5 Jahre Terror
Die Lizenz zum Töten

Es gibt Jobs, um die man niemanden beneidet. Die Sammlung und Auswertung der Botschaften von Osama bin Laden gehört eindeutig dazu. Denn die Äußerungen des El-Kaida-Oberen sind auf Grund ihrer stark religiösen Einfärbung für den westlichen Leser nur schwer konsumierbar.

TEL AVIV. Trotzdem kommt, wer mehr wissen will über die Bedrohung durch den radikalen Islam, wohl nicht umhin, sich diese einmal genauer anzuschauen.

"Betrachtet man die Führungselite des Islamismus, so ist er kein Armuts-, sondern ein Wohlstandsphänomen", sagen Marwan Abou-Tham und Ruth Bigalke. Sie erteilen all denen eine Abfuhr, die den islamistischen Terror als eine etwas übertriebene Form des Protestes deuten, schließlich heißt Osama bin Ladens eigentliches Mantra: "Tötet die Ungläubigen!" Viele Menschen würden nicht übrig bleiben, wenn er die Mittel dazu hätte, seine Ziele auch in die Tat umzusetzen. Denn als "Ungläubige" finden sich all die wieder, die nicht an seine Version des Islams glauben. Der eigentlich Grund aber, warum er die westliche Welt lieber heute als morgen vernichtet sehen möchte, lautet: "Ihr trennt die Religion vom Staat und widersprecht damit der reinen Natur, die dem Herrn, eurem Schöpfer, absolute Autorität zuspricht." Die beiden Herausgeber wirken sprachlich zwar gelegentlich ungelenk, ihr Buch ist aber ein wichtiger Beitrag zum Verständnis des islamistischen Terrors.

Das Autorenteam um Gilles Keppel und Jean Milelli-Pierre erweitert das Spektrum der Quellen um Dokumente von weiteren Akteuren des Dschihadismus wie Abdullah Azzam und Aiman el Sawahiri sowie dem kürzlich getöteten Abu Mussab el Sarkawi, auf dessen Konto unzählige Terrorakte im Irak gehen. Sie zeigen, wie diese den "Märtyrertod" zum zentralen Konzept der islamistischen Ideologie machen und mit welchen Methoden sie junge Menschen zu mobilisieren versuchen. "Da der Dschihad eine persönliche Pflicht ist, benötigt niemand die Erlaubnis der Eltern, um dieser Pflicht nachzukommen, ebenso wenig wie er sie für das Morgengebet braucht", behauptete der 1989 getötete Abdullah Azzam. Sehr professionell arbeiten die Autoren das gesamte religiöse Referenzsystem der Mörder im Namen Allahs heraus und verweisen auf die Versuche von bin Laden und Konsorten, sich als "Rettergestalten des Islams" zu präsentieren.

Doch trotz der hervorragenden Analysen trüben einige Äußerungen den Gesamteindruck. So kritisiert Keppel, dass in den USA "die Produktion von Büchern über den Terrorismus zu einer wahren Industrie geworden" sei mit fragwürdigen Resultaten. Das widerspricht den Tatsachen und klingt zudem auch beunruhigend überheblich.

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