Xstrata
Fang den Käufer!

Steht Xstrata zum Verkauf? Nicht wirklich. Die in London notierte Bergwerksgesellschaft wäre wahrscheinlich entzückt, wenn sie einen Bieterkampf zwischen Anglo American und der brasilianischen Vale einfädeln könnte. Aber es könnte knifflig werden, beide mutmaßlichen Bieter in den Ring zu kriegen. Und es wäre peinlich, wenn gar keiner zur Versteigerung kommt.

Dies könnte ein guter Zeitpunkt für den Verkauf von Xstrata sein – wenn das Unternehmen ihn denn bewerkstelligen kann. Durch Akquisitionen und gutes Management hat sich die in London notierte Bergwerksgesellschaft ihren Weg in die Oberliga der Branche erarbeitet. Aber die jüngste Entwicklung ihres Aktienkurses legt nahe, dass das Beste vielleicht schon hinter ihr liegt.

Zwischen 2002 und 2006 sind die Xstrata-Titel um 557 Prozent gestiegen und haben damit die Steigerung der Aktien von BHP Billiton, Rio Tinto und Anglo American von jeweils durchschnittlich 170 Prozent weit übertroffen. Im vergangenen Jahr sind die Xstrata-Papiere der Meute allerdings hinterher gelaufen: Ihrem Zuwachs um 56 Prozent steht ein durchschnittliches Plus der Konkurrenten um 74 Prozent gegenüber.

Diese etwas durchschnittlichere Leistung kommt nicht überraschend. Xstrata ist so groß, dass die Minengesellschaft nicht leicht auf Akquisitionen trifft, die billig und groß genug und ausreichend schlecht geführt sind, um einen großen Unterschied auszumachen. Und dann sind da die Preise der wichtigsten Produkte von Xstrata: Kupfer ist gegenüber den Spitzenständen um 20 Prozent, Nickel gar um 52 Prozent gefallen. Darüber hinaus würde sich das Unternehmen durch die geplante Zusammenlegung von BHP Billiton und Rio Tinto einer Branchen-Supermacht gegenüber sehen.

Aber verkaufen zu wollen, ist die eine Seite. Genügend qualifizierte Käufer zu finden, um Spannung in den Bieterprozess zu bringen, ist die andere. Mit einer Marktkapitalisierung von 72 Mrd. Dollar wäre Xstrata ein großer Brocken. Für Beteiligungsgesellschaften würde die Rechnung wahrscheinlich nicht aufgehen. Staatsfonds wären reich genug, aber sie scheinen nicht sonderlich interessiert zu sein. Die Chinesen könnten sich aufraffen, eine Fusion zwischen BHP und Rio zu blockieren, aber nur weil die zusammengelegte Gesellschaft einen beherrschenden Anteil am Markt für auf dem Seeweg befördertes Eisenerz hätte. Xstrata stellt keine solche Bedrohung dar.

Somit bleiben nur noch Branchenkollegen übrig. Wenn man einmal annimmt, dass BHP und Rio anderweitig beschäftigt sind, dann sind nur noch zwei Firmen groß genug, um in Frage zu kommen: die in Großbritannien notierte Anglo American und Vale aus Brasilien, die ursprünglich mit CVRD firmiert hatte. Xstrata wäre über eine zweigleisige Auktion vermutlich entzückt, aber es wird wahrscheinlich nicht einfach werden, beide Bieter auch in den Ring zu bekommen. Anglo befindet sich mitten in einer langen Umstrukturierungsphase und Vale verdaut immer noch die Akquisition von Inco aus dem Jahr 2006.

Außerdem könnte Xstrata, wenn sich nicht die Metallpreise erholen, später billiger sein. Es wäre peinlich, eine Auktion zu halten, zu der dann keiner kommt. Das ist ein Risiko, das Xstrata nicht so schnell eingehen wird. Es wird wahrscheinlich bei einem kleinen Flirt mit attraktiven potenziellen Partnern bleiben – mehr nicht.

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