Was vom Tage bleibt
Wieviel Geld braucht die Deutsche Bank?

Goldman krittelt an der Deutschen Bank herum und vernichtet damit Milliardenwerte. Amerika gähnt anstatt dort zu sparen, wo es nötig ist. Und das Leistungsschutzrecht allein macht keinen glücklich. Die Tageskommentare.
  • 2

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Kampf der Erzrivalen

Wenn sich Goldman mal wieder so richtig über den Erzrivalen Deutsche Bank aufregen will, dann schreiben die Goldmänner eine Studie: Heute war es wieder so weit. „Verkaufen“ lautet die Empfehlung aus dem Hause Goldman zur Aktie der Deutschen Bank. Als Grund nennen die Amerikaner ihre Sorgenfalten um die Kapitalausstattung der Deutschen. Nach ihrer Ansicht muss die Deutsche Bank 13 Milliarden Dollar in ihre US-Tochter nachschießen, wenn sie die absehbar höheren Kapitalanforderungen in den USA erfüllen will. „Ein solcher interner Transfer dürfte die Kapitalausstattung der Bank außerhalb des US-Geschäfts deutlich schmälern – was wiederum den Druck in Sachen Kapitalerhöhung erhöhen könnte“, hieß es und rums, polterte die Aktie um sechs Prozent in den Keller. 1,6 Milliarden Euro Börsenwert haben die Goldmänner beim Rivalen so vernichtet, ohne wirklich etwas Neues zu sagen.

Italienische Verhältnisse

Ab heute soll sich die Politik in Deutschland ändern – zumindest nach dem Willen von SPD und Grünen. Denn aus der Länderkammer, die nun deutlich rot-grün dominiert ist, rollt eine Welle von Gesetzesinitiativen in Richtung Bundestag los. Start ist der Antrag für einen gesetzlichen Mindestlohn. Interessant ist, dass diejenigen, die in der Bundesregierung jetzt mit diesen Machtverhältnissen umgehen müssen, eben diese Verhältnisse mit Gelassenheit hinnehmen. Teilweise sind es die gleichen, die mit Blick auf Italien übrigens von Unregierbarkeit reden. Dabei gleichen sich die Verhältnisse: Im Parlament gibt es eine anders gefärbte Regierung als in der Ländervertretung. Vielleicht können sich die Italiener, wenn sie schon Spaß statt Sparen wählen, wenigstens von Deutschland abschauen, wie so etwas funktionieren kann. Und vielleicht, liebe Vertreter im Bundesrat, gebt ihr mal ein gutes Vorbild ab.

Aufstehen und gähnen

Es kommt nicht oft vor, dass einer der berühmtesten Journalisten Amerikas offen bedroht wird. Bob Woodward, Enthüller des Watergate-Skandals, konnte es selbst kaum fassen, als er eine einschlägige E-Mail aus dem Weißen Haus öffnete: „Sie werden das bereuen“, stand darin. Den Absender wollte Woodward zwar nicht nennen, doch laut dem Sender CNN war es kein Geringerer als Gene Sperling, der oberste Wirtschaftsberater von Präsident Barack Obama. Der Reporter hatte nichts weiter getan, als das scheinheilige Geschacher im Haushaltsstreit anzuprangern. Woodward kritisierte vor allem Obama und nannte dessen Verhalten schlicht „Wahnsinn“. Was er meint, ist eine Sparrunde, die niemand so haben wollte. Doch statt einen Kompromiss zu suchen, geben die zerstrittenen Demokraten und Republikaner der jeweils anderen Seite die Schuld an den kommenden Härten für die Amerikaner. Auf dem Spiel stehen Kürzungen von insgesamt 1,2 Billionen Dollar im laufenden Jahrzehnt, davon 85 Milliarden allein im restlichen Steuerjahr bis September. Wie sich das auswirkt? „Der Großteil der Nation wird heute aufwachen und gähnen“, sagt der Abgeordnete Tim Huelskamp aus Kansas. Vielleicht ist das eine Chance.

Die Suppenköche

Heute hat der Gesetzgeber eine verweichlichte Fassung des leistungsschutzrechts beschlossen. Künftig sollen Google und Co. zahlen, wenn sie Inhalte nutzen, die Journalisten erstellt haben und für die sie von den Verlagen, bei denen diese Journalisten angestellt sind, bezahlt werden. Das Ansinnen ist nur zu verständlich und - keine Frage - als Betroffener stehe ich dahinter und rufe allen anderen Betroffenen zu, die sich vielleicht nicht betroffen fühlen, es mir gleich zu tun: Liebe Kollegen, ihr sägt sonst an dem Ast, auf dem wir sitzen. Doch tatsächlich ist das Geldeintreiben von Suchmaschinen mit einem Leistungsschutzrecht nicht der Weisheit letzter Schluss. Was wir Journalisten wirklich brauchen, ist ein einheitliches Bezahlsystem für unsere Produkte. Weltweit. Ganz einfach und in jeder Währung. Das ist kein Traum, sondern das ist in der Musikindustrie bereits Realität. Die Musikverlage hatten es Jahre lang nicht geschafft, sich auf ein einheitliches Bezahlsystem zu einigen. Jeder kochte sein Süppchen, bei manchen war es so dünn, dass er davon nicht länger leben konnte. Dann kam Apple, dann kam iTunes und nach Jahren des Jammerns meldet die Musikindustrie jetzt zum ersten Mal wieder steigende Gewinne dank Downloads. Diese Entwicklung erfüllt mich mit Hoffnung. Sie zeigt: Es gibt einen Weg, die Verbreitung von Inhalten via Internet zum Geschäftsmodell zu machen. Wir Journalisten fordern Verleger auf: Einigt euch. Schafft ein exzellentes Abrechnungssystem für unsere Produkte. Wir wollen keine Angestellten von Google werden.

Soviel Herzblut muss für heute genügen. Ein entspanntes Wochenende wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Wieviel Geld braucht die Deutsche Bank?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Was ist so schlimm an einem Mindestlohn? Momentan setzen ganze Wirtschaftszweige z.B. in Ostdeutschland darauf, dass ihre Angestellten bzw. beauftragten Selbständigen ihre Hungerlöhne per ALG II aufstocken. Beispiele sind Kommunen, die ihre Kosten für die Reinigung öffentlicher Gebäude senken wollen und letztlich auf den Bund übertragen.
    Die Ausgebeuteten rechnen wiederum 1 und 1 zusammen und merken, dass sie sowohl bei einer Vollzeitstelle als auch bei einer Teilzeitstelle auf das gleiche Endgehalt am Monat kommen, weil die Differenz immer per ALG II ausgeglichen wird. Schlimmer noch: Arbeitgeber stellen die Leute als minijobber ein, wodurch dann überhaupt keinerlei Arbeitnehmerbeiträge zur Sozialversicherung gezahlt werden. Welche Arbeitsanreize setzt so ein Modell? Und wie sieht es mit den Rentenansprüchen dieser Leute aus?

    Was das mit vernünftiger Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik zu tun hat, ist mir schleierhaft.

  • Lesen Sie zum Wochenende doch einfach den neuen Kluftinger-Krimi "Herzblut" v. Volker Klüpfel, Herr Stock, der ist "echt" gut. Kluftinger-Krimis "Kommissar-Kluftinger"
    sind im Allgäu Kult. Auch was für "Düsseldorfer"
    Super Unterhaltung, beinahe so gut wie HB-online.

    Und editieren Sie nicht so
    viele Kommentare vor allem nicht mit der Begründung "bleiben Sie sachlich". das ist eine besondere Bitte.

    Dann kaufen wir auch ihre Produkte wie zum B.die downzuloadenden Artikel fü 99 cent. LOL

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%