Angela tourt, Gerhard kneift – auf Berlins Polit-Partys zeigt sich die aktuelle Lage
„Spieglein, Spieglein . . .“

Angela Merkel strahlt. Das tut die CDU-Vorsitzende oft in diesen Tagen, und die Meinungsumfragen geben ihr auch allen Grund dazu. Und wem es gut geht, der zeigt sich gerne in der Öffentlichkeit. So steht Angela Merkel in dieser Woche mal in sommerlichen Beige gekleidet unter weißen Zeltdächern hinter der niedersächsischen Landesvertretung, mal im silbrig glänzenden Hosenanzug auf dem Dach des Springer-Gebäudes und hält gut gelaunt Hof.

HB BERLIN. Denn gerade zur richtigen Zeit hat für sie die Saison der politischen Sommerfeste in Berlin begonnen. Traditionell betreibt das Bundes-Theater noch einmal Seelenschau, bevor es sich in die Sommerferien verabschiedet. Man tummelt sich auf Festen der Bundesländer in üppigen Landesvertretungen oder Medien-Empfängen - und überall wird übereinander getuschelt, gelästert und analysiert. Für die Polit-Prominenz ist dies wie ein großer Spiegel: Denn das Verhalten der Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Lobbyisten und anderer Prominenter zeigt ihnen, wo sie gerade machtpolitisch eingeordnet werden. Und wenn Merkel diesmal von Party zu Party eilt, sagt der Spiegel mit schmeichlerischer Stimme und in Form verschiedener Gesichter immer nur eins: "Sie, Angela Merkel, werden die Gewinnerin

sein."

Kein Wunder, dass die Feier-Zwischenbilanz zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder und seiner Herausforderin deutlich zu deren Gunsten ausfällt. 1 : 7 steht es diese Woche im direkten Vergleich. Während sich Schröder nur am Dienstag auf das Hoffest der SPD wagt, zieht Merkel gut gelaunt von einem Ereignis zum anderen: erst das Niedersachsen-Fest am Montag; dann folgen die Feiern bei der "Bild"-Zeitung, des Landes Thüringen und der CDU-Mittelstandsvereinigung am Dienstag. Bereits beim ZDF-Sommerfest am Mittwoch weiß die CDU-Vorsitzende nicht mehr, wie viele Hände sie geschüttelt hat. Zum Abschluss folgen am Donnerstag Abend noch schnell ein Besuch beim "Stern" und der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft.

Überall trifft Merkel an diesen lauen Sommerabenden auf dieselbe, seltsame gelassene Wechselstimmung, die sich in Berlin breit gemacht hat. Überall scharwenzeln Kameraleute, Fotografen und Händeschüttler um die CDU-Chefin und die Matadoren der vermuteteten künftigen Regierung. Wo rot-grüne Spitzenpolitiker wie Renate Künast mit einem Glas in der Hand oder Garnelenspieß auf dem Teller herumstehen, ist es dagegen merklich leerer geworden. Hofiert wird eben im unbarmherzigen Berliner Politikbetrieb nur die aufstrebende, nie die untergehende Macht.

Und wer hat schon Lust, wie Finanzminister Hans Eichel auf dem "Bild"-Fest ständig von aufdringlichen Kamerateams traktiert zu werden? Denn die Schmeichler von einst werden spürbar unhöflicher. Wissen wollen sie von den rot-grünen Kabinettsmitgliedern ohnehin nur noch eins: Wie wollen diese sich bei der heutigen Vertrauensabstimmung verhalten?

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