Was vom Tage bleibt
Wahlkampf ohne Sinn und Verstand

Das schwarz-gelbe Kuriositätenkabinett leistet sich den nächsten Streit, Apple könnte sich zu früh freuen, Ahold belebt die Mittagspause und Kühe verschwinden unbemerkt. Der Tagesrückblick
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Wunderschönen guten Abend,

Abteilung Attacke

Es ist so weit: Die Bundesregierung hat die Arbeit für diese Legislaturperiode eingestellt, der Wahlkampf ist eröffnet. Anders kann der Streit innerhalb der schwarz-gelben Koalition über einen Verbleib von Griechenland in der Euro-Zone nicht gedeutet werden. Egal wie man die Aussagen von CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt inhaltlich bewertet - mit seiner rüden Attacke gegen Merkels Euro-Kurs hat er deutlich gezeigt, dass ihm der Wahlerfolg seiner Partei wichtiger ist, als die Zusammenarbeit in der Regierung. Kein Wunder, dass so viele Menschen den Politikern in Berlin nicht mehr zutrauen, die aktuelle Krise zu bewältigen.

Trifft Apple der Bumerang?

Rund zwölf Milliarden Euro an Marktwert hat die Samsung-Aktie heute verloren, die Schlappe im Patentprozess gegen Apple zeigt Spuren. Kein Wunder, droht doch ein Verkaufsverbot für mehrere wichtige Modelle in den USA. Auf den ersten Blick sieht das auch wie eine Niederlage für den Verbraucher aus, da der Marktführer Apple nun noch mehr dominiert. Doch ganz ausbremsen kann er die Konkurrenz nicht. Microsoft und Nokia greifen bereits an, Google startet den Verkauf des Nexus-Tablets. Statt eines bequemen Duopols mit Samsung erwartet Apple nun ein Angriff von mehreren Seiten. So könnte der Patent-Streit zum Bumerang werden.

Angriff in der Nische

Alle Achtung, diesen Mut kann man nur bewundern. Der niederländische Konzern Ahold startet mit eigenen Läden im hart umkämpften deutschen Lebensmittelmarkt - eine Herausforderung an der schon Konkurrenten wie Intermarché aus Frankreich und der US-Konzern Walmart gescheitert sind. Im Gegensatz zu den großen Wettbewerbern hat er aber eine kleine Marktlücke ausgemacht, die durchaus vielversprechend klingt: den kleinen Einkauf zwischendurch. Schüler in der Freistunde und Berufstätige in der Mittagspause können sich freuen.

Schwache Windkraft

Stell dir vor es ist Energiewende - und keiner macht mit. So müssen sich jetzt die Mitarbeiter von Siemens vorkommen. Wegen einer "dauerhaften Nachfrageschwäche nach Windkraftgetrieben" baut das Unternehmen 500 Stellen in der Getriebesparte Drive Technologies ab, zwei Standorte werden ganz geschlossen. Ist die grüne Zukunft schon vorbei bevor sie richtig begonnen hat?

Was fehlt? Das Sommerloch ist angesichts der Euro-Krise ausgeblieben. Sie wollen einen Beweis? Im Schwarzwald waren drei Jungrinder 14 Wochen auf der Flucht, ohne dass es es zu nennenswerten Berichten geführt hat. Im vergangenen Sommer hatte die entlaufene Kuh Yvonne noch wochenlang die Schlagzeilen beherrscht. Wir haben heute offenbar ernstere Probleme.

Ich wünsche Ihnen trotzdem einen sommerlichen Feierabend,

Florian Kolf

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Wahlkampf ohne Sinn und Verstand"

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  • Zu Dobrindt

    Wenn das, worin man übereinstimmt, einen gleichen Standard von Wahrheit und Objektivität bereitstellt, haben Meinungsverschiedenheiten Sinn. Dagegen setzt der Relativismus bezüglich der Standards etwas voraus, was es nicht geben kann- einen Standpunkt jenseite aller Standards.
    Herr Dobrindt vertritt Wahrheit als eine Sprache-Welt-Beziehung NUR zu einem schlecht gewählten Zeitpunkt. Dort ist man die unberechenbare Orientierung der deutschen Kanzlerin und die Abenteuerpolitik der Südländer leid. Die Kanzlerin macht symbolische und örtliche Fehler. Der deutsche Finanzminister täuscht hinsichtlich Brüssel, von dem der große Betrug ausging und ausgeht, die Bevölkerung.

    Ohne Nord-Süd-Orientierung sind zweistellige Inflationsraten möglich und die deutsche Wirtschaft aufgezehrt.
    PS.: Gegen ihr Foto, Herr Kolf, ist gar nichts einzuwenden. Bleiben Sie sich selbst treu.

  • @sabrina
    In Wirklichkeit sieht Herr Kolf nicht ganz so dämonenhaft unterirdisch aus wie auf dem Photo.
    Aber Sie haben recht, diese Aufnahme ist wirklich wie von einem gutgelaunten Berber der Platte gemacht hat und gerade aus seinem Schlafsack gekrochen ist.

  • Lieber Herr Kolf, gegen Ihr Foto ist nichts einzuwenden, gegen Ihren Kommentar zu Herrn Dobrindt schon: Der CSU-Zwerg spricht einfach das aus, was die meisten Bürger und Politiker schon lange denken und was ALLE bereits wissen. Das Problem ist nur, dass der Vorturner der christlich-sozialistischen Union ausser flotten Sprüchen nichts drauf hat, er ist auch gar nicht in der Position, etwas an Merkels Euro-Rettungs-Wahn zu ändern. Der Verdruss der Menschen an der Politik ist nicht ihm, sondern (unter anderem) dem "System Merkel" zuzuschreiben. Angeblich alternativloses Verpulvern des deutschen Vermögens und am Ende soll die Kohle, die an die PIIGS verschleudert wird, über sozialistische Enteignungsmaßnahmen beim deutschen Steuerzahler wieder eingetrieben werden. DAS ist das wahre Problem der PotitikER-Verdrossenheit, und nicht der kleine Generalmajor der noch kleineren CSU.

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