Was vom Tage bleibt
Wer es packt, und wer nicht

Hartmut Mehdorn kann Air Berlin noch retten, Norbert Röttgen dagegen kann die Wahl in Nordrhein-Westfalen ohne ein klares Bekenntnis zum Land nicht gewinnen - der Tagesbericht.
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Guten Abend Ihnen allen,

Die neuen Leiden des Norbert R.

Norbert Röttgen, Spitzenkandidat der CDU in Nordrhein-Westfalen hat sich für eine Leidensstrecke in Düsseldorf entschieden. Anders lässt sich ein Wahlkampfmarathon mit wenig Aussicht auf Erfolg nicht beschreiben. Wie er sein Leiden zelebriert, war heute bei seinem ersten Wahlkampftermin zu besichtigen. Röttgen rang um eine Antwort auf die Frage, was er von der Initiative der Oberbürgermeister im Revier halte, den Solidarpakt Ost aufzukündigen und das Geld an die Ruhr zu pumpen. Die einzig richtige Antwort eines Wahlkämpfers darauf lautet: „Super Idee!“ Röttgens Antwort auf die Forderung lautete aber anders: „Das ist auch 20 Jahre nach der Einheit kein Stil, der den Westen – und Nordrhein-Westfalen als größtes Industrieland – auszeichnen sollte.“ Der Mann antwortet auf die Verzweiflung perspektivloser Menschen im Revier mit Stilfragen. So klingt einer, der darunter leidet, sich von seiner bundespolitischen Verantwortung nicht verabschieden zu können und deswegen in der Landespolitik nicht ankommt. Wer bitte soll diesen Mann wählen? Das Volk mag keine Leidenden. Es mag Siegertypen. Deswegen ist Röttgen der falsche Kandidat.

Die Millionen des Erben

Der Gewinneinbruch im Investmentbanking spiegelt sich auch auf dem Gehaltszettel des künftigen Deutsche-Bank-Chefs Anshu Jain wider. Der bisherige Chef-Investmentbanker, der seine Ziele im Schuldenkrisenjahr 2011 deutlich verfehlt hat, verdiente insgesamt 9,8 Millionen Euro, ein Jahr zuvor waren es noch 11,9 Millionen Euro. Damit übertrumpft Jain aber immer noch den scheidenden Bankchef Josef Ackermann, der mit 9,4 (Vorjahr: neun) Millionen Euro sein Gehalt nur ein bisschen aufbesserte. Wenn Mitarbeiter mehr verdienen als der Chef, können sie eigentlich gleich seine Arbeit machen. Jain hat allerdings bereits deutlich gemacht, dass es nicht nur diese Logik ist, die dazu führt, dass er Ackermann tatsächlich beerbt. Er will auch einiges anders machen als sein Vorgänger. Ob es sich auszahlt, sieht Jain dann auf seinem nächsten Gehaltszettel. Wir haben es vielleicht schon vorher gemerkt.

Ererbte Leiden

Für den ehemaligen Air-Berlin-Chef Joachim Hunold ist heute ein Traum in Erfüllung gegangen. Air Berlin tritt dem internationalen Airline-Bündnis Oneworld bei. Damit gehört Air Berlin zu einer Allianz mit über 9.000 Abflügen täglich und einer Flotte von 2.500 Flugzeugen. Das Problem: Hunold ist ehemaliger Chef. Sein Nachfolger Hartmut Mehdorn hat den Kurs geändert. Nach der Übernahme des Chefpostens bei dem angeschlagenen Unternehmen hatte Mehdorn sich einen Retter als neuen Partner geholt: die aufstrebende und finanzstarke arabische Airline Etihad. Ohne Etihad wären die Berliner jetzt in finanziellen Turbulenzen, deren Folgen kaum abzuschätzen sind. Mit den Mitgliedern von Oneworld - insbesondere British Airways und Iberia - aber liefert sich Etihad seit Jahren einen erbitterten Konkurrenzkampf. Mit seinen zahlreichen neuen Flügen nach Europa, unterstützt von Air Berlin, lockt Etihad europäische Fluggäste zu seinem Drehkreuz in Abu Dhabi. Der Konflikt ist programmiert - und Air Berlin sitzt jetzt zwischen den Stühlen.

Die wahren Retter

Der Ölpreis sinkt in New York auf 105,95 Dollar je Barrel. Das ist zwar noch immer viel, aber eben genau zwei Prozent weniger als gestern. Schuld hat, oder besser Dank sei Saudi-Arabien. Das wichtigste Ölförderland der Welt sorgt sich um die Weltwirtschaft und will mehr fördern um die Preise zu drücken. Länder wie Saudi-Arabien verdienen zwar glänzend an hohen Ölpreisen. Allerdings liegt es eher nicht in ihrem Interesse, die Weltwirtschaft mit zu hohen Ölpreisen abzuwürgen. Langfristig würde das nämlich empfindliche Einbußen in den Staatskassen der Förderländer nach sich ziehen. Wenn wir jetzt an der Zapfsäule feststellen, dass für weniger Geld mehr in den Tank fließt, können wir uns also eines merken: Am Preis drehen in Wirklichkeit weder die staatlichen Steuereintreiber noch der ADAC, wenn er Rabatte für Kunden aushandelt. Sondern am langen Ende des Hebels sitzen die Scheichs. Im guten, wie im schlechten.


Einen guten Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Wer es packt, und wer nicht"

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  • Die CDU arbeitet offensichtlich mit Hochdruck auf allen Ebenen am Projekt 18.

  • Zeitgeschehen

    Es sollte in Zukunft für Bundesminister möglich sein, ohne Wahlkreiszugehörigkeit, bei höchst zu erwartender Flexibilität vor und nach einer Wahl, in anderen Bundesländern erfolgreich zu bewerben. Der 20 Meilen Marsch durch Europa und das Jahrhunderprojekt Energiewende beginnt kaum bei einem Einzelen im Hohen Haus, sondern in der Nähe der Menschen.

  • Norbert Röttgen = „Muttis Klügster“ ?
    Hmm. So klug scheint er doch nicht zu sein.

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