Was vom Tage bleibt
Wenn Makler erhalten, was sie verdienen

Die Maklerbremse lässt einen Berufsstand in Depression verfallen. Die Staatsanwaltschaft will doch gegen die NSA ermitteln, jedenfalls ein bisschen. Bayer verliert seinen Chef. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Die Maklerbremse

Die von der Koalition beschlossene Mietpreisbremse hat auch einen zweiten Absatz: die Maklerbremse. Darin wird festgehalten, dass die Kosten für Makler künftig nicht mehr automatisch die Wohnungssuchenden tragen, sondern eben die Auftraggeber. Das können Mieter wie Vermieter sein. Der Berufsstand der Makler ist seither in Zukunftsangst verfallen und fürchtet um seine Einnahmen. Heute präsentierte er zur Sicherheit ein Gutachten, in dem der Gesetzentwurf als verfassungswidrig eingestuft wird. Falls sich jemals Verfassungsrichter mit dem Fall beschäftigen, wird ihr Urteil lauten: Jeder Makler erhält, was er verdient. Wenn das dann Zukunftsangst in der Branche schürt, erfüllt die Maklerbremse einen guten Zweck.

Star oder Buhmann?

Katar ist der Star unter den Großinvestoren. Hochtief, VW, Deutsche Bank - überall mischt das Land mit. Katar ist der Buhmann in der Sportwelt: Seitdem es die Fußballweltmeisterschaft im Jahr 2022 ausrichten will, vergeht keine Woche, in der nicht über fragwürdige Methoden bei Vorbereitung und Vergabe dieser WM zu lesen ist. Die Charmeoffensive des Landes hat zwei Gesichter. Das eine strahlt uns an. Das andere stößt uns ab. Das Erstaunliche daran ist, dass hinter beiden Gesichtern mit einer Herrscherfamilie an der Spitze des Landes die gleichen Köpfe stecken.

Abgang von ganz oben

Das hören wir doch alle am liebsten: Man geht, wenn es am schönsten ist. Marijn Dekkers, Chef vom Chemieriesen Bayer, hat das heute so beschlossen. Er will 2016 seinen Posten räumen, er ist dann 58 Jahre alt. Der Mann führt private Gründe ins Feld: Er möchte mit seiner Familie in den USA leben. Als Nachfolger steht Finanzchef Werner Baumann bereit. Bayer steht in der Tat glänzend da. Und es gibt keinen Grund Dekkers nicht zu glauben, glaube ich.

Die NSA kommt auf die Anklagebank

Der Grundrechtereport, der auch alternativer Verfassungsschutzbericht genannt und jedes Jahr von verschiedenen Bürgerrechtsorganisationen erstellt wird, listet Defizite beim Grundrechtsschutz auf. In der aktuellen Ausgabe geht es vor allem ums Abhören durch die NSA. Das ist nach Meinung der Autoren alles andere als grundrechtskonform. Die Staatsanwaltschaft schließt sich dieser Meinung nun ein bisschen an: Zumindest das Abhören des Kanzlerinnen-Handys sei nicht okay gewesen, meinen die öffentlichen Ankläger und springen über ihren Schatten: Gegen die NSA wird nun in diesem Fall doch ermittelt.

Draghi verpufft

Aus Versehen erreichte uns heute eine Pressemitteilung der Allianz, die erst am Donnerstag druckfertig sein wird. Darin lässt sich Andreas Utermann, Finanzchef bei Allianz Global Investors, schon einmal darüber aus, was Mario Draghis Zinsentscheidung, die der erst am Donnerstag bekannt gibt, denn so bedeutet. Das Lustige: Utermann sieht sich auf jeden Fall bestätigt, dass die „globale wirtschaftliche Erholung anhalten wird“. In der noch unfertigen Mitteilung steht dieser Satz wie in Stein gemeißelt. Einzig der Einstieg ist noch als Alternative formuliert: Die EZB habe wie erwartet die Geldpolitik gelockert, weswegen die Erholung anhalten werde. Oder sie habe keine Entscheidung getroffen, weswegen die Erholung trotzdem anhalten werde. So offen die Mitteilung damit noch ist, so endgültig ist Utermanns Urteil: Die Welt braucht Draghi nicht.

Einen Abend ohne Draghi wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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