Sigmar Gabriel bleibt der Boss der Sozialdemokraten. Auf dem SPD-Parteitag in Leipzig ist er erwartungsgemäß wiedergewählt worden. Was negativ auffällt, ist das vergleichsweise schlechte Wahlergebnis. Bei seiner Wiederwahl hat Gabriel nur 83 Prozent der Delegiertenstimmen bekommen, fast zehn Prozentpunkte weniger als beim letzten Mal. Das ist ein klarer Warnschuss für die laufenden Koalitionsverhandlungen mit der Union. Die SPD-Basis ist mit der Großen Koalition alles andere als zufrieden. Gabriel wird darauf in den Koalitionsverhandlungen Rücksicht nehmen müssen. Das lässt nichts Gutes ahnen: noch mehr Steuererhöhungen, noch mehr wirtschaftsfeindliche Beschlüsse.

Drogen für alle

Endlich wird eine Frau an der Spitze der US-Notenbank stehen, im kommenden Jahr übernimmt Janet Yellen das Zepter. Das war es dann aber schon mit den guten Nachrichten. Janet Yellen will die lockere Geldpolitik ihres Vorgängers Ben Bernanke fortsetzen. Sie traut sich also nicht an die Entscheidung heran, endlich etwas Luft aus der gewaltigen amerikanischen Geldblase herauszunehmen. Das könnte sich bitter rächen: Die Amerikaner gewöhnen sich an die Droge des billigen Geldes und irgendwann lässt sich das Rad überhaupt nicht mehr zurückdrehen.

Die Vernunft siegt

Bei Karstadt scheint sich endlich die Vernunft durchzusetzen. Nach den monatelangen Streitereien zwischen Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen und dem Betriebsrat haben sich beide Seiten nun auf die Rückkehr in die Tarifbindung verständigt. Für das Unternehmen ist das die beste aller Möglichkeiten. Die Karstadt-Gruppe ist schon geschwächt genug, ein langer interner Streit hätte dem Unternehmen weiteren schweren Schaden zugefügt. Belegschaft und Eigentümer können die Karre nur gemeinsam aus dem Dreck ziehen. Diese Botschaft haben sie nun zum Glück verstanden.

Wolfsburger Rekorde

Autofahrer sind so manchen Kummer gewöhnt. Rückrufe gehören heutzutage leider schon zum alltäglichen Standard. Der VW-Konzern hat am Donnerstag aber dann doch gleich alle Rekorde gebrochen: Ein Rückruf für 2,6 Millionen Fahrzeuge, das muss ein Autohersteller erst einmal schaffen. Auch für Volkswagen gilt das Problem aller großen Hersteller: Wer zu schnell wächst, der kann bald die Kontrolle über die Qualität verlieren. Das VW-Management sollte jetzt also besser innehalten und erst einmal die internen Prozesse auf Vordermann bringen – bevor die nächsten großen Wachstumsziele auf die Tagesordnung kommen. Volkswagen könnte sehr viel bei seinen Kunden gewinnen. Wenn die Qualitätsprobleme deutlich kleiner als bei der Konkurrenz ausfallen.

Berliner Armutszeugnis

Wer hat sich in den vergangenen Monaten nicht über den geplanten Berliner Großflughafen aufgeregt? Die Kosten laufen aus dem Ruder, die Inbetriebnahme ist auf den Sankt-Nimmerleinstag verschoben. Trotzdem gibt es in Berlin immer noch Steigerungen, heute ist wieder ein solcher Tag. Die Finanzchefin glänzt mit der Aussage, dass sie nicht abschätzen könne, „was wir an Gesamtkosten haben werden.“ Das ist ein Armutszeugnis par excellence, wenn noch nicht einmal die Finanzchefin eine Kostenschätzung wagt. Wir sind also vorgewarnt: Der Dilettantismus in Berlin wird weitergehen.

Regen Sie sich nicht zu sehr auf, gönnen Sie sich einen gemütlichen Abend. Es grüßt Sie herzlichst

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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