Analyse zum neuen Protektionismus
Von wegen einiges Europa

Nationalisten haben bei der Europawahl kräftig zugelegt. Die derzeit größten Übernahmeschlachten zeigen: Protektionistische Wirtschaftspolitik ist längst en vogue. Das Wahlergebnis könnte die Entwicklung noch fördern.
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Die Ergebnisse der Europawahl sind eine Warnung für Europa: In Frankreich siegt der rechtsextreme Front National und die Anti-EU-Partei Ukip schlägt beide große Lager in Großbritannien. Das Erstarken der Nationalisten beunruhigt, sie wollen das Rad in der Europäischen Union (EU) zurückdrehen. Doch zumindest in der Wirtschaftspolitik handeln auch die etablierten politischen Kräfte des Kontinents oft national und protektionistisch.

Das zeigen die Übernahmeschlachten im Industriesektor und in der Pharmabranche. General Electric (GE) aus den USA kämpft weiter mit der deutschen Siemens um Alstom – und buhlt dabei immer stärker um die Gunst der französischen Regierung, die sich ein Vetorecht gesichert hat: Am Mittwoch trifft GE-Chef Jeff Immelt erneut Staatspräsident François Hollande. In Großbritannien bewegt derzeit das Milliardenangebot des US-Pharmariesens Pfizer für Astra-Zeneca die Politik. Es wäre die größte Übernahme durch eine ausländische Firma auf der Insel und der größte Deal in der Geschichte der Pharmabranche.

Am Montag endete die Angebotsfrist: Pfizer gab am Nachmittag bekannt, den Übernahmeversuch vorerst abzublasen. Ein neues Angebot in wenigen Monaten ist jedoch wahrscheinlich.

Die Führung Astra-Zenecas hatte sich gegen die Annahme ausgesprochen. Auch die Politik hatte sich eingeschaltet, wenn auch weniger protektionistisch als in Frankreich, da eine Intervention der Regierung nach geltendem Recht schwierig ist. In Ausschüssen des Unterhauses nahmen allerdings Abgeordnete aller Parteien Pfizer-Chef Ian Read in die Mangel. Und Labour-Oppositionsführer Ed Miliband beschuldigte Premier David Cameron, den Pfizer-Deal als „Cheerleader“ einfach durchzuwinken.

Der Fall Pfizer zeigt, dass es mit europäischer Einigkeit noch nicht weit her ist. Statt beim Ringen um Astra-Zeneca ausschließlich die Folgen für britische Forschung und Arbeitsplätze zu betonen, könnte die Regierung auch auf ganz Europa schauen. Denn der Pharmahersteller ist nicht nur in Großbritannien aktiv, sondern unterhält auch ein großes Forschungszentrum in Schweden.

Auch in Deutschland sind Menschen bei Astra-Zeneca in Lohn und Brot: In Wedel stünden Arbeitsplätze auf dem Spiel, denn Pfizer hat seine Deutschlandzentrale in Berlin. Bei einer Übernahme könnten der Stadt in Schleswig-Holstein zudem hohe Gewerbesteuereinnahmen wegbrechen, wenn die US-Amerikaner auf den Standort verzichten.

Auf EU-Protektionismus zu setzen, könnte in diesem Fall auch durchaus sinnvoll für die Allgemeinheit sein. Denn Pfizer ist dafür bekannt, bei Übernahmen in großem Stil Jobs zu vernichten.

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  • Deutschland profitiert von der EU und vom Euro. Besser gesagt, die deutsche Wirtschaft profitiert von Europa - der Rest von Europa leidet. Um die Schmerzen zu lindern wurde der ESM aufgesetzt - etwa als Sozialhilfe für die Opfer des Euros / EU.
    So langsam merken manche wenige EU-Länder, dass sie dieses Spiel nicht gewinnen können. Die Länder, die durch die EU absteigen, versuchen durch "EU-Skepsis" zu retten, was es noch zu retten gibt. Leider zu wenig, zu spät. Die Streitigkeiten in der EU fangen erst jetzt an.

    Die Scheindemokraten in Brüssel werden versuchen das Gebilde durch Diktatur und EZB zu halten - und werden das Unvermeidbare noch ein bisschen hinauszögern. Das Einstige Europa der Freiheit hinter dem ich stand, ist zu einem diktatorischen Superstaat mutiert, der keine Hemmungen hat Millionen Menschen in den Hungertod zu schicken, um seine Macht zu erhalten und auszuweiten.

  • Wieso der Artikel ist doch noch verfügbar.

    Die Website läuft über das Akamai CDN das gibt es manchmal
    Probleme. Manchmal lädt sie auch garnicht oder nur sehr
    langsam.

  • Und wieder bleibt das HB sich treu:

    Wenn die Kommentare zu unangenehm (HB-Jargon: "unsachlich") werden, veschwindet der Artikel.

    Soeben geschehen mit dem Artikel "Engand driftet ab"

    http://www.handelsblatt.com/politik/international/europawahl/nach-der-europawahl-england-driftet-ab/9950752.html

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