Weltwirtschaft
Die Gefahren des Protektionismus

Regierungen werden populistisch. So zeigt der vulgäre Ausbruch des britischen Wirtschaftsministers Peter Mandelson gegenüber dem Chef der US-Kaffeekette Starbucks nicht nur schlechte Manieren, er ist auch Ausdruck einer schlechten Politik. Die globale Wirtschaft ist in Gefahr.

Auf den in Großbritannien abschätzig als "Johnny Foreigner" bezeichneten Ausländern herumzuhacken, scheint seit den 1970er Jahren aus der Mode gekommen zu sein, als Punker aufhörten, die Straßen Londons zu bevölkern. Lord Mandelson scheint das aber nicht mitbekommen zu haben.

Der infame Spruch "Wer zum Teufel ist er?" des britischen Wirtschaftsministers ist nicht nur purer Chauvinismus, er richtete sich auch gegen einen Ausländer, den Starbucks-Chef Howard Schultz, der die britische Wirtschaft für einige Probleme der US-Kaffeekette verantwortlich gemacht hatte.

Diese Art der Kommunikation, das sollte Mandelson besser als alle anderen wissen, ist nicht nur schlechtes Benehmen, sie stellt auch schlechte Politik dar. Damit wird die globale Natur der Wirtschaft bedroht, und es ist schlecht fürs Geschäft und für die Kultur. Noch schlimmer ist, dass der Ex-EU-Handelskommissar auf einen fremdenfeindlichen Trend aufgesprungen zu sein scheint.

Schaut man sich in London an, wer zuerst gefeuert wird und wer bleiben darf, so liegt die Vermutung nahe, dass die Ausländer unter den Angestellten der Banken, Kanzleien und sogar Architekturbüros schneller entlassen werden als die Briten. In den USA wurde die Diskriminierung von Ausländern sogar in das "TARP"-Rettungsprogramm für Ramschanlagen aufgenommen. Es beschränkt die Einstellung hoch qualifizierter Ausländer durch die Empfänger von Staatshilfen.

In schweren Zeiten mögen derartige Kampfansagen vielen Wählern gefallen, sie sind aber trotzdem falsch. London als Drehscheibe für Medien, Finanzwirtschaft und Handelsdienstleistungen sowie fast die gesamten USA sind als Schmelztiegel erst aufgeblüht. Die 300 in London gesprochenen Sprachen und das nicht in der Stadt geborene Viertel der Bevölkerung sind von entscheidender Bedeutung für die finanzielle und kulturelle Wiederauferstehung.

Die Wirtschaftskrise hat die Voraussage der Stadt London, nach der die Geschäftstätigkeit in ihren Grenzen bis zum Jahr 2015 um 80 Milliarden US-Dollar zunehmen wird, bereits stark in Zweifel gezogen. Ohne den Antrieb kultureller Vielfalt wird dieses Ziel noch schwerer zu erreichen sein.

Der Internationalismus war in London kein multikultureller Entwurf, sondern ein Nebeneffekt des bewussten Strebens, die besten Leute anzuheuern, wo auch immer sie herkommen mögen. Heute brauchen alle Länder die besten Köpfe und Experten, die sie finden können, um sich einen Weg aus dem Abschwung zu bahnen.Wenn man das Weltbürgertum abschafft, wird die Leistungsgesellschaft bald leiden. Dieser Zusammenhang ist gut belegt. Nachdem die klügsten Ausländer gehen, folgen ihnen bald die einheimischen Talente nach.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%