Analyse
Warum es die deutschen Versorger so schwer haben

Für Deutschlands Energieversorger werden die Investitionsplanungen immer schwieriger. Die Akzeptanz der Kernenergie in der Bevölkerung bleibt gering. Selbst Betriebsstörungen, die nur Abweichungen vom normalen Betrieb darstellen und nicht sicherheitsrelevant sind, reichen aus, um erneut die Ausstiegsdiskussion zu beleben.

Für Deutschlands Energieversorger werden die Investitionsplanungen immer schwieriger. Die Akzeptanz der Kernenergie in der Bevölkerung bleibt gering. Selbst Betriebsstörungen, die nur Abweichungen vom normalen Betrieb darstellen und nicht sicherheitsrelevant sind, reichen aus, um erneut die Ausstiegsdiskussion zu beleben. In den letzten 20 Jahren ist zu jeder Bundestagswahl die Kontroverse um die Kernenergienutzung von den Sozialdemokraten und Grünen zum zentralen Thema auserkoren worden. Der neue Zwischenfall in einem Transformator des Reaktors Krümmel in diesem Frühsommer beim Wiederanfahren nach Abschluss zweijähriger Reparaturen lieferte für den sozialdemokratischen Bundesumweltminister Sigmar Gabriel eine politisch höchst willkommene Vorlage, um die Bundestagswahl am 27. September auch zu seiner Abstimmung über die Begrenzung der Laufzeiten der Kernkraftwerke zu machen.

Dabei spielt keine Rolle, dass die Sicherheitsrelevanz der jüngsten Betriebsstörung am Ende von internationalen Experten höchstwahrscheinlich mit der niedrigsten Kategorie bewertet wird. Die latente Akzeptanzkrise in der Bevölkerung sorgt dafür, dass die Stimmung schon bei kleinsten Abweichungen vom Normalbetrieb umschlägt und Ängste gegen den Weiterbetrieb ausgelöst werden. Die bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen um die Castor-Transporte in der zweiten Hälfte der 90er-Jahre sind eine Erinnerung, die auch in der Union und FDP selbst bei einer knappen Mehrheit nach der Bundestagswahl eine Kernenergieoffensive bremsen wird.

Für den Fall einer Verlängerung der auf 32 Jahre begrenzten Laufzeiten der installierten Reaktoren werden die deutschen Kernkraftwerksbetreiber schon große Opfer bringen müssen. Für ältere Anlagen ist es notwendig, den Sicherheitsnachweis durch Investitionen zu belegen, die den technischen Fortschritt der letzten Jahre dokumentieren. Möglicherweise würden die Kosten solcher Nachrüstungen nahelegen, statt den Weiterbetrieb von Altanlagen anzupeilen, jüngere Reaktoren längerfristig zu nutzen. Sollte es nach der Bundestagswahl grünes Licht für einen Kernenergieeinsatz im international üblichen Umfang von 50 bis 60 Jahren geben, ist in jedem Fall die Vorsorge noch auszuweiten. Selbst eigentlich unerhebliche Betriebsstörungen müssen möglichst ausbleiben, damit die Stimmung gegen die Kernenergienutzung nicht zusätzlich aufgeheizt wird.

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