Was vom Tage bleibt
Unruhe bei den großen Telekoms

Ein Mexikaner mischt Europa auf und die Deutsche Telekom löst Fragezeichen aus. Freiheitsrechte gehen verloren und die Bahn sorgt für eine Lachnummer. Nur der Fußball sorgt für Unterhaltungswert. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Die harte Hand aus Mexiko

Carlos Slim ist ein bekannter und mächtiger Mann aus Mexiko. Mit seinem Telekom-Imperium ist er zu einem der reichsten Männer der Welt aufgestiegen und ringt meist mit Microsoft-Gründer Bill Gates um den Spitzenplatz. Vor ein paar Monaten hat sich der Milliardär mit knapp 30 Prozent am früheren niederländischen Telefon-Monopolisten KPN beteiligt. Dass sich dieser Mann nicht mit einer Minderheitsbeteiligung zufrieden gibt, dürfte von Beginn an festgestanden haben. Jetzt liegt der Beweis auf dem Tisch: Slim bietet für die restlichen KPN-Anteile. Dass er damit vielleicht auch den geplanten Verkauf der deutschen KPN-Tochter E-Plus an Telefónica aus Spanien blockiert, ist ihm vollkommen egal. Hauptsache er setzt seine Ziele durch und holt sich die Mehrheit bei den Nachbarn in den Niederlanden.

Bonner Wirrwarr

Der Donnerstag ist eigentlich ein recht guter Tag für die Deutsche Telekom gewesen. Fast 700.000 neue Kunden bei der schwächelnden US-Tochter, das ist schon etwas, auf dem der Bonner Konzern aufbauen könnte. Aber dann ist etwas passiert, was niemand so recht versteht: US-Telekom-Chef Legere erklärt öffentlich, dass man sich eine Übernahme-Offerte des US-Satellitenbetreibers Dish ansehen würde. Was soll solch eine Äußerung? Einerseits verkündet der Telekom-Konzern die lang ersehnte Belebung im strauchelnden US-Geschäft, denkt dann aber sofort wieder über einen Verkauf nach? Da kommt schnell ein bekanntes Gefühl auf: In Bonn weiß die linke Hand nicht, was die rechte tut.

Möge Orwell Unrecht behalten

Müssen wir uns Sorgen um unsere Freiheit machen, weil die Nachrichtendienste jedes Wort im Internet mitlesen? Der US-Whistleblower Edward Snowden hat mit seinen Veröffentlichungen während der vergangenen Wochen weltweit eine ganze Menge Wirbel ausgelöst. Natürlich brauchen wir Nachrichtendienste, die uns durch ihre Arbeit vor möglichen Anschlägen schützen. Aber irgendwie wirkt es immer bedrohlicher, was da alles hinter unserem Rücken passiert. Jetzt wird bekannt, dass in den USA Verschlüsselungs-Unternehmen aus Angst vor Repression ihre Dienste komplett einstellen (müssen). Das ist ein erschreckender Vorgang. Sollte George Orwell mit seinen düsteren Prophezeiungen etwa doch Recht behalten?

Mainz in der Sackgasse

Zugegeben, Mainz ist keine richtig große Metropole. Aber immerhin kommt die Stadt auf 200.000 Einwohner und ist Sitz der Landesregierung von Rheinland-Pfalz. Und in dieser Stadt halten seit einer Woche nachts keine Fernzüge mehr. Als ich zum ersten Mal davon hörte, dachte ich an einen Gag. Aber weit gefehlt: Die Deutsche Bahn macht keinen Spaß, sie meint es vollkommen ernst damit. Kopfschütteln, Ratlosigkeit, sogar ein wenig Verzweiflung kommt da bei mir hoch. Was geht bei den obersten Bahn-Menschen vor, dass sie zu solchen Entscheidungen kommen? Wer den Mainzern die nächtliche Zug-Pause verordnet hat, der gehört gefeuert.

Endlich, es geht wieder los

Heute Abend ist es nach den langen Wochen der Pause (endlich) wieder soweit: In der Münchener Allianz-Arena wird die neue Saison der Fußball-Bundesliga angepfiffen. Ich habe eine Bitte an alle Nicht-Fußballer: Seien Sie gnädig mit den echten Fans und zeigen Sie Nachsicht, wenn es an den nächsten Wochenenden etwas lauter zugeht. Nach der Sommerpause müssen sich die Fußball-Enthusiasten erst einmal wieder ein wenig austoben. Wenn sich das Ganze auf normalem Niveau eingependelt hat, wird es auch wieder etwas ruhiger. Auch echte Fans werden bald wieder einsehen, dass es noch etwas anderes außer Fußball gibt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende – und vielleicht sehen Sie sich doch das eine oder andere Spiel an.

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Unruhe bei den großen Telekoms"

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  • "Und in dieser Stadt halten seit einer Woche nachts keine Fernzüge mehr."

    Vielleicht sollten die Fahrgäste einfach mal die Notbremse ziehen, wenn der Zug nicht hält.
    Der Zugführer könnte eingeschlafen sein und dann ist Gefahr im Verzug !

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