Was vom Tage bleibt
Unverhoffter Geldsegen

Der Deutsche-Börse-Chef wird fürs Scheitern belohnt, Versicherte werden unerwartet beschenkt und EZB-Chef Mario Draghi müsste eigentlich der Held der Privatanleger sein. Der Tagesrückblick
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Wunderschönen guten Abend,

Der Lohn des Scheiterns

Es ist schon mehr als erstaunlich: Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni hatte alles auf eine Karte gesetzt. Der Zusammenschluss seines Unternehmens mit dem New Yorker Konkurrenten Nyse/Euronext sollte sein großer Wurf werden, auf den er seine Strategie fokussiert hatte. Doch die Fusion scheiterte. Und in der Folge kam aus der Konzernzentrale eher Sprachlosigkeit als eine große strategische Neuausrichtung. Nun wird Francioni dafür auch noch mit einer Verlängerung seines Vertrages belohnt. Überzeugend klingt das nicht.

Geldsegen für Versicherte

Nein, nein, politischer Druck war das nicht. Sagt zumindest die Techniker Krankenkasse. Als erste der großen Kassen hat sie sich jetzt erbarmt und zahlt ihren Versicherten einen Teil der Milliardenüberschüsse zurück. In Wahrheit hat die Politik die Kassen so lange sturmreif geschossen, bis keine andere Möglichkeit mehr blieb, als Prämien zurückzuzahlen. Und das ist auch gut so. Denn bei dem aktuellen Zinsniveau haben die Kassen ohnehin kaum eine Chance, das Geld gewinnbringend für die Zukunft anzulegen. Jetzt müssen andere große Kassen nachlegen.

Kosten statt Rente

Keinen Geldsegen dagegen versprechen die meisten Riester-Versicherungen. Nach einer Untersuchung der Zeitschrift "Finanztest" sind nur fünf von 29 untersuchten Riester-Versicherungen „gut“. Die schlechte Nachricht: Bei den meisten sind die Abschluss- und Verwaltungskosten so hoch, dass keine vernünftige Mindestrente garantiert werden kann. Die gute Nachricht gilt im Umkehrschluss: Bei Versicherern, die eine hohe garantierte Rente zusagen, kann man mit gutem Gewissen abschließen. Bezeichnend nur, dass sich etliche Versicherer geweigert haben, überhaupt am Test teilzunehmen. So schafft man kein Vertrauen bei den Kunden.

Flaute in der Windkraft

Da bekommt der Begriff "Wind-Jammer" eine ganz neue Bedeutung: Ab heute kommt die Windenergiebranche zum großen Branchentreff in Husum zusammen - und man hört Heulen und Wehklagen. Nachdem bereits die vermeintliche Zukunftsbranche Solarindustrie die Hoffnungen enttäuschte, droht jetzt auch bei nächsten alternativen Energieerzeugung eine Pleitewelle. Viele kleiner Windanlagenbauer werden den Preiskampf wohl nicht überleben, die Verzögerungen bei Offshore-Anlagen tun ein übriges. Stell dir vor es ist Energiewende - aber es ist keiner mehr da.

Was fehlt? Gejammert haben auch viele Privatanleger. EZB-Chef Mario Draghi fördere mit seinen Plänen zu Anleihekäufen die Inflation und schmälere so ihr Vermögen. Zumindest kurzfristig ist das Gegenteil der Fall: Nach einer Studie hat der "Draghi-Effekt" durch Kursgewinne an den Börsen die Privatanleger weltweit um bis zu 600 Milliarden Euro reicher gemacht. Also erst mal abwarten bevor man klagt.

Ich wünsche Ihnen einen segensreichen Feierabend,

Florian Kolf

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Unverhoffter Geldsegen"

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  • "Zumindest kurzfristig ist das Gegenteil der Fall!
    Na ja, so kann man es auch darstellen, wenn man den Regierungstrotteln gefallen möchte!
    Da nur 5% aller Deutsc hen in Aktien investiert sind und das auch nur mit minimalem einsatz, dürfte doch klar sein, wo die 600 Milliarden hingeflossen sind, oder?
    Dümmer gehts wohl mümmer?

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