Wirtschaftliche Konfusion
Theoretische Probleme

Die Bank von England ist bekanntermaßen schwach bei der Antizipation von steigender Inflation oder schwächelndem Wachstum, doch es gibt keine Zentralbank, Regierung oder auch Experten, die sich viel besser angestellt hätten. Natürlich weiß niemand, was die Zukunft bringt. Doch in der Branche gibt es ein spezielles Problem: Im Modell bleiben Geld und Psychologie außen vor.

Es ist wirklich ein Wunder, dass die Prognosen der Bank von England (BoE) überhaupt noch irgendwelche Aufmerksamkeit erregen. Die britische Zentralbank versagte dabei, sowohl die hohe Inflation als auch das niedriges Wachstum vorherzusehen. Andererseits haben nur wenige Experten es besser gemacht.

Es ist sehr leicht, die Fehler der BoE aus ihrem quartalsweisen Inflationsbericht herauszulesen. Einmal im Jahr enthält er auch eine Seite, auf der zurückgeblickt wird auf vergangene Prognosen. Der am Mittwoch veröffentlichte Bericht vom August zeigt einen großen Fehlschuss. Was seit dem Februar 2007 mit dem Wachstum tatsächlich passiert, wurde damals als sehr unwahrscheinlich erachtet, und das aktuelle Inflationsmuster hielt man für beinahe unmöglich.

Langfristig sieht es besser aus. Beim Zweijahres-Ausblick lag die BoE innerhalb einer Dekade mehr oder weniger richtig, in 71 Prozent des Betrachtungszeitraumes bei der Inflation und in 62 Prozent der Zeit beim Wachstum. Das ist allerdings zum Großteil dem Wetterfroschfaktor geschuldet: Wer die aktuelle Entwicklungen fortschreibt, liegt meistens richtig. Der große Test für Propheten kommt, wenn sich das vorherrschende Muster ändert. Das ist die Stelle, an der die BoE versagte.

Die Ökonomen am Hauptsitz der BoE in der Londoner Threadneedle Street können aber Trost finden für ihre angesehene Institution. Man kann sich an kaum eine Zentralbank, Regierungsstelle oder auch führende Firma des privaten Sektors erinnern, die den globalen Anstieg der Inflation voraussagte, sogar nachdem die Rohstoffpreise vor fünf Jahren zu steigen begannen. Wenn es also um die aktuelle Schlüsselfrage geht, wie stark nämlich die Kreditkrise das Wachstum beeinträchtigt, so dürfte Ihr Tipp wahrscheinlich ebenso gut sein wie der irgendeines Experten.

Die einfache Erklärung für das weit verbreitete Versagen ist, dass niemand die Zukunft kennen kann, vor allem dann, wenn sie sich von der Vergangenheit unterscheidet. Doch die Zunft der Ökonomen hat ein besonderes Paradigmen-Problem bei ihren Voraussagen. Die Modelle, die von den Vorhersagern benutzt werden, berücksichtigen nicht vollständig zwei wichtige Faktoren.

Einige Zentralbanken, darunter die BoE, legen Lippenbekenntnisse ab zur Bedeutung der Verfügbarkeit von Geld und Krediten für die Preisbestimmung. Ihre makroökonomischen Modelle aber ignorieren prinzipiell das Finanzsystem. Und die Modellannahme, dass Konsumenten prinzipiell zeitweilige Marktschwierigkeiten ignorieren, lässt sie zur Unterschätzung der Schwere von Schocks neigen.

Geld und Stimmung mit zu berücksichtigen, würde ökonomische Voraussagen nicht perfekt zutreffend machen. Doch es könnte die Vorhersager etwas weniger dumm aussehen lassen.

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