Was vom Tage bleibt
Wer wird Millionär?

Bankmitarbeiter haben nach wie vor beste Aussichten, Einkommensmillionäre zu werden. Gabriel kämpft - um seinen Job. Die Niederlande patzen beim Rating. Und China liebt den Nervenkitzel. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Banken machen Mitarbeiter zu Millionären

Die Zahl der Millionäre, die ihr Geld als Gehalt von einer Bank beziehen, ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Insgesamt verdienten 3530 Banker in Europa mindestens siebenstellig, das waren elf Prozent mehr als noch 2011. Die erfolgreicheren Investmentbanker Großbritanniens verdienten 2012 durchschnittlich 1,93 Millionen Euro. Die Bonuszahlungen übertrafen all jene Obergrenzen, die im nächsten Jahr in Kraft treten sollen. Bei den höchstbezahlten Bankern Großbritanniens betrug die Bonuszahlung durchschnittlich 380 Prozent des Festgehalts. Im lebenslustigen Frankreich sind es stolze 495 Prozent. Manches hat sich vielleicht geändert im Bankgeschäft, vieles aber nicht.

Gabriels Kampf

Sigmar Gabriel ist ein Mann, der schon rein äußerlich den Eindruck vermittelt, dass jedwede Sache für ihn rund läuft. Niederlagen machen stark, könnte sein Lebensmotto sein. Dieses Motto allerdings wird gerade der womöglich härtesten Prüfung unterzogen: Wenn nämlich die Genossen „Nein“ sagen zu dem von ihm ausgehandelten Koalitionsvertrag mit der Union, dann würde dieses Votum Gabriel selbst hinwegfegen. Der Mann kämpft deswegen nicht nur für den Koalitionsvertrag, sondern auch um seinen Job. Vielleicht erwartet er deshalb einfach mal keine Nörgeleien. Wer ihn fragt, erhält unwirsche Antworten wie: „Machen Sie sich mal keine Sorgen, ich kenne meinen Laden gut genug.“ Während er die Journalisten so nicht wirklich in den Griff bekommt, sind die Parteifreunde zahmer. Hannelore Kraft zum Beispiel. Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin sagte heute: „Ich werde nie als Kanzlerkandidatin antreten. Ich bleibe in Nordrhein-Westfalen. Darauf könnt ihr Euch verlassen.“ Für Gabriels Ohren hieß das so viel wie: Du bist der Chef. Auf Deinen Schleuderstuhl bin ich nicht scharf.

Abschied in der Vorrunde

Die Notengeber der US-Ratingagentur S&P meinen, dass die Niederlanden nicht mehr die Bestnote AAA verdient. Der Regierung werde es voraussichtlich schwerer fallen, ihre Haushaltsziele zu erreichen. Mit dieser Entscheidung gibt es weltweit nur noch zehn Länder, davon sieben in Europa, die von den drei großen Ratingagenturen S&P, Fitch und Moody's mit der Bestnote bewertet werden. Bei sieben von ihnen wird die Perspektive dieser Bewertung als „stabil“ eingestuft, bei den drei übrigen, darunter Deutschland, sind die Agenturen für die Zukunft pessimistisch. Das Schöne ist also: Wir haben es noch in der Hand, die Niederlande dagegen liegen schon im Rückstand. Das erinnert an die letzte Fußball-Europameisterschaft, als unser Nachbar in der Vorrunde ausschied.

Nervenkitzel vor Okinawa

Chinas startet Kampfjets, nachdem Flugzeuge aus den USA und Japan durch die jüngst ausgerufene chinesische „Luftverteidigungszone“ geflogen sind. „Wir sind bereit, uns auf eine langanhaltende Konfrontation mit Japan einzulassen“, schrieb die „Global Times“, die der kommunistischen chinesischen Partei gehört. Die USA machen auch mit. Ihr Flugzeugträger „USS George Washington“ pflügt sich vor der japanischen Insel Okinawa durchs Wasser. Der Flugzeugträgerverband, Kriegsschiffe, Unterseeboote und Flugzeuge der 7. US-Flotte nehmen zusammen mit japanischen Streitkräften an Manövern teil. Offenbar brauchen Supermächte den Nervenkitzel, sonst ist ihnen irgendwie langweilig.

Piraten vor dem Untergang

Die Piratenpartei hatte mal hochfliegende Pläne: Sie träumte vom politischen Paradies, das sie im Bundestag vermutete. Sie wachte auf im Senat von Berlin und im Landtag von Nordrhein-Westfalen - und macht allerdings auch dort keinen sonderlich wachen Eindruck. An diesem Wochenende will sie nun in Bremen eine neue Führungsmannschaft wählen. Die, die da kommen, müssten die chaotischen Strukturen der Partei umkrempeln. Ob das die Basis mitmacht, ist noch ungewisser, als der Ausgang der Abstimmung bei der SPD. Wenn Die SPD old economy ist, dann sind die Piraten der Neue Markt, dessen Todestag sich jüngst zum zehnten Mal jährte.

Ein quicklebendiges Wochenende wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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