Weimers Woche
Warum Sarkozys Sieg gut wäre

Frankreich wählt mitten in der Euro-Krise einen neuen Präsidenten. Nicolas Sarkozy war angeschlagen. Doch die Terrorakte von Toulouse haben die Stimmung gedreht. Für Deutschland wäre seine Wiederwahl eine gute Nachricht.
  • 7

Die Terrorakte von Toulouse haben Frankreichs Präsidentenwahl erschüttert. Der Triumphzug des Sozialisten Francois Hollande ist schlagartig gestoppt. Kein Mensch interessiert sich jetzt mehr für die soziale Frage, Bankerboni oder Altersarmut. Ganz Frankreich will nur noch eines: Sicherheit. Und dafür steht Nicholas Sarkozy wie kein zweiter. Plötzlich wirkt der angeschlagene Präsident wie der Anti-Terror-Spezial-Kommando-Oberführer und der tröstende Vater der verwundeten Nation in einer Person. Krisen sind immer Hochzeiten der Exekutive, doch hier gilt das in besonderer Weise.
Denn Sarkozy profitiert nicht nur als zupackende Führungsfigur und Verkörperung des wehrhaften Staates gegen islamistischen Terrorismus. Ihm nutzt auch der radikale Themenwechsel im Wahlkampf. Jetzt wird über seine Kompetenzfelder diskutiert und nicht mehr über seine Schwächen. Er wird damit nicht bloß im ersten Wahlgang besser abschneiden als gedacht. Vor allem dürfte er nun im zweiten Wahlgang – wenn es zur Stichwahl mit Hollande kommt – die rechten Wähler von Le Pen hinter sich versammeln können. Es ist wie weiland, als die Jahrhundert-Flut im Osten Gerhard Schröder aus aussichtsloser Position wieder nach oben spülte.
Da die politische Massenwirkung der Terrormorde allen Beteiligten klar ist, wird aus dem Wahlkampf plötzlich eine Schlammschlacht. Beide Seiten werfen sich vor, die Opfer politisch zu instrumentalisieren. Wechselseitig schimpfen sie sich pietätlos. Für Sarkozy wird darum der nun wieder wahrscheinliche Wahlsieg immer eine bittere Note tragen. Obwohl er dafür gar nichts kann, wirkt er doch wie ein Profiteur des Terrorismus.

Wie immer man zu dieser Schicksalsfuge der Politik und zur Person Sarkozy steht – sollte er gewinnen, so wäre das für Deutschland eine gute Nachricht. Sarkozy ist weder für seine Bescheidenheit, Warmherzigkeit oder Sachlichkeit bekannt. Er ist auch nicht der Mann, mit dem man gerne in Urlaub fahren oder Gedichte lesen würde. Und doch steht er in einer Schicksalsstunde Europas ganz dicht an der Seite Deutschlands. So dicht sogar, dass es die ganze Welt verblüfft und beeindruckt und dass genau damit die Rettung aus der Euro-Krise erst möglich geworden ist. Sarkozy hat Frankreich auf den deutschen Soliditätskurs gezwungen. Er hat in engem Schulterschluss mit Angela Merkel die Europäische Union zum Stabilitätspakt geführt. Und er riskiert damit sogar bewusst seine eigene Wiederwahl. Sein Herausforderer Hollande kündigt hingegen an, dass er den Stabilitätspakt so nicht will. Er kämpft für den Ausgabenstaat und gegen die Sparpolitik. Da mag der Schuldturm wanken wie er will, Hollande setzt auf Kredit. Sein Wahlsieg würde die deutsch-französische Achse brechen lassen und Europa schlagartig in die Krise zurückwerfen. Das ist auch der Grund, warum Angela Merkel so undiplomatisch offen für Sarkozy Partei ergreift. Sie weiß: Bei der Wahl in Frankreich geht es diesmal auch um uns.

Wolfram Weimer
Wolfram Weimer
Handelsblatt / Gastautor

Kommentare zu " Weimers Woche: Warum Sarkozys Sieg gut wäre"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Nachtrag,
    Spritpeis 8,20 RMB/liter und 8,90 RMB/Liter.
    Kommastellen-Rutscher.

    Sorry

  • Hallo abGEZockt & kleinfeldt,

    Sorry, aber wenn ich lese was und wie ihr schreibt.."Teuro", "Uns Bürger hat der Euro nur Elend gebracht."... Tut mir leid, aber das ist Bildzeitungsniveau.
    Haben Sie wirklich mal Elend gesehen?
    Ich lebe zur Zeit in China und da kann man neben unbeschreiblichen Reichtum auch unbeschreibliches Elend sehen. Komme ich nach Deutschland, also bitte mal die Kirche im Dorf lassen, wo ist da Elend?
    Was waere D ohne den Euro? Waehrungsspielereien und bewusstes abwerten der eigenen Waehrung zum Vorteil der eigenen Exportwirtschaft und damit unlauterer Wettbewerb waere die Folge und das hatten wir schon. Nein Danke Sir.
    Teuro? Hey Mr. abGEZockt, Ich versorge gerade meinen kleinen Jungen mit Milchpulver hier in China. Das fliege ich aus Deutschland ein da das Michpulver, dem auch die Chinesen hier vertrauen in China ca. 45 Euro kostet. Die Packung aus Deutschland kostet 7,65 Euro.
    Meine Frau kauft lieber in Deutschland Klamotten und Schuhe ein, weil es hier zu gleichwertiger Qualitaet nichts in der Preisklasse gibt wie in Europa.
    Entsetzt? Erstaunt? Glaubt ihr nicht? Kommt her und schaut es euch an.
    War da was mit Teuro?
    Bloed-Zeitungs-Retorik ... ist einfach nachzuplappern.
    'Nen BMW Fahren und von Elend sprechen... Klasse.

    Denkt Ihr wirklich das Eure "Argumentation" irgend jemand ueberzeugt.??
    Ach ja- Spritpreis - Ist zur Zeit hier in Shanghai bei 0,82 RMB/Liter fuer 93 Oktan unverbleit und bei 0,89 RMB fuer 97 Oktan unverbleit. Das ist > 1 Teure meine Herrn beim Umtauschkurs zu 8,2-8,4 RMB/Euro. Und das fuer Chinesen, deren durchschnittliches Einkommen wo liegt? Sie wissen es bistimmt besser als ich.
    Nochmals, war da was mit Teuro? ..und Elend?
    Da war was mit Jammern auf hohem Niveau.

    Bis die Tage...

  • Ich denke wie Sie, sehe jedoch keine demokratische Partei am Horizont. Ob SPD oder CDU, alle fahren Deutschland gegen die Wand.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%